Die Hermann-Hesse-Bahn soll noch dieses Jahr fahren. Die Kommune ist für das Gelände um den Haltepunkt zuständig. Der Gemeinderat vergibt nun die nötigen Bauarbeiten.
Im Winter sollen auf dem Gleis zwischen Weil der Stadt und Calw endlich die Züge der Hermann-Hesse-Bahn rollen. Bis dahin war es ein langer Weg. Artenschutzmaßnahmen für die Fledermäuse sorgten für Verzögerungen – und erhebliche Kostensteigerungen. Laut Bürgermeister Ryyan Alshebl kostet das Projekt insgesamt mehr als 200 Millionen Euro. Dafür kommt neben den Anrainerkommunen im Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn auch der Landkreis Calw auf.
Die Bauarbeiten haben sich auch deshalb so verzögert, weil wegen des Artenschutzes das Regierungspräsidium mit dem Planfeststellungsbescheid – im Prinzip ist das eine Baugenehmigung – für einzelne Streckenabschnitte lange wartete. Ohnehin darf nicht ganzjährig an den Gleisen und Tunneln gebaut werden. Denn auch hier muss auf die Fledermäuse und deren Ruhezeiten Rücksicht genommen werden. Im April kam dann aber der langersehnte Bescheid im Landratsamt in Calw an.
Es darf also gebaut werden – auch die Trennwandkonstruktion. Diese „Tunnel-in-Tunnel-Lösung“ soll den Lebensraum der Fledermäuse erhalten und verhindern, dass die Tiere durch den Zugverkehr gestört oder gar gefährdet werden. 24 Millionen Euro kostet dieses bisher einzigartige Projekt.
Fuß von der Bremse
Dass die Genehmigung nun da ist, hat auch für Ostelsheim Konsequenzen. Den eigentlichen Haltepunkt im Ort baut zwar der Zweckverband. Hier sind die Arbeiten auch schon weit fortgeschritten. Das Gelände drumherum gestaltet aber die Kommune in Eigenregie. Hier geht es um Parkplätze, Fahrradstellplätze oder die Erschließung. Die Pläne dafür hat der Gemeinderat schon in den vergangenen Jahren erarbeitet. 34 Parkplätze für Autos, 20 Stellplätze für Fahrräder in sicheren Boxen und noch einmal weitere 18 Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sind geplant.
Doch als es im Februar um die konkrete bauliche Umsetzung und die Vergabe der Tiefbauarbeiten ging, trat der Gemeinderat auf die Bremse. Man wolle auf den Planfeststellungsbescheid warten, so der Tenor aus dem Gremium. Denn wäre dieser nicht gekommen, wäre ein Betriebsstart der Hermann-Hesse-Bahn in diesem Jahr unwahrscheinlich gewesen. Die Logik im Gemeinderat: Die Kommune könnte ihre Bauarbeiten dann auch verschieben – und so den diesjährigen Ostelsheimer Haushalt entlasten. Klaus Richter (OFW) hatte noch eine weitere Befürchtung: Ohne Planfeststellungsbescheid keine 75-prozentige Förderung der Bauarbeiten durch das Land. Hätte die Kommune schon im Februar mit den Bauarbeiten gestartet, wäre dies ihr eigenes finanzielles Risiko gewesen, meinte Richter. Die Vergaben dieser Arbeiten wurden vom Gemeinderat verschoben.
Arbeiten werden günstiger
Nun ist der Planfeststellungsbescheid aber da. Und direkt im April wurden die Tiefbauarbeiten für die Zufahrt und für die Parkplätze vergeben. Kostenpunkt: rund 344 000 Euro. Das sind etwa 16 000 Euro weniger als ursprünglich geplant. In der jüngsten Gemeinderatssitzung beschloss das Gremium einstimmig die Vergabe der Elektroarbeiten für Ladeinfrastruktur und die Straßenbeleuchtung. Die kosten rund 37 000 Euro. Auch hier spart die Kommune gegenüber der Schätzung etwa 5000 Euro. Allerdings, so Alshebl, sind die Ladesäulen nicht dabei. Die würden später ausgeschrieben. Denn hier wolle sich die Verwaltung noch von der Energieagentur des Landes beraten lassen, um zu klären, welche Ausführung für den Standort die passende ist. Kabel und Leerrohre würden aber schon jetzt verbaut, sagte Kämmerer Fabian Dieringer.
Auch die Fahrradboxen müssen noch angeschafft und aufgebaut werden. Die sollen künftig per App gebucht und bezahlt werden können.
Der Haltepunkt der Hermann-Hesse-Bahn in Ostelsheim nimmt also langsam Form an. Fehlt nur noch die Bahn, die dort fährt. Das Landratsamt beteuert weiterhin, dass es in diesem Winter so weit sein soll. Landrat Helmut Riegger sprach wiederholt vom Dezember 2025 als Starttermin. Wobei das wohl nur für den rechtlich vorgeschriebenen Testbetrieb gilt.
Die ersten Fahrgäste könnten die Bahn dann frühestens im kommenden Jahr nutzen. Und das auch nur, wenn die Bauarbeiten in diesem Jahr so schnell fertig werden, dass sie nicht mit den Ruhezeiten der Fledermäuse kollidieren.