Der Wildberger Gemeinderat stimmt der interkommunalen Zusammenarbeit zur Entwicklung und Umsetzung eines Windparks „Lindenrain“ zu. Was bedeutet das für die Stadt?
Bürgermeister Ulrich Bünger wurde in dieser Woche gleichzeitig ermächtigt, einen öffentlich-rechtlichen Vertrag für den Bau eines Windparks zwischen den beteiligten Kommunen Wildberg, Calw und Gechingen abzuschließen – ebenso die Vereinbarung mit dem gewählten Projektpartner, auf den sich die drei Kommunen geeinigt haben.
Wie Ulrich Bünger deutlich machte, sind vor einer endgültigen Genehmigung des geplanten Windparks aber noch intensive Prüfungen notwendig. Zuvor hatte der Rathauschef dem Gremium die gesetzliche Vorgabe in Erinnerung gerufen, dass 1,8 Prozent der baden-württembergischen Landesfläche als sogenannte Vorranggebiete ausgewiesen werden müssten.
Aus Calw, Gechingen und Wildberg wurden dem Regionalverband Nordschwarzwald drei Vorrangflächen für die Nutzung von Windkraft gemeldet, die sich grundsätzlich für die Nutzung von Windenergie eignen und als interkommunaler Windpark ausgewiesen werden sollen. Dabei habe sich der Wildberger Gemeinderat intensiv mit den Vorranggebieten beschäftigt, die auch Teilflächen auf Gemarkung Gültlingens beinhalten.
Fünf bis acht Windräder sollen kommen
Von einem „guten Weg“ sprach Bauamtschef Arthur Sadlers und unterstrich, dass die betreffenden Flächen durchaus geeignet seien und für die Windenergie genutzt werden sollten. Vor diesem Hintergrund hatte man sich auf die Suche nach einem geeigneten Projektpartner gemacht und nach Auswertung der eingegangenen Bewerbungen die Firma Alterric aus Aurich ausgewählt.
Das Unternehmen hat in Baden-Württemberg bereits an mehreren Standorten Windkraftprojekte umgesetzt – und für das Projekt „Lindenrain“ ist die Niederlassung in Herrenberg zuständig.
Für das interkommunale Projektgebiet wird derzeit mit der Errichtung von fünf bis acht Windenergieanlagen gerechnet. Die genaue Anzahl hängt noch von den Ergebnissen der Gutachten, artenschutzrechtlichen Prüfungen sowie den gesetzlichen und technischen Rahmenbedingungen ab. Auch die Nähe zur Funkstelle Lerchenberg spielt eine Rolle in der weiteren Ausgestaltung des Standorts.
Strom für über 20 000 Haushalte
Bei einer Errichtung von sieben Windenergieanlagen wird mit einer installierten Gesamtleistung von 47 600 Kilowatt gerechnet. Der erwartete jährliche Stromertrag liege mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent bei rund 86 Millionen Kilowattstunden.
Dies entspricht der Versorgung von bis zu 21 500 Haushalten mit regenerativem und lokal erzeugtem Strom. Gleichzeitig ergebe sich eine jährliche CO2-Einsparung von bis zu 8500 Tonnen. Die Inbetriebnahme des Windparks ist für 2029 angedacht.
Für die Stadt Wildberg, so Arthur Sadlers, ergebe sich durch dieses Projekt die Möglichkeit, die Nutzung eigener Flächen aktiv zu steuern und langfristig von stabilen und fairen Einnahmen aus der Verpachtung der Flächen zu profitieren. Diese Einnahmen stehen dem städtischen Haushalt zur Verfügung und können zur Finanzierung kommunaler Aufgaben, Infrastruktur oder sonstiger Projekte eingesetzt werden.
Weniger Flächenverbrauch als Kohle
Darüber hinaus biete das Projekt auch direkte Beteiligungsmöglichkeiten für die Bürger. Denn im Rahmen der weiteren Vertrags- und Umsetzungsgespräche mit Alterric sollen konkrete Modelle entwickelt werden, um die Bürger an der Windkraftnutzung teilhaben zu lassen. Erklärtes Ziel ist es, ein bürgernahes und akzeptiertes Projekt umzusetzen.
Wie Ortsvorsteher Walter Baur mitteilte, sei der Gültlinger Ortschaftsrat zur Auffassung gelangt, „dass die Flächen für Windkraft genutzt werden sollen“. Mit Blick auf kritische Stimmen zum notwendigen Eingriff in die Landschaft machte Walter Baur darauf aufmerksam, dass andernorts „für den Kohlestrom ganze Dörfer weggebaggert werden mussten.“
Zustimmung von CDU und Grünen
„Die CDU stimmt dem Gesamtprojekt und der interkommunalen Zusammenarbeit zu“, stellte Fraktionschef Gerhard Ostertag fest. Immerhin würden die erheblichen Pachteinnahmen allen Wildbergern zugutekommen, und die Standorte seien konfliktarm.
Vor diesem Hintergrund sprach er sich dafür aus, die Chance zu ergreifen und nicht „anderen Interessenten das Feld zu überlassen“. Bei der Umsetzung müsse aber auf die Umweltverträglichkeit Rücksicht genommen werden, so Ostertag.
Für Regina Schröder (Grüne) wird mit dem Ausbau erneuerbarer Energien vor Ort ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Gleichzeitig begrüßte sie die Wertschöpfung für Wildberg und die interkommunale Zusammenarbeit, damit „wir das Heft des Handelns selbst in der Hand behalten.“