Der Landesbetrieb Vollzugliches Arbeitswesen zeigt mit einer Ausstellung im Tal X, wie und was in Baden-Württembergs Justizvollzugsanstalten gearbeitet wird und räumt ganz nebenbei mit Fernsehklischees auf.
Tal X-Besucher haben noch bis zum 28. September im Treffpunkt Baden-Württemberg im Friedrichstal die Möglichkeit, eine ungewöhnliche Ausstellung zu besuchen: Unter dem Motto „Zwischen Schwarzwald und Gittern – Justizvollzug trifft Garten(schau)“präsentiert der Landesbetrieb Vollzugliches Arbeitswesen (VAW) die Vielfalt der Arbeiten aus Baden-Württembergs Justizvollzugsanstalten (JVA).
Ziel der Ausstellung ist es, die Arbeit zu zeigen, die die Häftlinge in den Werkstätten von insgesamt 18 Niederlassungen des VAW – jede davon einer JVA zugeordnet – leisten und ganz nebenbei mit Vorurteilen aufzuräumen.
In Kooperation mit rund 240 Arbeits- und Ausbildungsbetrieben entstehen hier ganz unterschiedliche Produkte. Von kleinen Mitbringseln wie „Heimatmännchen“ über Duftkerzen und Liköre bis hin zu Bänken, Grills, Bierbankgarnituren, Hochbeeten, Epoxidharz-Tischen, Büromöbeln und sogar einem „Hot Tub“ ist alles dabei.
Begehbare Musterzelle
Doch es geht um mehr als nur die Produkte: Die Ausstellung soll zudem einen Einblick in den Alltag hinter den Gefängnismauern geben– jenseits gängiger Fernsehklischees, wie grauen Wänden, täglichen Prügeleien und offen im Raum stehenden Toiletten.
Ein besonderes Highlight der Ausstellung ist die begehbare Musterzelle, in der sich die Tal X-Besucher selbst einen Eindruck vom Leben in Haft machen können. Mit einem Bett, Schrank, Tisch, Waschbecken und einer Toilette – in Zellen mit mehrfach Belegung durch einen Sichtschutz abgetrennt – ist die Einrichtung recht spartanisch.
Dennoch scheint die Zelle flächenmäßig größer als so manches WG-Zimmer und gegen einen Aufpreis ist zudem noch ein Fernseher und eine Spielkonsole erhältlich. Man müsse eben bedenken, dass die Strafe schließlich der Entzug der Freiheit sei, nicht der Menschenwürde, erklärt Lars Klapper, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Landesbetriebs VAW.
Fokus auf Resozialisierung
Sinnvolle Arbeit sei für viele Inhaftierte ein wichtiger Bestandteil ihrer Resozialisierung. In den Werkstätten des Landesbetriebs VAW sollen sie auf ein Leben und eine Erwerbstätigkeit nach der Haft vorbereitet werden – mit festen Strukturen, einem geregelten Tagesablauf und beruflichen Fähigkeiten.
Da viele Gefangene unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, bietet der VAW individuell abgestimmte Arbeitsmöglichkeiten in verschiedenen Bereichen. Manche Insassen hätten in ihrem Leben noch nie gearbeitet oder eine Schule besucht, berichtet Klapper. Für sie beginnt der Einstieg oft ganz niedrigschwellig – manchmal nur mit dem Ausmalen von Mandalas, um überhaupt wieder eine Tagesstruktur zu erlernen.
Einige der Insassen merkten schnell, wie sie ihre Arbeit mit Stolz erfüllt. Besonders jugendliche Häftlinge seien oft überrascht, wozu sie eigentlich fähig sind, wenn sie ihre Energie in etwas Produktives stecken, meint Klapper.
Die Einnahmen aus dem Verkauf der Produkte fließen in die Unterbringung und Versorgung der Gefangenen – können die tatsächlichen Kosten allerdings nicht vollständig decken, wie Klapper erklärt.
Zusätzliches Rahmenprogramm
Workshops
Begleitet wird die Ausstellung täglich von einem bunten Rahmenprogramm für die ganze Familie. Workshops wie Apfelsaft pressen, das Weben von Fadenbildern, der Bau von Vogelfutterhäusern oder der „Heimatmännchen“, eine Schmetterlings-Fotoecke sowie ein Glücksrad sorgen zusätzlich für Unterhaltung.
Grillen und Weinprobe
Am 20. und 21. September steht zudem noch Grillen mit dem, eigens von den Häftlingen gebauten, Barbecue-Smoker an, bevor die Ausstellung am 28. September mit einer Weinprobe ausklingt.