Einiges ist noch zu tun, bis der erste Zug von Calw Richtung Weil der Stadt und Renningen unterwegs sein wird. Wir geben einen Überblick zu den Kosten, noch ausstehenden Baumaßnahmen und darüber, woran es letztlich hängen könnte.
Wäre alles glatt gegangen, würde die Hermann-Hesse-Bahn bereits seit guten sechs Jahren Fahrgäste von Calw über Weil der Stadt nach Renningen und zurück befördern. Das ist bekanntermaßen nicht der Fall.
Rückblick Nachdem der Calwer Kreistag bereits im Herbst 2013 grünes Licht für Planungsarbeiten und den Einstieg ins Genehmigungsverfahren gegeben hatte, war Landrat Helmut Riegger 2014 noch optimistisch gewesen, den Betrieb Ende 2017 oder Anfang 2018 aufnehmen zu können.
Ärger hatte es dann jedoch insbesondere wegen der in den Tunneln lebenden Fledermäuse gegeben. Der Naturschutzbund reichte 2016 Klage ein, 2019 kam es zu einer außergerichtlichen Einigung. Die Lösung: eine Art Tunnel im Tunnel, der die Tiere während des laufenden Bahnbetriebs schützt, sowie Ausweichquartiere.
Starttermin Und so wurde schließlich mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen, von denen viele mittlerweile bereits abgeschlossen sind. Im vergangenen Jahr wurde der aktuellste Starttermin bekannt: 2025.
Daran hält der Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn nach wie vor fest. „Die Inbetriebnahme ist nach aktuellem Projektstand immer noch im Jahre 2025 geplant“, erklärte Valerie Nußbaum, Pressesprecherin des Landratsamtes, auf Anfrage unserer Redaktion.
Maßnahmen Bis es losgehen kann, bleibt trotzdem noch einiges zu tun. „Die größten noch ausstehenden Baumaßnahmen sind die Trennwandkonstruktion, der Abschluss Gleisbau und die Signalanlagen“, führte Nußbaum aus.
Bedingt durch schlechtes Wetter sei es beim Gleisbau in den vergangenen Monaten zu einer Verzögerung gekommen. Diese soll aber „in den kommenden Wochen durch den weiter fortschreitenden Gleisbau aufgeholt“ werden.
Problem Naturschutz
Also alles im Plan? Das muss sich noch zeigen. Denn der Naturschutz – oder konkreter: das, was für den Naturschutz nötig ist – könnte den anvisierten Starttermin platzen lassen.
Knackpunkt Konkret gibt es derzeit noch zwei Planfeststellungsverfahren, die nicht abgeschlossen sind. Dabei handelt es sich, vereinfacht gesagt, um Genehmigungsverfahren für Vorhaben, die die Interessen vieler Menschen, Behörden und Institutionen berühren.
„Ziel des Verfahrens ist es“, so schreiben die Regierungspräsidien des Landes, „alle Interessen möglichst ‚unter einen Hut‘ zu bringen.“
„Intensiver Austausch“ läuft
In einem der Verfahren geht es um die Tunnel-im-Tunnel-Lösung. Hier erfolge aktuell „ein intensiver Austausch zwischen dem Ministerium für Verkehr, dem Regierungspräsidium Karlsruhe und dem Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn zur Abstimmung der Maßnahmen und dem Ziel, das Verfahren zügig zum Abschluss zu bringen“, so Nußbaum.
Wie es in einer Vorlage der September-Sitzung des Zweckverbands zum Tunnel heißt, werde mit dem Regierungspräsidium noch über Artenschutz und mit dem Ministerium über Brand- und Katastrophenschutz zu diskutieren sein.
Bauen nur von Mai bis September erlaubt
In jener Vorlage lauert indes der Knackpunkt: Sollte die Einigung zu spät erfolgen, „kann angesichts des zur Verfügung stehenden Bauzeitenfensters von Anfang Mai bis Mitte September eines jeden Jahres der Bau der Trennwandkonstruktion erst in 2025 fortgesetzt und abgeschlossen werden“.
Das Bauzeitenfenster ist eingeschränkt, weil das Bundesnaturschutzgesetz es unter anderem verbietet, wildlebende Tiere streng geschützter Arten in Fortpflanzungs- und Überwinterungszeiten erheblich zu stören.
Werden die Tunnel aber erst 2025 fertig, kann der Zugbetrieb frühestens im Sommer 2026 beginnen – weil nach Bauabschluss noch eine etwa einjährige Vergrämung (eine Art Versuch, Tiere unschädlich zu vertreiben) erfolgen muss.
Steinkrebse: Stellungnahme der EU-Kommission fehlt
Ebenfalls nicht abgeschlossen ist das Verfahren in Sachen Steinkrebse „Im Hau“, einem Streckenabschnitt zwischen Calw-Heumaden und der Kaserne des Kommando Spezialkräfte.
Auch hier geht es um den Schutz strengstens geschützter Tiere. Was fehlt, ist die Stellungnahme der EU-Kommission. „Diese wurde aber mittlerweile für Ende zweites Quartal 2024 angekündigt“, erklärt die Sprecherin des Landratsamts an.
Kosten Die Kosten für das Projekt liegen aktuell bei rund 80 Millionen Euro. In dieser Größenordnung wurden bislang Baumaßnahmen beauftragt, die teilweise aktuell noch umgesetzt werden oder – wie im Fall der „Fledermaus-Tunnel“ – noch umgesetzt werden müssen.