Etliche Linacher haben sich über Lärmbelästigungen im Rahmen des Funkentanz-Festivals beklagt. Die Stadtverwaltung suchte daraufhin das Gespräch mit dem Betreiber des Wilden Michels.
Fast das ganze Dorf sei „in Aufruhr“ gewesen, beschreibt Bürgermeister Josef Herdner die Reaktion der Linacher Bevölkerung auf das Funkentanz-Festival, das von 17. bis 21. September beim Wilden Michel veranstaltet wurde.
Massive Lärmbelästigungen bis tief in die Nacht und das über mehrere Tage hinweg wurden bemängelt. Vor allem die tiefen Bässe seien durch das ganze Tal hinweg hörbar gewesen, hat sich Herdner sagen lassen. Das habe Anwohner noch in zwei bis drei Kilometern betroffen. Selbst über den Bergrücken hinüber in Schönenbach habe es deshalb Klagen gegeben.
„Dieses mal war der Bogen deutlich überspannt“, resümiert Herdner. Bei den Funkentanz-Festivals der vergangenen Jahre sei es nicht zu einer solchen „Welle“ an Beschwerden gekommen. Sonst hätte die Verwaltung früher reagiert.
Stadtverwaltung spricht mit Betreiber
Nach dem jetzigen Vorkommnis habe die Stadtverwaltung das Gespräch mit dem Betreiber des Wilden Michels, Urs Fischbach, gesucht. Die Verwaltung habe ihm gegenüber klar gemacht, dass sie ihm im nächsten Jahr keine gaststättenrechtliche Genehmigung für eine derartige Veranstaltung geben werde.
Wie Herdner gegenüber unserer Redaktion erklärt, seien die Veranstaltungen im Wilden Michel in der Regel über dessen bestehende gaststättenrechtliche Erlaubnis abgedeckt. Diese Genehmigung beziehe sich auf den Betrieb in der Scheune und der Terrasse. Wenn jedoch das Festgelände weiter gefasst werde und die Veranstaltung zeitlich weiter in die Nacht hineinreiche, wie im Fall des Funkentanzes, müsse die Stadt eine Genehmigung erteilen. Hier werde künftig genau abgewogen, ob eine Genehmigung ausgesprochen werden könne.
Andere Veranstaltungen unproblematisch
Als unproblematisch sieht Herdner Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt beim Wilden Michel oder den Michelaltermarkt an. Diese fänden vor allem tagsüber statt und der Geräuschpegel halte sich in Grenzen.
Einerseits begrüßt Herdner eine Einrichtung wie den Wilden Michel mit seiner Vielzahl an Veranstaltungen. Aber vielleicht müsse der Betreiber „noch ein stärkeres Gespür entwickeln, wann das Ende der Fahnenstange erreicht ist“. Es sei vielleicht sinnvoll, besser etwas „herunter zu zoomen, als noch etwas draufzupacken“, meint Herdner in Bezug auf den Umfang und damit verbundene Lärmemissionen einzelner Veranstaltungen.
Rund 600 Personen kommen zum Funkentanz
Rund 600 Personen hätten am Funkentanz teilgenommen. Zu Beginn des Festivals hätten sich manche von ihnen auch auf umliegenden Wiesen aufgehalten. Auch das habe für Unmut gesorgt, sei aber schnell geregelt gewesen, nachdem Fischbach seine Gäste darauf hingewiesen habe, auf dem Festivalgelände zu bleiben.
Wegen der Klagen über Lärm sei auch die Polizei vor Ort gewesen. Der Ortsvorsteher habe ebenfalls mit dem Betreiber gesprochen. Wie Herdner bekannt ist, habe der Betreiber darauf hingewiesen, dass die Grenzwerte eingehalten würden. „Lärm ist etwas Subjektives“, resümiert Herdner. Und in diesem Fall seien es offensichtlich vor allem die Bässe gewesen, die das Maß des Erträglichen überschritten.
Herdner nimmt aus den Gespräch mit Fischbach mit, dass er um ein „einvernehmliches Verhältnis“ bemüht sei und ein „gutes Verhältnis mit den Bewohnern“ pflegen wolle. Insofern hofft Herdner und geht davon aus, dass sich so etwas nicht wiederholen wird.
Hierzu soll auch ein Bebauungsplan Wilder Michel beitragen, über dessen aktuellen Stand in der nächsten öffentlichen Sitzung des Ortschaftsrates Linach am Mittwoch, 22. Oktober, 20 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus beraten werde.
Im Bebauungsplan sollen auch Vorgaben zum Thema Lärm berücksichtigt werden. Herdner vermutet, dass auch die Lärmemissionen durch den Funkentanz thematisiert und sich einige Bürger hierzu noch mal äußern werden.
„Hier darf es gerne laut und wild werden“
Dass der Wilde Michel die Eigenschaft „wild“ durchaus lebt, ist auch auf seiner Homepage nachzulesen. Denn, so heißt es dort, „hier darf es gerne laut und wild werden“. Offensichtlich gibt es hierfür ein großes Publikum, was den Zuspruch bei den Veranstaltungen des Wilden Michels erklärt.
Herdner merkt an, neben den vielen Beschwerden aus der Linacher Bevölkerung wegen des Funkentanz-Lärms habe es auch „zwei positive Rückmeldungen“ von Linachern gegeben, die das Veranstaltungsangebot im Wilden Michel ausdrücklich begrüßten.
Die Sicht des Wilden Michels
Das Funkentanz-Festival
werde nicht vom Wilden Michel ausgerichtet, sondern durch einen externen Veranstalter, stellt Michel-Inhaber Urs Fischbach klar. Der Wilde Michel stelle für das Festival lediglich das Gelände zur Verfügung, außerdem die Bewirtung. Die Lärmbelastung durch die Musik sei gemessen und die Grenzwerte seien eingehalten worden. Darüber sei auch die Polizei informiert worden, die am Donnerstag vor Ort gewesen und dann unverrichteter Dinge wieder abgezogen sei. Am Freitag sei außerdem der Ortsvorsteher gekommen, nachdem sich die Beschwerden gehäuft hätten. Um des Friedens Willen habe der Veranstalter dann die Musik leiser gemacht – obwohl er das nicht hätte tun müssen, verweist Fischbach auf die eingehaltenen Grenzwerte. Es habe sich um das dritte Funkentanz-Festival gehandelt. Das Konzept und die Lautstärke bei den Festivals in den vergangenen beiden Jahren seien gleich gewesen wie jetzt auch. Weshalb ist es dieses Mal dann gehäuft zu Beschwerden gekommen? „Wir polarisieren mehr“, vermutet Fischbach als Erklärung. Es gebe außerdem die einen oder anderen Nachbarn, die sich regelmäßig beschwerten bei Veranstaltungen des Wilden Michels. „Es sind aber auch Linacher bei uns, die meinen, wie geil ist das“ und damit die Veranstaltungsfülle des Wilden Michels lobten. Aus den jüngsten Gesprächen mit der Stadtverwaltung hat Fischbach mitgenommen, dass am Konzept des Funkentanz-Festivals gefeilt werden soll. Ideen hierfür hat Fischbach bereits. So könnten die Festival-Aktivitäten mehr von der Nacht- auf die Tageszeit konzentriert werden. Außerdem erwähnt er das Konzept einer „Silent Disco“ (ruhige Disco), bei der die Teilnehmer zu einer bestimmten Uhrzeit, zum Beispiel ab 22 oder 24 Uhr die Musik über Kopfhörer empfangen und nicht mehr über eine Anlage. Der Effekt: Für Außenstehende ist die Musik dann gar nicht mehr hörbar, lediglich noch für die Festival-Teilnehmer mit Kopfhörern.