Nach der Information können sich die Besucherinnen und Besucher direkt bei den verschiedenen beteiligten Gruppen im Dorfgemeinschaftshaus Rohrbach informieren. Foto: Hans-Jürgen Kommert

Badenova und Siventis luden zur Bürgerinfo zu den geplanten Windkraftanlagen im Rappeneck. Doch Gegner und Befürworter kommen nicht zusammen.

Bürgermeister Josef Herdner und sein Vöhrenbacher Kollege Heiko Wehrle versuchten noch, die Gegner zu bewegen, sich im Dorfgemeinschaftshaus zu informieren, doch dazu gab es keine Bereitschaft.

 

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Josef Herdner stellte Stefanie Ruschek (shr Moderation) einen Rückblick auf die erste Bürgerinformation vom März dieses Jahres vor. Dabei sei es um Schall, Schattenwurf und Abstände ebenso gegangen wie um Natur- und Artenschutz, die Waldrodung, Mikroplastik, die Problematik der Eigenwasserversorgung oder den Rotmilan – und natürlich um Ausgleichsmaßnahmen für den nicht unerheblichen Eingriff in die Natur. Eine Rolle spielten bei den damaligen Fragen auch der Strompreis, die zu erwartende Strommenge oder die Wirtschaftlichkeit der Anlagen. Fragen wurden auch gestellt hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit.

Auch die von Gegnern gerne dargestellte Gefahr eines Brandes wurde thematisiert. Dazu war damals zu erfahren, dass moderne Anlagen eine Selbstlöschanlage „an Bord“ hätten. Das Leitungsnetz spielte ebenso eine Rolle wie mögliche Speicherung zu viel erzeugten Stroms. Die Kosten eines Rückbaus wurden angesprochen, die CO2-Bilanz und die Problematik von Schwefelhexafluorid – ein starkes Treibhausgas, das aber – unter extremen Sicherheitsbedingungen – in geringen Mengen in Windkraftanlagen zum Einsatz kommt. Letztlich gab man auch Auskunft über eine mögliche Bürgerbeteiligung.

Zeitplan steht bereits

Auch am Donnerstag im Dorfgemeinschaftshaus gab Anne Wüllner vom künftigen Betreiber Badenova detailliert Auskunft. Und sie konnte bereits einen recht genauen Zeitplan bis zum Bau der Anlagen vorlegen. Demnach habe man bei den Genehmigungsbehörden bereits genaue Unterlagen eingereicht, was die Planung hinsichtlich Zuwegung, Kranstellflächen sowie der Umweltbilanzen betrifft. Es werde zurzeit die Antragskonferenz vorbereitet. Im zweiten Halbjahr 2026 wolle man die vollständigen Antragsunterlagen einreichen. Nach Vorliegen der Genehmigung folgen 2027 die Ausschreibung und die Projektfinanzierung.

Der Spatenstich soll Mitte der zweiten Jahreshälfte 2027 erfolgen, da die Rodungsarbeiten auf die brutfreie Zeit vom 1. Oktober bis zum 29. Februar 2028 beschränkt seien. Im zweiten Halbjahr 2028 erfolge die Fertigstellung der Anlage, im ersten Halbjahr 2029 werde die Anlage in Betrieb genommen. Auf Nachfrage teilte Wüllner mit, dass das Rappeneck hinsichtlich der Windhöffigkeit zu den absoluten Premium-Standorten gehöre: „Wir haben im Jahresmittel mehr als sieben Meter je Sekunde, gemessen in rund 180 Metern Höhe“, betonte sie.

Protest gegen die Windkraft gab es vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Rohrbach. Foto: Hans-Jürgen Kommert

Die Badenova rechne nach Auswertung der Messdaten mit rund 2000 Betriebsstunden und rund 14 Millionen Kilowattstunden erzeugten Stroms je Anlage. Nun soll ein Schallgutachten erstellt werden, wobei der Abstand zum nächstgelegenen reinen Wohngebiet rund zwei Kilometer betrage, informierte Wüllner.

Im Bereich der Anlagen gebe es keine relevanten Schutzgebiete. Auch zum Thema PFAS äußerte sie sich: Alle Windräder in Deutschland zusammen würden 78 Tonnen Mikroplastik pro Jahr verursachen. „Durch Windradabrieb verseuchter Honig gehört ins Reich der Märchen“, sagte sie.

Dagegen sei der Reifenabrieb im Straßenverkehr mit über 102 000 Tonnen durchaus umweltrelevant. Entkräften könne sie auch das Argument „Quellen versiegen, anderes Trinkwasser wird trüb.“

Man werde vor dem Bau alle möglicherweise betroffenen Eigenwasser-Nutzer anschreiben. Normalerweise müssten fast alle aktuelle Gutachten vorliegen können. Und in den nächsten Jahren bis zum Dauerbetrieb vergleiche man diese Proben jährlich. Bei vielen Anlagen habe man Vergleichswerte, es gebe keine belastbaren Daten, die auf signifikante Veränderungen schließen ließen.

Auch sinkende Immobilienpreise seien nicht bekannt, erklärte Wüllner.

Diskussion im Anschluss

Im Anschluss luden Stände zur Diskussion ein. Hier konnte man beim Bürgerprojekt Siventis, der Badenova, dem Landratsamt, dem Energiewendeverein, der Unabhängigen Liste Furtwangen, dem Ortsverband der Grünen im Oberen Bregtal sowie den Stadtverwaltungen Vöhrenbach und Furtwangen Vertreter direkt ansprechen.