Das Interesse an Information und Diskussion bleibt überschaubar. Foto: Schnekenburger

Beim Infoabend in der Oberndorfer Neckarhalle wird das Thema Windenergieanlagen im „Wisoch“ zwischen Beffendorf und Fluorn-Winzeln von allen Seiten beleuchtet.

Der von manchem erwartete Ansturm entpuppte sich am frühen Freitagabend als allenfalls als ordentliche Brise: Mehr als so um die 200 Teilnehmer in Präsenz gab es bei der zentralen Informationsveranstaltung zum Thema Windpark im Wisoch – beziehungsweise Bürgerentscheid über die Verpachtung kommunaler Flächen im dortigen Vorranggebiet für Windenergieanlagen – zu keinem Zeitpunkt.

 

Da war das Interesse vor einem Jahr in der Halle in Winzeln mindestens genau so groß. Damals hatte die Badenova, die den Bau und Betrieb von fünf Windenergieanlagen im Gebiet zwischen Beffendorf und Fluorn-Winzeln plant, ihr Projekt vorgestellt.

Diskussion selbst mit gestalten

Jetzt, viele Diskussionen auch in kommunalen Gremien, zwei Bürgerbegehren und einige Informationsveranstaltungen später, gab es in der Oberndorfer Neckarhalle nicht nur Gelegenheit, sich an einem Ort über unterschiedliche Aspekte und auch gegensätzliche Standpunkte zu informieren, sondern selber zur Diskussion beizutragen.

Ein Teil der Veranstaltung, die Podiumsdiskussion, wurde zudem live gestreamt – und ist bis 7. März auch noch im Internet nachzuschauen. So kamen laut einer frühen Zwischenstandsmeldung immerhin nochmals 70 Teilnehmer hinzu, aus deren Reihen auch Fragen in die Diskussion eingesteuert wurden.

Moderiert wurde der Abend von Michel-André Horelt, unterstützt von Sarah Knöll. Das Duo arbeitet für das „Forum Energiedialog“. „Wir sind dafür da, dass der Dialog vor Ort gut strukturiert abläuft“, skizzierte Horelt das Angebot des Landes, auf das die Stadt Oberndorf und die Gemeinde Fluorn-Winzeln in Vorbereitung auf den Bürgerentscheid zurückgegriffen haben. Die meisten Wahlberechtigten kennen die Arbeit vielleicht unbewusst durch die Infobroschüre, die Haushalten in den beiden Gemeinden zugegangen ist, zahlreiche Interessierte haben bei den beiden Veranstaltungsserien in der Vorwoche – den Marktplatzgesprächen und den digitalen Visualisierungen vor Ort – schon Kontakt mit dem Forum Energiedialog gehabt.

Entscheid nur zu kommunalen Flächen

Die Bürgermeister Matthias Winter (Oberndorf) und Rainer Betschner (Fluorn-Winzeln) begrüßten zu diesem Abend. Winter machte deutlich, dass er für den „trotz der Unterschiedlichkeit der Meinungen anständigen“, fairen Umgang bisher dankbar sei und bat, dass man diesen Umgang auch bis zum Bürgerentscheid weiter pflegen solle. Er erinnerte auch daran, dass es beim Oberndorfer Bürgerentscheid nur um den Stadtwald im Wisoch, wo zwei Anlagen geplant sind, gehe. Betschner schloss sich dem an und wies darauf hin, dass der Bürgerentscheid in Fluorn-Winzeln nur für eine kleine Fläche gelte, die für eine Anlage vorgesehen ist. Der größte Flächenanteil auf Fluorn-Winzelner Gemarkung sei privat. Dort habe sich die Badenova bereits Flächen für Windenergieanlagen gesichert. Und was später noch klar werden sollte: Bei den beiden avisierten Anlagen dort – die werden sehr wahrscheinlich realisiert – ist der Projektierer auch nicht mehr an die beispielsweise von Beffendorf gewünschten und von der Stadt als Maßgabe ausgeworfenen Abstandsmaße von 1000 Metern gebunden, sondern kann sich auf die gesetzlichen Vorschriften, die geringere Abstände einräumen, zurückziehen.

Natur, Ökologie, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit

Vor der Diskussion bestand ausgiebig Gelegenheit, sich an mehreren Ständen sich über die Positionen, Planungen, Argumente und auch die absehbaren Folgen des einen oder anderen Ergebnisses der Bürgerentscheide, die am 8. März parallel in Fluorn-Winzeln und in Oberndorf stattfinden werden, zu informieren. Dafür standen die „badenovaERNEURBARE“, als Projektierer und gerne Betreiber eines Windparks im Wisoch, die Kommunen Oberndorf und Fluorn-Winzeln – vertreten durch die Bürgermeister Matthias Winter und Rainer Betschner sowie Gemeinderatsvertreter –, das „Dialogforum Energiewende und Naturschutz“, ein Gemeinschaftsprojekt von Nabu und BUND, und die Bürgerinitiative Oberndorf gegen Windindustrie. Zu Gast war zudem die „3-Täler-BürgerEnergie“-Genossenschaft aus Sulz mit einem Infostand. Angekündigt war auch die Teilnahme der Bürgerinitiative „Windkraft-Zweifler Fluorn-Winzeln und Umgebung“, die für die Infoveranstaltung in der Neckarhalle dann allerdings abgesagt hatte.

Fast eineinhalb Stunden hatten die Besucher – und natürlich auch die Protagonisten des Abends – Gelegenheit, sich bei den Ständen ein Bild zu machen, gerne auch argumentativ.

Die Bürgerinitiative vermittelte etwa mit einem Holzmodell einen Eindruck der Dimensionen, die die geplanten Windräder erreichen – vom menschlichen Maß über den Beffendorfer Kirchturm bis zur in Rede stehenden Windenergieanlage. Sie wollte zeigen, dass die Anlagen nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch den Wald an sich zerstörten.

Das Dialogforum akzentuierte die Problematik „Windenergie im Wald“ und „an diesem besonderen Ort“ im Wisoch, zeigte nicht nur beim Thema Rotmilan Konfliktpotenziale zwischen Ausbau und Naturschutz auf. Die „3-Täler-BürgerEnergie“ zeigte ihre Projekte und Teilhabemöglichkeit, aber auch, wie weiteres Engagement mit Wirkung in die ganze Region Sulz/Oberndorf/Alpirsbach aussehen könnte.

Die Kommunen informierten über den Diskussionsprozess hin zu den Gemeinderatsentscheiden pro Vermarktung kommunaler Flächen für die Windenergieanlagen im Wisoch, wirtschaftliche Folgen und, die Bürgerentscheide und deren Auswirkung – und was sie eben nicht abdecken. Und der Projektierer? „Wir freuen uns, wenn wir die Diskussion versachlichen können.“

Die Podiumsdiskussion

Nachschauen
ist online bis 7. März unter https://www.youtube.com/watch?v=wJtu-uzT0kk möglich. Die Diskussion startet um circa 1:00:25