Jüngst wurden die Zensus-Ergebnisse veröffentlicht. Hechingen bildet in Sachen Entwicklung der Einwohnerzahl eine Ausnahme im Zollernalbkreis und ganz Deutschland. Foto: dpa/Daniel Karmann

Die Zensus-Ergebnisse wurden jüngst veröffentlicht – und haben in einigen Kommunen wegen schrumpfender Bevölkerungszahlen für Aufsehen gesorgt. Hechingen hingegen verzeichnet ein Plus. Für die Stadt auch eine erfreuliche finanzielle Nachricht.

In Deutschland leben derzeit 82 711 282 Menschen. Das ist das Ergebnis des Zensus 2022, der in der vorherigen Woche von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder veröffentlicht wurde. Überraschend: Die Bevölkerung in Deutschland wächst deutlich langsamer als angenommen, waren doch laut Fortschreibung der Bevölkerung auf Basis des Zensus aus dem Jahr 2011 knapp 84 Millionen Menschen in Deutschland vermutet worden.

 

Demnach wurde die erwartete Einwohnerzahl in vielen Kommunen nach unten korrigiert. Nicht so aber Hechingen. Die Zollernstadt ist laut Zensus 2022 gewachsen. Statt den vermuteten 19 358 wurden nämlich 19 514 Hechinger gezählt. Das ist eine Steigerung um 156 Einwohner, was rund 0,8 Prozent entspricht.

Es geht um Geld: Zensus bestimmt über Finanzausgleich

Die Bevölkerungszahl ist für die Verwaltungen durchaus von Bedeutung. Denn: Jede Kommune bekommt einen Finanzausgleich (FAG) – abhängig von der Einwohnerzahl – von der Landeskasse. Stadtsprecher Thomas Jauch sagt daher wenig überraschend: „Die Stadt Hechingen freut sich außerordentlich über den Einwohnerzuwachs.“ Ein Plus von 156 Einwohnern erbringe pro Einwohner einen Kopfbetrag von rund 1950 Euro, wovon jedoch noch Umlagen – zum Beispiel an den Landkreis – abgehen. Vollständig wirksam werden die Ausgleichszahlungen aber erst im Jahr 2026.

Mit dem Plus in Sachen Bevölkerung bildet Hechingen eine Ausnahme im Zollernalbkreis. In Zahlen: Der Kreis verliert laut Auswertung 1173 Einwohner. Insgesamt sind es 191 793 Zollernälbler. Das freut die Verwaltung selbstredend besonders: „Dass Hechingen nun eine der wenigen Kommunen im Zollernalbkreis ist, die einen Bevölkerungszuwachs vorweisen kann, spricht für die Attraktivität und die wirtschaftliche Bedeutung der Zollernstadt“, so Jauch. 0,8 Prozent Zuwachs seien „respektabel“.

Hechingen wächst – doch Wohnungen sind knapp

Doch Jauch informiert auch: „Dass Hechingen wächst, zeigt parallel auch die Knappheit an Wohnungen in der Stadt, die hoffentlich durch das Baugebiet Killberg IV behoben wird.“ Dort läuft derzeit die Erschließung des zweiten Bauabschnitts auf Hochtouren.

Gas und Heizöl dominieren als Hauptenergieträger

Dazu kommt: „Die neuen Zahlen sind eine Bestätigung der Kritik Hechingens an den Ergebnissen des Zensus 2011.“ Zahlreiche Kommunen, darunter auch Hechingen, hätten die damaligen Ergebnisse als falsch beziehungsweise als zu niedrig bewertet. Dennoch sei es derzeit schwierig, die Differenz der Zahlen zu bewerten, da die Erfassungsmethoden der Zensusse 2011 und 2022 unterschiedlich waren.

Doch bei der Zensusbefragung werden nicht nur demografische Daten erhoben: Erfragt wird auch der Haupt-Energieträger der verbauten Heizung. Die Daten wurden im Internet in einer interaktiven Landkarte veröffentlicht. Die Werte werden dort in Gittern der große 0,1; 1 und 10 Quadratkilometer angegeben. Betrachtet man das 10-Quadratkilometer-Gitter über Hechingen, so wird deutlich, dass Gas und Heizöl weiter dominieren. 6031 Wohnungen (37,8 Prozent) werden mit Gas, 6639 mit Heizöl (31,6 Prozent), 733 mit Solar (4,6 Prozent) und 49 mit Fernwärme (0,9 Prozent) beheizt. Beachtet werden muss bei diesen Angaben aber, dass auch noch kleine Stücke der Gemeinden Rangendingen, Grosselfingen und der Stadt Burladingen in das Gitter fallen. Dass es regional deutliche Unterschiede bei der Heizart gibt, zeigt ein Blick nach Tübingen. Das Gitter über der Universitätsstadt zeigt einen Fernwärmeanteil von 22,6 Prozent.

Regional deutlich unterschiede bei Mietpreisen

Erfreulich für die Zollernstadt ist der Vergleich mit Tübingen bei den Mieten. In Hechingen liegt die Nettokaltmiete pro Quadratmeter zwischen sechs und acht Euro – tendenziell pendeln sich die Mietpreise in der Kernstadt zwischen sieben und acht Euro und in den Stadtteilen zwischen sechs und sieben Euro ein. In Tübingen wiederum ist kaum eine Nettokaltmiete unter zehn Euro pro Quadratmeter zu haben.

Hintergrund zum Zensus

Was hat es mit dem Zensus auf sich? Im Jahr 2022 fand in Deutschland wieder ein Zensus statt. Mit dieser statistischen Erhebung wird ermittelt, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten. Viele Entscheidungen in Bund, Ländern und Gemeinden beruhen auf Bevölkerungs- und Wohnungszahlen. Um verlässliche Basiszahlen für Planungen zu haben, ist eine regelmäßige Bestandsaufnahme der Bevölkerungszahl notwendig.

Alle zehn Jahre Mit dem Zensus 2022 nahm Deutschland an einer EU-weiten Zensusrunde teil, die seit 2011 alle zehn Jahre stattfinden soll. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde der Zensus von 2021 in das Jahr 2022 verschoben. Für den Zensus arbeiten die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder zusammen.