Das „prominente“ Windrad an der B462 bei Zimmern ist defekt, ein neues ist geplant. Nach Widerstand aus Stetten meldet sich jetzt die Firma Verum Wind zu Wort.
Direkt an der B462 zwischen Dunningen und Rottweil dreht sich seit fast zwei Jahren nichts: Das dortige Windrad hat einen Getriebeschaden und kann nicht repariert werden. Jetzt ist ein „Repowering“ geplant, sprich, an gleicher Stelle soll eine neue Windkraftanlage entstehen. Auf Gegenwind des Settener Ortsvorstehers reagiert nun der Geschäftsführer der Firma Verum Wind.
Carlo Schölkopf ist wichtig, einige Dinge klarzustellen - nicht zuletzt was die Akzeptanz des Projekts angeht. Er bezieht sich hierbei auf die Bürgerinfoveranstaltung in Flözlingen Mitte April. Man habe eingeladen, um das Projekt frühzeitig vorzustellen und transparent zu informieren. Es habe auch Raum für Fragen und kritische Anmerkungen gegeben – und man habe am Schluss eine Live-Abfrage zur Stimmungslage durchgeführt.
Den Screenshot dazu mit dem Ergebnis sendet der Geschäftsführer unserer Redaktion zu - auch wenn er betont, dass dies natürlich nicht als repräsentative Umfrage für den ganzen Ort gesehen werden könne.
Das Ergebnis zeige dennoch ein deutliches Bild: „69 Prozent der Teilnehmenden befürworten das Projekt und sind an einer Bürgerbeteiligung interessiert. Weitere acht Prozent sind zwar nicht an einer Bürgerbeteiligung interessiert, haben aber nichts gegen das Projekt. Sechs Prozent bezeichnen sich zwar nicht als ausgesprochene Windenergiefreunde, wären aber dennoch an einer Bürgerbeteiligung interessiert. 17 Prozent der Teilnehmenden haben angegeben, das Vorhaben abzulehnen und Windenergie grundsätzlich schlecht zu finden.“
Daraus lasse sich ableiten, sagt Schölkopf, dass 83 Prozent das Projekt nicht ablehnen, beziehungsweise diesem offen oder unterstützend gegenüber stehen.
Stettens Ortsvorsteher Daniel Hirt wiederum hatte in der jüngsten Ortschaftsratssitzung erklärt, dass es viele kritische Stimmen gebe und bei ihm vor der Infoveranstaltung „das Telefon heiß gelaufen“ sei. Und auch wenn das Baurechtsverfahren noch gar nicht läuft, hat er sich frühzeitig mit einem Fragenkatalog an das Landratsamt gewandt. Er sehe sich als Vertreter jener, die dem Projekt kritisch gegenüberstehen.
Hirt schaut auf Eiswurf, Schattenwurf und Nähe zur B462
Eisabwurf, Schattenwurf, die Nähe zur B462, Schallbelästigung - für diese Fragen und einige mehr habe er frühzeitig beim Landratsamt sensibilisieren wollen, hatte Hirt erklärt.
Für den Geschäftsführer der Verum Wind, die das Repowering umsetzen will, ist „selbstverständlich legitim“, dass der Ortsvorsteher vor allem die Seite derjenigen vertrete, die dem Projekt ablehnend gegenüberstehen. Und man begrüße, wenn kritische Fragen gesammelt und dann transparent beantwortet werden können.
Die Botschaft ist sensibel
Allerdings halte man die Botschaft von Hirts Fragenkatalog ans Landratsamt für sensibel: „Sie kann den Eindruck erwecken, als würden die zuständigen Behörden ohne einen solchen Fragenkatalog nicht sorgfältig, umfassend oder kritisch genug prüfen“, sagt Schölkopf. Dabei beruhe gerade ein Verfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz auf einer detaillierten, unabhängigen und behördlich kontrollierten Prüfung.
Wo, wenn nicht hier?
Und er wundert sich: Immerhin bestehe hier bereits seit rund 25 Jahren eine Windenergieanlage. Wenn es hier nicht gelinge, diese durch eine moderne, deutlich leistungsfähigere Anlage zu ersetzen, stelle sich grundsätzlich die Frage, „wie der Ausbau erneuerbarer Energien dann überhaupt gelingen soll“, so der Verum Wind-Geschäftsführer.
Mehr als doppelt so groß
Dass die geplante neue Anlage freilich ganz andere Dimensionen hat als die alte, darauf hatte Stettens Ortsvorsteher Hirt zuletzt auch noch einmal explizit hingewiesen: Denn während das derzeitige Windrad über eine Nabenhöhe von 80 Metern und einen Rotordurchmesser von 50 Metern verfüge, solle die Nabenhöhe beim geplanten Windrad Enercon E-175 5EP bei 162 Meter liegen und der Rotordurchmesser 175 Meter betragen.
Das baurechtliche Verfahren für das „Repowering“ an der B462 startet voraussichtlich erst im dritten Quartal 2026. Spätestens dann dürften noch weitere offene Fragen geklärt werden.