Michael Züfle erzählt von seiner Gewinner-Rede bei einem Speaker-Slam in Wiesbaden, seinem Coming-out und wie er anderen queeren Menschen hilft.
Michael Züfle (41) nennt sich „Regenbogen-Papa“. Die Regenbogenfarben sind die Farben der homosexuellen – oder auch queeren – Bewegung.
Züfle und sein Mann sind die Väter eines zehn Monate alten Kindes. Im Interview mit unserer Redaktion verrät Züfle einiges.
Etwa, wie er sich als homosexueller Junge gefühlt hat, wie er queeren Menschen als Life-Coach helfen möchte, und weshalb sich ein Coming-out seiner Meinung nach immer lohnt.
Verraten Sie uns eine denkwürdige Passage aus Ihrem Gewinner-Beitrag beim Speaker Slam, Herr Züfle?
Mein generelles Thema beim Rednerwettbewerb waren Akzeptanz und mein spätes Outing. Ich bin ja schon 33 gewesen, als ich mich getraut habe. Meine Message ist: Wenn man sich entscheidet, zu 100 Prozent für sich einzustehen und sich – wie in meinem Fall – als homosexuell zu outen, dann erscheint plötzlich alles Schwere ganz leicht zu sein. Und es ist nicht so schlimm, wie man vielleicht befürchtet hatte. Freunde und Familie sind meistens verständnisvoller, als man sich das ausgemalt hatte. Man ist gegenüber heterosexuellen Menschen hier in Deutschland auch nahezu nicht mehr benachteiligt. Ein Coming-out – egal in welchem Alter – lohnt sich.
Wie hat das Publikum in Wiesbaden reagiert?
Zum Glück sehr, sehr positiv. Wie schon bei anderen Events, bei denen ich auf der Bühne stand.
Sie wurden in Hechingen geboren, sind in Starzeln aufgewachsen, Ihre Eltern und Ihr Bruder leben heute in Balingen. Sie hingegen leben in Magstadt im Kreis Böblingen. Warum sind Sie aus dem Zollernalbkreis weggegangen?
Das hat nichts mit meinen Coming-Out zu tun – sondern mit meinem Beruf. Mein Mann arbeitete früher in Ludwigsburg, ich in Tübingen, da war Magstadt genau die Mitte. Tatsächlich aber erscheint es einem leichter, sich „in der Ferne“ vor den Leuten daheim zu outen. Der Großraum Stuttgart ist da natürlich insgesamt auch liberaler.
Was sind Ihre stärksten Erinnerungen als homosexueller Jugendlicher im ländlichen Raum?
Ich bin ja in Starzeln aufgewachsen. Ein eher konservativer Landstrich. Ich hatte damals Angst, was zu sagen, weil ich niemanden auf dem Land kannte, der auch schwul war. Die Kumpels haben zum Teil auch über Homosexuelle gespottet, und es war Ablehnung zu spüren. Und heute? Ist das ganz anders! Ich habe mich echt gefreut, dass sich beispielsweise mein alter Narrenverein in Starzeln, die „Hailix Blechle“, so positiv auf mein Outing reagiert hat.
Wussten Sie eigentlich, dass es seit einiger Zeit ein Queer-Café in Balingen gibt? Das findet regelmäßig im Jugendhaus statt.
Das wusste ich nicht, aber das zu hören, freut mich sehr. Das hätte ich mir als Jugendlicher auch gewünscht.
Sie arbeiten als Life-Coach und helfen Menschen, den Weg für sich zu finden, auf dem es ihnen gut geht. Arbeiten Sie da ausschließlich mit queeren Menschen?
Nicht ausschließlich. Aber aufgrund meiner Biografie möchte ich vor allem queere Menschen dabei unterstützen, sich ihren Ängsten zu stellen, für sich einzustehen und sich in allen Lebensbereichen zu zeigen. Das weitergeben, was ich mir damals gewünscht hätte.
Mit gutem Rat ist es immer so eine Sache. Trotzdem: Was sagen Sie Menschen, die sich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in einer vermeintlich schwierigen Lebenslage befinden?
Du solltest dich und seine Sexualität annehmen. Wenn du das schafft, wird es einfacher, sich guten Freunden und der Familie anzuvertrauen. Und noch mal: Ein Coming-out lohnt sich immer, weil es eine innerliche Befreiung ist.