Ein Flugschüler wurde Mitte September bei einer missglückten Landung in Offenburg leicht verletzt. Foto: Einsatz-Report 24

Die Luftfahrt gilt als sicher. Dennoch kommt es immer wieder zu Unfällen, wenige verlaufen tödlich. Einige Abstürze in der Ortenau waren aber besonders tragisch.

Verkehrsunfälle auf den Straßen gehören zum Alltag. Anders ist es bei Luftfahrtunglücken. Diese sind seltener. Dennoch ist die Liste an – teils auch tödlichen – Unglücken in unserer Region gewachsen. Wir werfen einen Blick zurück.

 

Einer der wohl tragischsten Flugzeugabstürze der Nachkriegszeit in der Ortenau geschah am 8. August 1996. Ein Privatjet des Typs „Dassault Falcon 10“ war in München gestartet. Das Ziel: der Offenburger Flughafen. Der Jet gehörte dem Verlegerunternehmen Burda. An Bord der Maschine waren neben den beiden Piloten zwei leitende Angestellte Burdas. Der von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) veröffentlichte Untersuchungsbericht schildert detailliert den Verlauf des Unglücksflugs.

Die beiden Piloten hatten vor dem Start die üblichen Vorkehrungen getroffen, Wetterberichte eingeholt. Zusammen brachten es die Piloten auf rund 2200 Flugstunden mit der „Falcon 10“. Die Meteorologen, die damals die Flugzeug-Crew berieten, schilderten in dem Untersuchungsbericht ihre Erinnerungen. So sei den Piloten mitgeteilt worden, dass sich im südlichen Rheintal während der Nacht und in den frühen Morgenstunden Nebel und Hochnebel gebildet hatte.

Wetter spielte entscheidende Rolle

Am Ende der Beratung erklärte der Flugzeugführer, dass er selbst noch einmal in Offenburg anrufen werde, um nach dem Wetter zu fragen, da die Wetterbedingungen in Lahr und in Offenburg wegen der Einflüsse des Kinzigtals oft unterschiedlich seien. Wenn in Offenburg Nebel wäre, wolle er in Straßburg landen. Zunächst flog der Burda-Jet nach Instrumentenflugregeln, erklärte die BFU. Im Landeanflug wurde dann auf Sicht geflogen. Augenzeugen sagten aus, dass sich die dem Schwarzwald vorgelagerten Berggipfel durch den sich hebenden Bodennebel in Wolken lagen.

Beim Sinkflug über den Schwarzwald in das Rheintal kollidierte das Flugzeug mit den Bäumen am Hang des Scheibenbergs bei Friesenheim. Der Jet schlug eine Schneise in den Wald und wurde beim Aufprall im steilen Gelände völlig zerstört. Die Besatzung starb an einer Vielzahl von inneren und äußeren Verletzungen und extremer Hitzeeinwirkung, so der Unfallbericht. Niemand hatte eine Chance zu überleben. Die Bergung war schwierig. Das steile und unwegsame Gelände verlangte den Einsatzkräften viel ab. Zudem hatte sich Treibstoff entzündet. Die herbeigeeilte Feuerwehr musste einen Waldbrand verhindern, noch Stunden nach dem Absturz flackerten immer wieder kleine Brände auf. Um den Absturz genauer zu untersuchen, wurden die Trümmer geborgen. Dabei half das THW Lahr. Trotz der aufwendigen Untersuchung blieb die entscheidende Frage offen: Warum brachen die erfahrenen Piloten ihren Anflug über die nebligen Berge nicht ab?

Burda-Jet stürzt in Friesenheim ab

Heiligenzells Ortsvorsteher Gustl Schrempp starb 2012 bei einem Helikopterabsturz in Lahr Foto: Polizei

Für die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung arbeiten derzeit 19 Flugunfalluntersucher, so BFU-Sprecher Germout Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Spezialisten haben einen Ingenieurs- oder Berufspilotenhintergrund, erklärt Freitag. Kommt es zu Flugunfällen oder „schweren Störungen“, geht es für die BFU zur Unglücksstelle. Bei nicht tödlichen Unfällen und Störungen, bei denen das Fluggerät unter 5,5 Tonnen wiegt, setzt die BFU auf sogenannte Beauftragte. Diese seien Zivilisten mit einem entsprechenden Hintergrund und übernehmen im Auftrag der BFU „kleinere Fälle“. Jede Untersuchung sei eine Einzelfallbetrachtung, so Freitag.

Zunächst werde ein Zwischenbericht angefertigt, dann wird weiter analysiert. Zum Schluss folgt der Abschlussbericht. Die Frage, die beantwortet werden soll: „Was muss getan werden?“ „Damit machen wir das Fliegen sicherer“, betont Freitag.

Materialfehler führte zu fatalem Helikopterabsturz

Auch am Flugplatz Lahr waren die Flugunfalluntersucher schon im Einsatz. Besonders in Erinnerung bleibt der tödliche Helikopterabsturz im Jahr 2012. An Bord des Selbstbauhelikopters vom Typ „Safari“ war der damalige Heiligenzeller Ortsvorsteher Gustl Schrempp. Der Friesenheimer wollte mit seinem Hubschrauber zunächst Schwebeflüge üben, im Anschluss drei Platzrunden drehen und dabei „Autorotationslandungen“, also ohne laufenden Motor, trainieren.

Nach der ersten Runde stieg Schrempps Helikopter wieder auf – und begann sich plötzlich um die Achse zu drehen. Drehend schlug der Hubschrauber um 12.48 Uhr auf der Piste auf und begann sofort zu brennen. So schildert es der BFU-Abschlussbericht. Die Ursache für das Unglück wurde ermittelt. Kein menschliches Versagen, ein Materialfehler führte zu dem Unglück. Ein Bauteil am Heckrotor brach während des Fluges. Bereits in der Vergangenheit hatte es vergleichbare Abstürze von Safari-Bausatzhubschraubern gegeben. Den Unfall und die bekannt gewordenen früheren Vorfälle nahm das Luftfahrt-Bundesamt zum Anlass, den weiteren Flugbetrieb mit Hubschraubern des gleichen Modells, die in der Erprobung oder bereits endgültig zugelassen waren, solange zu untersagen, bis die Betriebssicherheit des betroffenen Bauteils nachgewiesen wurde.

Der Start dieses Leichtflugzeugs in Kehl 2013 misslang: Der Pilot brach den Start ab und kam im Gebüsch zum Stehen Foto: Polizei

Der Leidenschaft Fliegen widmet sich seit 1931 die Fliegergruppe Lahr-Ettenheim. In ihrer Vereinschronik auf der Internetseite des heute am Flugplatz Ettenheim-Wallburg beheimateten Vereins berichten die Flieger auch über einige wenige Unfälle. „Bis zum 28. Mai 1980 war die Fliegergruppe über all die Jahre von schweren Unfällen oder größeren Störungen mit Personenschäden verschont geblieben“, heißt es in der Chronik. An diesem Tag stürzte der Pilot Wolfgang Schlegel mit einem Motorsegler ab und starb. Der mitfliegende Gast, ein zehnjähriger Junge, überlebte schwer verletzt. Zu dem Unfall sei es gekommen, da der Pilot nicht bemerkt habe, dass er mit ausgefahrenen Landeklappen von der Graspiste startete und so nicht genügend Höhe erreichte, um die im Westen stehenden Bäume zu überfliegen. Tragisch für die Fliegergruppe: 1980 und 1981 stürzten laut der Chronik weitere Vereinsmitglieder ab und kamen ums Leben.

Maschine stürzte 1982 nahe Sodhof ab

1982 streifte ein langjähriges Vereinsmitglied beim Tiefflug nahe des Sodhofs die Baumwipfel. Die Maschine stürzte ab. Der Pilot und zwei Fluggäste starben. Eine weitere Person wurde schwer verletzt. „Dieser Unfall muss eine dringende Mahnung sein, sich niemals zu unerlaubten ,riskanten Flügen hinreißen zu lassen“, appelliert der Verein.

Ein weiterer Flugverein im Kreis ist der Aero-Club-Kehl. Ein Blick in die Berichte der BFU zeigt: Auch hier verloren Menschen ihr Leben. 2004 verfing sich ein Sportflugzeug beim Start unbemerkt mit einem Schleppseil für Hängegleiter. Kurz nach dem Start kippte das Flugzeug in einer Kurve ab und schlug auf dem Boden auf. Neben dem Piloten starben zwei seiner Fluggäste, ein dritter Gast überlebte schwer verletzt. In anderen Fällen blieb es bei Schäden. Etwa 2013, als ein Leichtflugzeug seinen Start wegen zu geringer Geschwindigkeit abbrach, die Piste überrollte und im Gebüsch zum stehen kam.

Anteilnahme von Tom Cruise

Der Filmstar hatte zum Zeitpunkt des Burda-Flugzeugunglücks 1996 eine Millionen-Klage gegen den Boulevard-Verlag laufen. Als der Schauspieler von dem Unglück erfuhr, gab er sich mit einer Entschuldigung seitens Burda zufrieden. Die Begründung: Cruise sei selbst begeisterter Pilot und vom Tod der Besatzung sehr berührt gewesen.