Die Waldorfschule aus der Vogelperspektive. Sie steht in der Kritik. Foto: sb

Was ist los an der Frommerner Waldorfschule? In einem anonymen Schreiben werden schwere Vorwürfe laut. Wir haben die neuen Vorstandsmitglieder des Waldorfschulvereins, Christine Fellmeth, Michael Vogel und Ingrid Wischnewski, dazu befragt.

Balingen-Frommern - Die Vorwürfe stehen in Zusammenhang mit der neuen Geschäftsführerin. Zudem gibt es harsche Kritik, was den Umgang mit Personen angeht, die gegen die "innere Geschlossenheit" der Schule verstoßen.

 

Warum anonym?

Der oder die Verfasser(in) des Schreibens, das die Redaktion auf dem Postweg erreicht hat, entschuldigt sich für die Anonymität. Doch weshalb will derjenige nicht offen reden? Erklärt wird: "Wer Interna (wie ich mit dem Schreiben) nach außen trägt, soll oder darf nicht mehr Teil der Gemeinschaft sein." Sollte nun die Redaktion Nachforschungen anstellen, so heißt es weiter, werde nicht die Lösung des Problems gesucht, sondern der "Brunnenvergifter, der gegen die innere Geschlossenheit verstoßen hat". Sollte der "Brunnenvergifter" identifiziert werden, werde ihm nahegelegt, die Gemeinschaft zu verlassen und die (eigenen) Kinder von der Schule zu nehmen: "Wenn man nicht freiwillig geht, wird über den feinen Hebel ›Kinder‹ nachgeholfen."

Das sagt der neue Vorstand

Die neuen Vorstandsmitglieder des Waldorfschulvereins, gewählt in der jüngsten Mitgliederversammlung, sagen dazu: "Der offene Charakter unserer Freien Waldorfschule gebietet es uns, auch mit Kritik angemessen umzugehen. Wer also von und über unsere Mitgliederversammlung spricht, plaudert keineswegs Interna aus."

Was ist passiert?

Grund, den Brief zu schreiben, ist aber nicht der Umgang mit "Brunnenvergiftern", sondern die jüngste, außerordentliche Mitgliederversammlung des Waldorfschulvereins Zollernalb. Was sich dort und auch im Vorfeld zugetragen haben soll, wird so geschildert: Die neue Geschäftsführerin, seit ein paar Monaten im Amt, "führte zu Irritationen". Nach kurzer Zeit habe die Geschäftsführerin eine "eigene Interpretation" im Umgang mit dem von den Eltern getragenen Verein (als Rechenschaftsorgan) und dem Vorstand (als rechtlichem Arbeitgeber) entwickelt. Fachliche Kompetenz, die Kenntnis um rechtliche Rahmenbedingungen und die Transparenzpflicht seien ihr nicht zueigen. Daher "wollte der Vorstand als rechtlicher Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis regulär während der Probezeit beenden". Der Vorstand hörte dazu auch das Kollegium. Doch, so heißt es weiter, "das Verhalten der Lehrer führte dazu, dass der Vorstand nur noch den Rücktritt sah". Ein überaus engagierter und kompetenter Vorstand habe seinen Rücktritt in der Mitgliederversammlung bestätigen lassen müssen und sei entlastet worden.

Von Seiten der Eltern habe es in der Versammlung "erhebliches Unverständnis" wegen des Verhaltens und Vorgehens der Lehrerschaft und der Geschäftsführerin gegeben.

Fellmeth, Vogel und Wischnewski erklären

Fellmeth, Vogel und Wischnewski sagen: "Mitglied im Waldorfschulverein kann Jeder und Jede werden. Im nicht nur ›von den Eltern getragenen Verein‹ finden Sie auch Lehrer und Lehrerinnen, Mitarbeitende und eine erhebliche Anzahl von Ehemaligen aus allen Sparten unseres Schullebens."

Weitere Bedenken des anonymen Schreibers

Im anonymen Schreiben heißt es weiter: "Die nun freien Vorstands-Positionen wurden zu zwei Dritteln neu aus dem Lehrerkollegium besetzt. Die einzige Elternvertreterin im Vorstand war vom Lehrerkollegium ›erwählt‹ und erst seit Kurzem im Amt."

Vorstand: Keine weiteren Kandidaten bereit

Das neue Vorstandsgremium sagt dazu: "Dem Briefverfasser mangelt es augenscheinlich an hinreichender Satzungskenntnis. Dem gewählten ›Vorstand‹ steht satzungsgemäß eine erweiterte Vorstandschaft zur Seite, die sich jeweils hälftig aus der Eltern- und Lehrerschaft zusammensetzt. Mit eindeutiger Mehrheit (92, 76 und 73 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder) hat die Mitgliederversammlung die drei neuen Vorstandsmitglieder in geheimer Wahl gewählt. Keine weiteren Kandidatinnen und Kandidaten waren bereit, zu kandidieren."

Alter Vorstand wollte Haftungsrisiko nicht

Warum sich der zurückgetretene Vorstand wegen der angeblich fehlenden fachlichen Kompetenz der Geschäftsführerin fürchtet? "Der Vorstand wollte das Haftungsrisiko nicht", heißt es in dem Brief. Denn: "Es stehen Bauprojekte in Millionenhöhe an. Dies werden erheblich auch durch öffentliche Mittel finanziert. Und es ist das Geld der Eltern, die sich mit privaten Mitteln für die Zukunft ihrer Kinder einbringen", erklärt der anonyme Verfasser. Zudem hätten viele Eltern der Schule zusätzlich günstige Darlehen gegeben, freiwillige, nicht zurückzahlbare Baukostenzuschüsse und freiwillig höhere Mitgliedsbeiträge gezahlt.

Solide wirtschaftliche Situation bestätigt

Der neue Vorstand antwortet: "Der vom alten Vorstand vorgetragene Finanzbericht bestätigte die aktuelle Fortführung der soliden wirtschaftlichen Situation der zuletzt im April öffentlich gemachten Bilanz. Das laufende Bauprojekt basiert, wie vorgetragen, auf einer sicheren Finanzierung. Die Verwendung, insbesondere der Mittel der öffentlichen Hand und der Banken, unterliegt deren regelmäßiger Prüfung. Vorstand und Baugremien überwachen den Prozess sorgfältig und informieren die Mitglieder regelmäßig."

Geschäftsführerin muss sich engmaschig abstimmen

Zur laut Brief "fehlenden fachlichen Kompetenz" der Geschäftsführerin räumen Fellmeth, Vogel und Wischnewski lediglich ein: "Unsere Geschäftsführerin, die seit Februar 2022 in diesem sehr komplexen Aufgabengebiet tätig ist, muss sich in ihrer Einarbeitungs- und Probezeit sehr engmaschig mit dem Vorstand abstimmen."

"Die Hütte brennt"

Eine Mutter, die ebenfalls nicht genannt werden möchte, bestätigt: "An der Waldorfschule brennt die Hütte."

Das sagt das Schulleitungsteam zum anonymen Brief:

Die Sprecherin des Schulleitungsteams Maria Radetzki schreibt folgendes an die Redaktion: "Wir streben eine Erziehungspartnerschaft mit unseren Eltern an und sind an einer engen und offenen Zusammenarbeit mit den Eltern interessiert. Wir beantworten zeitnah jede Elternanfrage. Probleme versuchen wir im Austausch zu lösen. In Konfliktfällen stehen uns dafür zusätzlich zwei Schulsozialarbeiter sowie ein Vertrauenskreis aus Eltern und Lehrern zur Verfügung. Und weiter: "Wir als Schulleitungsgremium haben konstruktiv und intensiv mit dem alten Vorstand zusammengearbeitet. Wir schätzten die Kompetenzen des alten Vorstands sehr und haben dies immer wieder öffentlich in Dankbarkeit für den unglaublichen ehrenamtlichen Einsatz unserer Vorstände betont."

Zudem schreibt Radetzki: "Wir hatten auf Nachfrage des alten Vorstands gebeten, der Einarbeitung unserer neuen Geschäftsführerin mehr Zeit zu lassen. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Geschäftsführerstelle in unserem Schulverein eine sehr hohe Komplexität hat. Gleichzeitig haben wir den Wunsch geäußert, mit dem geschätzten alten Vorstand weiter arbeiten zu dürfen, bis die Verhältnisse in der Verwaltung nach vielen Personalwechseln solide konsolidiert sind. In diesem Prozess hatten wir allerdings nur eine beratende Funktion inne."

Und Außerdem: "Wir haben als Kollegium keinerlei rechtliche Entscheidungsbefugnis bezüglich der Einstellung oder Entlassung von unseren Verwaltungsmitarbeitern beziehungsweise der Geschäftsführerstelle und beanspruchen diese auch nicht."

Radetzki schließt mit: "Uns ist vollkommen unverständlich, dass aus unserer achtungsvollen, wertschätzenden und zurückhaltenden Stellungnahme in der Mitgliederversammlung ein Narrativ der Polarisierung zwischen altem Vorstand und Schulleitungsgremium entsteht."