Die fünfköpfige Familie Loose aus Neubulach nahm an der Trainingswoche der Calwer JKA-Karate-Dojos in Japan teil – und ist vom Land und der Sportart schwer begeistert.
„Einmal stand an einem Bahnhof, dass der Zug extreme Verspätung hat. Der Zug kam dann zwei Minuten zu spät“, muss Nicole Loose immer noch schmunzeln, wenn sie an die zehn Tage in Japan zurückdenkt. Zusammen mit ihren drei Söhnen und ihrem Mann Marco hat sie an der diesjährigen Tokio-Reise des JKA-Karate-Dojos Calw teilgenommen. Die Schule organisiert sie bereits seit 13 Jahren, damit ihre Karateka unter authentischen Bedingungen in Japan trainieren können – schließlich ist kaum eine andere Sportart so sehr auf ihr Ursprungsland ausgerichtet. Die Looses haben keine Sekunde davon bereut. „Das war eine wahnsinnig schöne Erfahrung“, schwärmt Nicole Loose.
Mit vier Jahren ins Dojo
Die Familie Loose gilt im Calwer Dojo als besonders Karate-verrückt. Sohn Jonas, der nächste Woche elf Jahre altwird, machte den Anfang. Mama Nicole erinnert sich: „Als er in die Schule kam, haben wir nach einer Sportart für ihn gesucht. Er ist kein Fußball-Kind, sondern eher strategisch. Er braucht etwas, wo er sich konzentrieren kann. Er braucht eine Struktur.“ Mit Karate fand er genau das. „Er war sofort Feuer und Flamme“, weiß die Mutter. Um mitreden zu können, folgte schließlich auch Papa Marco, der früher Handball beim TSV Calw gespielt hat. Und schließlich traten auch die Zwillinge Constantin und Tristan dem Dojo bei – im Alter von erst vier Jahren. Mama Nicole würde auch gerne, hat aber Probleme mit dem Kreuzband. „Ich bin nur der Fahrservice“, lacht sie.
In fünf Flugzeugen
Klar, dass die Familie Loose auch bei der diesjährigen Tokio-Reise des Dojos dabei war. Allerdings stand die zunächst unter keinem guten Stern, denn sie fiel in den Zeitraum des Lufthansa-Streiks. „Das war unsere erste richtig weite Reise mit den Kindern, was ja ohnehin eine Herausforderung ist. Und dann passiert so etwas. Wir wurden umgebucht und saßen mit unseren 14 Leuten in fünf verschiedenen Flugzeugen“, fasst Nicole Loose die Startschwierigkeiten zusammen. Danach lief aber alles wie am Schnürchen. „Wegen dem Jetlag sind wir nach der Landung erst einmal durch Tokio geschlendert, um die Kinder bis zum Abend wach zu halten. Das hat gut funktioniert“, freut sich die Neubulacherin.
Bevor es zum Trainingszentrum der JKA (Japan Karate Association) ging, standen zwei Tage Sightseeing in Tokio auf dem Programm. Reiseleiter war der Calwer Dojo-Leiter Robin Kaun, der sich durch die vielen Reisen inzwischen gut auskennt in der japanischen Hauptstadt. Die hinterließ bei den Looses bleibenden Eindruck: „An Regeln wird sich gehalten. Da wird nicht diskutiert. An einer roten Ampel bleiben die Leute stehen, egal ob die Straße frei. Diese Struktur in Japan hat uns sehr fasziniert. Alle sind freundlich und haben geholfen – und mit einer Geduld, die uns Deutschen inzwischen manchmal fehlt“, meint Nicole Loose und verdeutlicht: „Wir sind der Familie Kaun echt dankbar und wirklich froh, an dieses Dojo geraten zu sein.“
Nach dem Training platt
Noch größeren Eindruck hinterließ natürlich die Zeit im JKA-Zentrum in Tokio. Jeweils morgens und abends wurde hart traininert. Dazwischen wieder Sightseeing? „Nein, die waren nach dem Training alle platt. Das war nicht nur für den Körper anstrengend, sondern auch für den Geist“, sagt Nicole Loose, der deutlich geworden ist: „In Japan wird auf einem ganz anderen Level trainiert. Die sind präziser und die gehen mit einer anderen Energie in das Training. Dadurch sind die Bewegungen viel dynamischer und exakter. Meine Jungs haben gesagt, dass das ihnen sehr viel gebracht hat. Es sind einfach Kleinigkeit, die helfen, damit man mehr Kraft in die Bewegungen bekommt.“
Kaum Sushi, keine Mangas
Für die Looses ist auf jeden Fall klar, dass das nicht ihre letzte Reise in das Land der aufgehenden Sonne war. Und sie wollen auch mehr Japan in ihren eigenen Alltag hier in Deutschland bringen. Das bedeutet nicht, dass nun häufiger Sushi auf den Esstisch kommt, und auch mit Mangas können die Kinder nicht viel anfangen. „Aber wir sind zu Hause schon strukturierter geworden – so wie auch die Japaner das mögen“, unterstreicht Nicole Loose.
Die nächste sportliche Herausforderung ist die deutsche Meisterschaft am 14. März im hessischen Michelstadt, an der Sohn Jonas teilnehmen wird. Für ihn sind es bereits seine zweiten nationalen Wettkämpfe. Bei seiner Premiere im vergangenen Jahr holte er bei der deutschen Meisterschaft in seiner Altersklasse zwei Medaillen – eine in Bronze und eine in Silber.