Zwei Straftäter, die im Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen untergebracht sein sollten, sind noch auf der Flucht – zwei weitere wurden aufgegriffen. Foto: ZfP

Das Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Emmendingen kommt nicht zur Ruhe: Am 4. Mai ist offenbar ein weiterer Patient geflüchtet. Er wurde einen Tag später festgenommen.

So langsam entwickelt sich das Ganze zu einer Serie: Nachdem zuletzt das Verschwinden von drei im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) untergebrachten öffentlich wurde, kam es am 4. Mai Informationen unserer Redaktion zufolge zu einem vierten Vorfall.

 

Der Patient, der zeitweise im Akutklinikbereich in Emmendingen eingewiesen war, kletterte demnach am 4. Mai über den Zaun und türmte ebenfalls. Der 28 Jahre alte Iraker wurde einen Tag darauf in Freiburg mit Einbruchsutensilien im Gepäck aufgegriffen und festgenommen.

Weiterhin auf der Flucht sind derweil die beiden in Emmendingen untergebrachten Straftäter, die sich am 1. Mai aus dem Staub gemacht hatten. Neben dem 26 Jahre alten gefährlichen algerischen Straftäter Sofiane O. fehlt auch vom Marokkaner Ahmed H. (34) jede Spur. Letzterer war nach einer gefährlichen Körperverletzung im Zustand der Schuldunfähigkeit von einem Gericht in Offenburg zur Unterbringung im ZfP verurteilt worden. Die beiden Männer sollten noch am selben Tag von einem genehmigten Ausgang zurückkehren – taten es aber nicht. Wohl kein Zufall.

Straftäter planten ihre Flucht wohl gemeinsam

Zu der neuerlichen Flucht aus der Emmendinger Psychiatrie erklärte der stellvertretende Medizinische Direktor der forensischen Klinik, Franz-Xaver Regel, am Freitag, dass die beiden Klinikinsassen ihre Flucht wohl gemeinsam geplant und durchgeführt hätten.

Unklar, warum nicht über beide Fälle gleichzeitig berichtet wurde

Er vermute, dass beide sich ins Ausland abgesetzt haben, da ihnen die Abschiebung aus Deutschland drohte. „Die beiden waren auf der gleichen Station untergebracht und kannten sich.“ Warum nicht über beide Fälle gleichzeitig berichtet worden sei, entziehe sich seiner Kenntnis. Erst am Mittwoch hatte die Polizei die Fahndung nach Ahmend H. öffentlich gemacht.

Von den beiden Flüchtigen könnte eine Gefahr drohen

Von beiden Patienten könne zumindest perspektivisch eine Gefahr weiterer Straftaten ausgehen, wenn die Wirkung ihrer Medikation nachlässt. Das sei, so Regel, aber nur eine theoretische Gefahr und müsse sich nicht zwangsläufig so ergeben.

Erster Vorfall bereits im April

Eine Woche vor dem Verschwinden der beiden Patienten O. und H. war in Emmendingen ein anderer Patient nicht von einem Freigang zurückgekehrt und hatte – bevor er verhaftet werden konnte – in der Nähe von Freiburg ein zwölfjähriges Mädchen überfallen, um dem Kind sein Fahrrad zu stehlen.

Beim Thema Freigänge wird strenger hingeschaut

Derzeit sei man in Emmendingen dazu übergegangen, beim Thema Freigänge und Lockerungen im Maßregelvollzug strenger hinzuschauen, so Franz-Xaver Regel. Die aktuelle Häufung von Fällen sei nicht alltäglich und setze auch das Klinikpersonal unter Druck. Eine absolute Sicherheit vor Fehleinschätzungen bei den Lockerungen für Forensik-Insassen gebe es nicht, auch wenn alle Freigänge nicht das Ergebnis von Einzelentscheidungen seien, sondern im Team abgestimmt würden. Er sei der Ansicht, dass diese Entscheidungen mit großem Verantwortungsgefühl getroffen werden, so Regel.

Darauf hat auch eine Sprecherin des zuständigen Sozialministeriums noch einmal hingewiesen: Einrichtungen des Maßregelvollzugs seien „keine Gefängnisse“.