Zwei große Projekte hat die Wohnbau in Weil am Rhein sich für das kommende Jahr vorgenommen. Das Hochhaus am Liegnitzer Weg kann wohl weiter genutzt werden.
Bisher hatte die städtische Wohnbaugesellschaft Weil am Rhein den Abriss des Hochhauses für alternativlos gehalten. Eine Ertüchtigung sei nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu teuer, hieß es.
Das ändert sich jetzt: Nach einer erneuten Prüfung habe sich herausgestellt, dass die Sanierung und die statische Ertüchtigung auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten möglich ist, führte Wohnbau-Geschäftsführer Daniel Franke bei einem Pressegespräch aus.
Demnach soll das Gebäude dem Vorschlag eines Architekturbüros zufolge durch ein sogenanntes Exoskelett ertüchtigt werden. Damit würde in dem 1968/69 gebauten Haus die geforderte Erdbebensicherheit geschaffen, und zusätzliche Wohnungen entstehen.
Das passe genau zu dem von ihm nachdrücklich vertretenen Wunsch, dieses Gebäude möglichst zu erhalten, freute sich Lorenz Wehrle, Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnbaugesellschaft.
Das Haus wird von einem Stahl-Korsett umgeben
Geht man von aktuellen Visualisierungen aus – die nur die Idee, nicht den Endzustand zeigen –, bekommt das in die Jahre gekommene Hochhaus im Liegnitzer Weg 8 bald ein neues Gesicht: Von weitem gesehen, mutet das stählerne Sicherungsbauwerk wie ein filigranes, schwarz gezeichnetes Muster auf der Hochhausfassade an.
Es dient der vorgeschriebenen, statischen Sicherung des Gebäudes: Bei einem Erdbeben würden Zugkräfte auf die stählernen Verbindungsstreben einwirken, erläuterte Wehrle zum Hintergrund.
Sie müssten deshalb nicht übermäßig breit sein, räumte er Bedenken aus, das Gebäude könnte von der Wucht des Stahlskeletts „erdrückt“ werden.
Darüber hinaus habe es aber noch einen weiteren Vorteil, so Franke. Den aktuellen Plänen zufolge dient es auch zur Befestigung neuer Balkone. Die bisherigen, in die Fassade hineinragenden Balkone sollen zu Wohnraum umgewandelt werden.
Die Wohnfläche wir größer, Balkone kommen hinzu
Das macht einiges aus: Aus bisher insgesamt 8000 Quadratmetern Wohnfläche werden 9350. Zehn Wohnungen mehr als bisher, also 110, sollen nach der Renovierung zur Verfügung stehen, die Hälfte davon gefördert. Die derzeit verhältnismäßig großzügigen Wohnungen sollen so umgestaltet werden, dass sie kompakte, förderfähige Grundrisse haben. Denn die Förderbedingungen seien derzeit gut, war zu erfahren.
Dies könne etwa durch die Umgestaltung der bisherigen, separaten Küche zu einem weiteren Zimmer geschehen, während die Küche als Wohnküche offen in den Wohnbereich integriert werde.
Besonderes Augenmerk richtet die Wohnbau auf 4- bis 5-Zimmerwohnungen für Familien mit mehreren Kindern, welche sie derzeit zu wenig habe. Die Nachfrage danach sei hoch, hieß es.
Nicht zuletzt werde damit auch den Anforderungen des Brandschutzes Genüge getan, ergänzte Ko-Geschäftsführer Rudolf Koger.
Baurechtlich sei man derzeit in Abstimmung mit der Stadt, berichtete Franke. Wenn alles so läuft, wie derzeit geplant, könnte der Umbau bis 2029 fertiggestellt sein.
Ob die Mieter bleiben können, ist noch nicht gewiss
Noch sei nicht ganz klar, ob eine abschnittsweise Sanierung des Gebäudes möglich sei. Wenn dies aber so sei, was sich derzeit abzeichne, dann könnten die bisherigen Bewohner während des Umbaus in dem Hochhaus bleiben.
Die 100 Wohnungen in dem sanierungsbedürftigen Hochhaus sind derzeit zu 25 Prozent von Mietern der Wohnbau belegt, weitere 20 Prozent, also 20 Wohnungen, seien an die Stadt vermietet, die dort teils Flüchtlinge übergangsweise untergebracht hat, berichtete er.
Gut gelegenes Gebiet rund um das Hochhaus
Das Gebiet rund um das Hochhaus, das nun zu neuem Leben erweckt werden soll, sei durch seine Nähe zur Innenstadt und zum Schulcampus Weil am Rhein gut gelegen, unterstrich Wehrle.
Auch die Flächen ringsum bieten Entwicklungspotenzial. Im aktuellen Integrierten Stadtentwicklungskonzept sind sie als Entwicklungsflächen aufgeführt.
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