Gibt die Stadt Oberndorf etwa ihr Wasserwerk aus der Hand? In gewisser Weise schon. Die Gründe sind vielfältig. Auch die Personalsituation spielt eine Rolle.
„Zeitenwende“ wäre vielleicht ein bisschen hoch gegriffen, allerdings ist das, was sich zum 1. Juni bei der Oberndorfer Wasserversorgung geändert hat, schon ein Einschnitt.
Der Gemeinderat hatte die Weichen in seiner Sitzung am 4. Februar den Weg für diese Lösung frei gemacht. Hintergrund ist nicht zuletzt der Aufwand für die rund um die Uhr zu garantierende Erreichbarkeit, die mit Blick auf Vertretungsfragen bei einem Betrieb mit dieser Personalstärke kaum darstellbar ist.
Dass die Betriebsführung der Oberndorfer Eigenwasserversorgung an die Badenova übertragen wurde, bedeutet indes nicht, dass die Stadt ihr Wasserwerk aus der Hand gibt. Der kommunale Versorger übernimmt die Betriebsführung im Auftrag.
Preissteigerungen sind berücksichtigt
Zugrunde liegt ein Vertrag, in dem das Aufgabenspektrum definiert ist – und natürlich der Preis, den die Stadt pauschal dafür zu zahlen hat. Auch eine Anpassungsklausel, die allgemeine Preissteigerung und Tarifentwicklung berücksichtigt, ist Teil des Vertrags.
Was freilich nicht dazu gehört, sind Investitionen, die über die Betriebsführung hinaus reichen. Wenn also zum Beispiel ein größeres Maschinenteil schadhaft wird, oder gar bauliche Veränderungen notwendig werden, ist diese Erledigung mit dem Vertrag nicht an die Badenova übergegangen.
Stadt bleibt in der Pflicht
„Wir werden dann einen Hinweis von der Badenova erhalten und müssen uns im Gemeinderat Gedanken dazu machen“, erklärt Bürgermeister Matthias Winter. Denn: Die Wasserversorgung gehört nach wie vor der Stadt. Und die ist dann eben in der Pflicht.
Nicht mehr in der Pflicht ist sie beim Thema Personal. Letzteres hatte dazu geführt, dass bereits zum 1. Juli 2023 die technische Betriebsführung an die Badenova übertragen worden war. Zwischenzeitlich hatte die Stadt das Personalkontingent wieder auffüllen können, allerdings zwangen eine längere Fehlzeit und schließlich zwei Kündigungen zum Jahreswechsel, die organisatorische Konstruktion zu überdenken.
Der Gemeinderat beschloss im Februar die Vergabe einstimmig. Die Betriebsführung sollte zum 1. Juni an die „badenovaNetze GmbH“ übergehen, deren ursprüngliches Angebot deutlich günstiger als ein ebenfalls vorliegendes Vergleichsangebot gewesen sei, erklärt der Bürgermeister.
Zudem habe man mit der Badenova einen kompetenten Partner, mit dem man die Stadt nicht nur seit langem auf verschiedenen Ebenen zusammenarbeite, schließlich sei Oberndorf deren Anteilseigner. Auch Wolfgang Marksteiner, Regionalmanager der Badenova, betont die jahrelange, sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Projekten und Aufgaben der Versorgung.
Wichtige Aufgabe
Und immerhin geht es im aktuellen Fall um das Trinkwasser, das bestkontrollierte Lebensmittel, das hierzulande jeder „einfach aus dem Hahn“ fließen lassen kann.
Inzwischen haben die städtischen Mitarbeiter Angebote von der Stadt bekommen, einer ist zur Badenova gewechselt. Und in der letzten Maiwoche unterzeichneten Bürgermeister Winter und Wolfgang Marksteiner die entsprechenden Verträge.