Riesig ist der Andrang in diesen Tanken der hohen Spritpreise an den vergleichsweise günstigen Trigema-Tankstellen, wie hier in Rangendingen (Zollernalbkreis). Foto: Hurm

Wer Benzinpreise vergleicht, kommt nicht daran vorbei: Trigema-Tankstellen sind so viel billiger als die Konkurrenz. Wie das möglich ist, erklärt Wolfgang Grupp junior.

Eine exemplarische Beobachtung aus diesen Tagen, da fast kein Thema die Deutschen so bewegt wie die explodierten Spritpreise: Am Ostersamstag, 3. April 2026, spätvormittags in Burladingen: An allen drei Tankstellen des Städtchens auf der Zollernalb stehen die Autofahrer Schlange. Denn hier sind Diesel und Benzin meist deutlich billiger als im Umland. Die Tankstelle des Textilherstellers Trigema gibt beim Diesel mit 223,9 Cent pro Liter den Takt vor. Doch auch die örtliche Konkurrenz ist zu dieser Stunde kaum teurer: Schräg gegenüber bei Esso gibt’s den Liter Diesel für 224,9, am anderen Ortsende bei Eco für 225,9.

 

12-Uhr-Aufschlag um 28 Cent

Doch dann schlägt es 12 Uhr. Es ist der einzige Zeitpunkt, an dem laut dem jüngsten Erlass aus Katherina Reiches Wirtschaftsministerium die Spritpreise noch erhöht werden dürfen. Die Trigema-Konkurrenten langen so richtig zu: Sie erhöhen den Dieselpreis um satte 28 Cent (!) auf 253,9 beziehungsweise um 27 Cent auf 251,9. Der Andrang ebbt kurz nach der Mittagszeit spürbar ab.

Trigema bleibt stabil

Und Trigema? Erhöht überhaupt nicht. Es bleibt bei den nun sensationell günstig wirkenden 223,9. Die Folge: Der Andrang nimmt hier noch zu, und wenige Stunden später ist der Diesel-Vorrat verbraucht. Ebbe im Spritpreis-Paradies. Das kommt in diesen Tagen gerade wochenends immer mal wieder vor. Ärgerlich, aber nachvollziehbar. Auch in Rangendingen, dem zweiten Trigema-Tankstandort im Zollernalbkreis, wo die Autoschlangen in den Stoßzeiten bis über das Tankstellengelände hinausreichen und mitunter die Zufahrt ins Gewerbegebiet blockieren.

Die Trigema-Tankstellen, wie hier in Rangendingen (Zollernalbkreis) vor einigen Tagen, fallen durch eine stabile Preispolitik auf – und sind häufig deutlich billiger als die Konkurrenz. Geschäftsführer Wolfgang Gruppe jun. erklärt, wie das möglich ist. Foto: Hurm

Wie kann es sein, dass Trigema sein Benzin so viel billiger anbieten kann als die großen Mineralölkonzerne? Und warum macht Wolfgang Grupp junior das 12-Uhr-Spielchen nicht mit? Der Trigema-Chef hat es jüngst gegenüber der SÜDWEST PRESSE erklärt: „Wir haben eine faire Preispolitik, wir ändern nicht untertags, sondern immer, wenn wir neuen Sprit bekommen. Wir ändern weder davor noch danach“, betont er.

Das heißt: An den Trigema-Tankstellen ändern sich die Preise von einer Groß-Lieferung zur nächsten nie. Der jeweils vorhandene Vorrat an den insgesamt drei Tankstellen des Textilunternehmens (Burladingen, Rangendingen und Altshausen) wird Grupp zufolge bis zum Eintreffen der nächsten Lieferung zum gleichen Preis verkauft. Das führt nicht immer zwangsläufig dazu, dass bei Trigema der Sprit am billigsten ist, meistens aber schon.

Auch an diesem Samstag, 11. April (12.10 Uhr), war es so: Während bei Trigema in Burladingen der Diesel 217,9 pro Liter kostete, bot der billigste Konkurrent in einem Fünf- Kilometer-Umkreis den Sprit für 230,9 an.

„Ein bisschen was verdienen wir schon“

Gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ betonte Grupp jetzt: Trotz der günstigeren Preise müssten auch die Trigema-Tankstellen wirtschaftlich arbeiten: „Ein bisschen was verdienen wir an unseren Tankstellen schon, wir müssen ja auch die Betreiberkosten bezahlen.“ Die Marge sei dieselbe wie vor Beginn des Iran-Kriegs.

Eine wichtige Rolle spielten laut Grupp auch die „langjährigen, guten Geschäftsbeziehungen“ zu den Lieferanten. „Unsere Lieferanten unterstützen uns weniger preislich als mit ihrer Flexibilität. Erst gestern konnte ich kurzfristig über WhatsApp eine Bestellung ändern“, berichtet der Trigema-Chef.

Danksagungen von der Kundschaft

Die Kundschaft jedenfalls ist hocherfreut über die Trigema-Preispolitik. Grupp: „Man bekommt öfter nette Post oder Danksagungen von Kundinnen oder Kunden. Das ist super lieb, und darüber freut sich das ganze Team. Auf eine gewisse Art ist es aber auch erschreckend, dass sich die Leute für etwas bedanken, das eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Nämlich, dass man eine Krise nicht ausnutzt.“

Das wiederum zahlt auf das Trigema-Markenimage ein. Wolfgang Grupp jun.: „Unser Ziel ist es, das ehrlichste T-Shirt zu produzieren – dieses Credo nehmen wir in alle Geschäftsbereiche mit.“