Ein Leben ohne Jazz? Möglich, aber sinnlos. Rainer Horn hat den Vorsitz im Jazz-Club Villingen zwar abgegeben, aber mit dem Verein bleibt er verbunden, nicht nur Samstagabends.
Rainer Horn lehnt sich in seinem gemütlichen Zuhause in der Villinger Südstadt entspannt zurück, als er über seine lange Zeit als Vorsitzender im Jazz-Club Villingen mit unserer Redaktion spricht.
Die damalige Vorsitzende Lisa Boulton, amtsmüde geworden, sei es gewesen, die ihn davon überzeugt habe, diese Aufgabe zu übernehmen. Das war im Jahr 1997.
Horns Gedanke damals: „Ich kenne mich da doch gar nicht so gut aus.“ Boulton habe ihn jedoch davon überzeugt, dass er der „Richtige“ sei, der Rest ist Villinger Vereinsgeschichte. Mit Friedhelm Schulz und Dieter Dorer war das kreative Trio perfekt.
„Doch im Juli letzten Jahres bin ich 80 Jahre alt geworden, da kann man ja schon mal ans Aufhören denken.“ Aufgehört hat der langjährige Familienrichter am Amtsgericht Villingen parallel dazu auch als Vorsitzender des Bezirksverein für soziale Rechtspflege.
Keine zehn Minuten dauert das Interview und schon legt eine Jazztrompete los, „das ist unser Telefon“, schmunzelt Horn, der als junger Student in Freiburg zum ersten Mal mit dem Jazz in Berührung kam.
Kreativität und Offenheit
Was findet er im Jazz, warum fasziniert ihn dieses Musikgenre? „Jazz ist offen für alle Stilrichtungen“ und lasse auch unterschiedliche Elemente einfließen. Jazzmusiker lassen sich auf das Spiel mit den technischen Möglichkeiten ein. Es ist die Kreativität, die ich sehr schätze.“ Eine Offenheit, die sich auch in der Persönlichkeit widerspiegele. „Es wird wohl kaum einen autoritären Menschen geben, der Jazz hört.“
Welche Rolle spielt die Musik, neben Jazz auch die Klassik, in seinem Leben? „Musik bedeutet mir sehr viel.“ Der Blick gleitet durch das Esszimmer und Wohnzimmer, kein Instrument in Sicht. Spielt Horn nicht selbst Klavier oder Geige? „Na ja, ab und zu hole ich die Mundharmonika heraus oder auch mal die afrikanischen Trommeln, aber nur, wenn ich alleine bin.“
Wenn er ein Buch über seine Zeit beim Jazzclub schreiben müsste, welche Kapitel wären ihm am wichtigsten? Horn überlegt nicht lange. Die Zusammenarbeit mit seinen Vorstandskollegen Schulz und Dorer, der Kontakt mit den Musikern, das Kennenlernen neuer Bands, die seit ein paar Jahren zu beobachtende Verjüngung des Publikums, nicht zuletzt Dank der Offenheit der Jazz-Clubber in Villingen und solch engagierten Machern wie Simeon Disch mit Funky Voyage.
Samstags in Webergasse
Der Glanz in den Augen, die Begeisterung, mit der der über 80-Jährige über seine aktive Zeit im Vorstand spricht, wird im Laufe des Gesprächs intensiver: Untrügliche Zeichen dafür, wie sehr er für diese Musik brennt.
Bewunderung empfindet er nicht nur für die Größen der Szene wie Albert Mangelsdorff und Walter Lang, sondern auch für Persönlichkeiten abseits des Jazz. Der Name Simon Rattle fällt mehrfach, der für seine Musik-Projekte auch Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien eingebunden habe.
Für Rainer Horn ist die aktive Zeit zwar zu Ende, doch auch im Ämter-Ruhestand ist klar, was in seinem Leben den Takt vorgibt: Samstagabend, Jazzkeller, Webergasse, Einlass ab 20 Uhr.