Beim Infoabend zur Windkraft kochten die Emotionen hoch: Bürger fordern Aufbruch, BEN-Vorstand Rist kritisiert die Gemeinde – und Bürgermeister Ragg bekommt Gegenwind.
Das Thema Windenergie wird in Niedereschach seit nunmehr 22 Jahren kontrovers diskutiert, Bürgerschaft wie auch Gemeinderat sind dazu auch seit jeher konträrer Meinung.
So herrschte vor zwei Jahren wieder einmal Aufbruchstimmung, nachdem die Genossenschaft Bürger Energie Niedereschach (BEN), die bereits das Nahwärmenetz realisiert hat, an die Gemeinde herangetreten war mit dem Vorschlag, zunächst die Planung und im Erfolgsfall auch die Umsetzung einer Windkraftanlage eventuell mit zwei oder drei Windkrafträdern auf dem Kappeler Berg in Angriff nehmen zu wollen. Im Gemeinderat wurde das positiv beschieden. Bürgermeister Martin Ragg allerdings relativierte das Ganze im Juli dieses Jahres vor dem Hintergrund, dass die Planungen in Sachen Windenergie nach der Neuregelung durch das Land nun alleine Sache der Regionalverbände sei und Niedereschach in Sachen Windkraft außen vor sei.
Wie es jedoch aussieht, wenn eine private Organisation wie eine Genossenschaft im unterfränkischen Altertheim die Sache in die Hand nimmt und sich für einen Windpark stark macht, erläuterte nun in einem Informationsabend unter dem Motto „Wo ein Wille ist, ist auch ein Windrad“ auf Einladung des Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen Niedereschach der Vorsitzende der Bürger-Energie Altertheim eG Herbert Friedmann.
Am Beispiel Altertheim
Der Einladung des Ortsverbandes der Grünen waren auch Bürgermeister Martin Ragg und Vertreter aus dem Vorstand der BEN gefolgt, die Moderation übernahm Reinhold Hummel.
Herbert Friedmann erläuterte, wie das Windkraftprojekt in Altertheim umgesetzt wurde, wie Gemeinde und Bürger profitieren und warum Windenergie eine saubere, verlässliche und bezahlbare Lösung für die Zukunft sei. „In Altertheim haben wir uns durch die Politik nicht ausbremsen lassen, im Gegenteil“, so Friedmann.
Als 2015 die Idee zum Windpark entstanden sei und die Kosten für einen Projektierer zu hoch waren, hätten die Bürger kurzerhand selbst die Initiative ergriffen, sich das notwendige Baugrundstück gesichert, die notwendigen Fachgutachten eingeholt und den Bebauungsplan eigenständig erstellt, berichtete Friedmann. Und so könnten jetzt 4200 Haushalte mit nachhaltigem Strom versorgt werden, bei etwa 15 Millionen Kilowattstunden klimafreundlichen Strom, die der Windpark jährlich liefert. Der fließe nicht nur in die Haushalte der Einwohner von Altertheim, sondern auch ins öffentliche Netz. Eines der Windräder sei ein Bürgerwindrad – Altertheimer können also Genossenschaftsanteile kaufen und bekommen im Gegenzug einen Teil des jährlichen Gewinns, den die Anlage abwirft, und dies alles bei einer Einsparung von 15 000 Tonnen Co2 im Jahr.
Ragg bekommt mächtig Gegenwind
Welch kommunalpolitischer Sprengstoff im Ort im Thema Windenergie steckt, zeigte sich dann in der anschließenden Diskussionsrunde, als gefragt wurde, ob und wie ein solches Projekt auch in Niedereschach umgesetzt werden könnte. Worauf Bürgermeister Martin Ragg erneut auf seine schon bekannte Version verwies, wonach die Planungshoheit alleinig beim Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg liege und die Gemeinde in Sachen Planung von Windkraftstandorten somit außen vor sei.
Der Schultes bekam mächtig Gegenwind aus den Reihen der anwesenden BEN-Vertreter mit dem Vorstandsvorsitzenden Alwin Rist: Was seine Ausführungen in Sachen Zuständigkeiten des Regionalverbandes betreffe, so könne er ihm da zwar zustimmen, nichtsdestotrotz sei er nach wie vor der Überzeugung: „Wenn die BEN vor zwei Jahren die notwendige Rückendeckung und Unterstützung von Verwaltung und Gemeinderat bei der Planung der Windenergieanlage ’Kappeler Berg’ bekommen hätte, hätten wir das, was angefangen war, soweit forciert und versucht hinzubekommen, angefangen vom Flächennutzungsplan bis hin zur Zustimmung der Verwaltungsgemeinschaft“.
Aber über diesen Ansatz sei man schon grundsätzlich nicht hinausgekommen, weil die angestoßenen Untersuchungen bereits im Vorfeld abgewürgt worden seien.
Die Ausführungen von Rist wurde von lautstarkem Beifall im Saal begleitet. Alle Anstrengungen der BEN, dieses Projekt überhaupt anzugehen, seien bereits im Vorfeld unterbunden worden, das wolle er einmal klipp und klar herausstellen, so Rist an die Adresse des Bürgermeisters gerichtet.
Ausblick macht vielen Hoffnung
Den Worten des Sprechers der Bürgerenergie Altertheim folgend, wonach die Bürgerschaft einfach einmal anfangen sollte, die Grundstücksfrage für eine solche Anlage zu klären, seien somit doch noch einige Optionen auf dem Tisch, so versuchte Reinhard Hummel die Geschichte wieder ins Lot zu bringen.
Also ein Informationsabend mit dem positiven Ergebnis, die Sache Windenergie in Niedereschach doch nicht gänzlich in der Versenkung verschwinden zu lassen, so seine Einschätzung.
Windenergie im Aufwind
Die Entwicklung
In den vergangenen Jahren ist der Ausbau im Land eher schleppend vorangegangen. Bis auf die Jahre 2015 bis 2018 hat der Südwesten jährlich nur Anlagen im niedrigen zweistelligen Bereich in Betrieb genommen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es lediglich 13 Windkraftanlagen. Doch nun deutet sich eine Trendwende an: Zwischen Ende Mai und Ende Juni wurden 1100 neue Windkraftanlagen beantragt. Im Vergleich betrachtet, werden in Baden-Württemberg aktuell 803 Windkrafträder mit einer Leistung von 1935 Megawatt betrieben. Überwiegend sind diese Windkrafträder im Regierungsbezirk Stuttgart in Betrieb, so die Informationen aus dem Staatsanzeiger Baden-Württemberg vom Juli 2025.