Die Waldbewirtschaftung in Müllheim beschäftigt den Gemeinderat. Foto: Volker Münch

Die Eigentümerziele für die neue Forsteinrichtung der Jahre 2027 bis 2036 hat der Müllheimer Gemeinderat mit großer Mehrheit festgesetzt.

Die Forsteinrichtung ist das zehnjährige Planwerk, mit dem die Ziele einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung mit den unterschiedlichen Nutzfunktionen wie Erholung, Natur- und Artenschutz, die wirtschaftliche Wertschöpfung, der Beitrag zum Klima und vieles mehr über einen Zeitraum von zehn Jahren vereinbart werden. Bei der Priorisierung der multifunktionalen Aufgaben gab es in der Vergangenheit unterschiedliche Auffassungen besonders beim Eichwald. Um möglichst einen gemeinsamen Nenner zu finden, fand ein Workshop für den Gemeinderat statt.

 

In der jüngsten Sitzung stellte Forstdirektor Tobias Beigel sowohl die Ergebnisse des Workshops als auch die Rahmendaten aus dem Müllheimer Bergwald und dem Eichwald vor. „Die Waldvorräte im gesamten Müllheimer Wald sind seit 2015 um 429 Vorratsfestmeter pro Hektar angewachsen“, berichtete Beigel. Darunter sei ein hoher Anteil an Starkholz, der sich durch alte Douglasien und Eichen ergeben habe. Aufgrund des Klimawandels zeichneten sich Tannen- und Fichtenbestände als Risikobestände ab.

Klimaresistente Baumarten

Fest steht aus seiner Sicht die Notwendigkeit, Fichten- und Tannenbestände umzubauen und durch klimaresistente Baumarten zu ersetzen. „Dazu müssen die vorhandenen Vorräte abgesenkt werden, um den Platz zu schaffen“, sagte Beigel. Das Starkholz soll nach Empfehlung des Forstexperten ebenfalls genutzt werden, bevor es von den holzverarbeitenden Unternehmen nicht mehr verarbeitet werden könne.

Weil der Eichwald immer wieder zum Streitpunkt im Gemeinderat und auch mit einer Bürgerinitiative besonders hinsichtlich der geernteten Holzmenge und der Vorgehensweise beim Fällen führte, wurden im Ergebnis zum Workshop von der Forstverwaltung nun vier verschiedene Varianten erarbeitet.

Variante A setzt ganz auf weitgehende Konservierung und eine Bestandsnutzung von maximal fünf Hektar im ganzen Jahrzehnt. Neben zahlreichen Nachteilen wie dem höchsten Risiko der Entwertung wertvoller Baumflächen, verursacht das langfristig einen Rückgang der Eichenflächen bis hin zum Verlust. Ferner gibt es keine aktive Klimaanpassung und keine Kohlendioxidbindung.

Kompromiss zwischen Variante B und C

Eine zurückhaltende Nutzung mit durchschnittlich 1,5 Hektar im Jahr verspricht Variante B mit einer langfristigen Sicherung des Eichenanteils. Deutlich verlangsamt, aber doch möglich können die vereinbarten Ziele, unter anderem eine moderate Änderung des Waldbilds, des Ausgleichs der Altersklassenverteilung und eine Klimaanpassung, sein.

Von einer mittleren Nutzungsintensität spricht Variante C mit einem Einschlag von zwei bis drei Hektar pro Jahr. Die gesteckten Ziele würden schneller erreicht werden. Variante D mit einer deutlich stärkeren Nutzung wurde von Anfang an nicht weiter verfolgt.

Bei der Auswertung des Stimmungsbilds beim Workshop kam Variante C auf die höchste Unterstützung, dicht gefolgt von Variante B, während Variante A nur wenig Unterstützung erhielt. Am Ende überzeugte eine von Forstdirektor Beigel empfohlener Kompromiss zwischen Variante B und C.

Gemeinderat stimmt zu

Forstdirektor Beigel und Bürgermeister Martin Löffler machten deutlich, dass durch eine intensivere Verjüngung auch die Bindung des Kohlendioxids durch junge vitale Bäume, wie in Studien verdeutlicht wurde, gesteigert werden könne. Mit dem Variantenkompromiss bleibe die Obergrenze bei dem mit der Bürgerinitiative vereinbarten jährlichen Hiebsatz von unter zwei Hektar, erklärte Beigel weiter.

Am Ende stimmte der Gemeinderat ohne Gegenstimme für die Verwaltungsvorlage, die um einzelne Punkte eines Grünen-Antrags modifiziert wurde.