Der Angeklagte zeigte während der Verhandlung kaum Emotionen. Ihm wird versuchter Mord vorgeworfen. Foto: Elena Baur

Ein 41-Jähriger aus Sulz steht derzeit wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht in Rottweil. Er soll versucht haben, seine Mutter mitsamt seinem elterlichen Haus zu verbrennen.

Mit Hand- und Fußfesseln wird der 41-Jährige in den Gerichtssaal im Landgericht geführt. Viele Plätze in den Zuschauerreihen sind gefüllt. Denn: Dieser Fall erweckte in Sulz und der Umgebung Aufsehen.

 

Dem zur Tatzeit 41-Jährigen wird in der Anklage vorgeworfen, seine Mutter in der Nacht zum 15. Februar diesen Jahres in ihrem Schlafzimmer angegriffen zu haben, mit Feuerwerkskörpern beworfen zu haben, Schranktüren „wie einen Scheiterhaufen“ auf sie gestellt zu haben. Schließlich habe er versucht seine Mutter mit samt dem Haus zu verbrennen. Dafür habe der Sohn in Teilen des Hauses in Sulz Kraftstoff verteilt.

Die 72-Jährige konnte sich aus der Situation befreien und fand mit schweren Verletzungen bei einer Nachbarin Schutz. Dort wurden die Einsatzkräfte alarmiert. Das Haus stand kurze Zeit später in Vollbrand. Bislang sei es nicht mehr bewohnbar. Nun wird dem Mann versuchter Mord, Brandstiftung mit möglicher Todesfolge und schwere Körperverletzung vorgeworfen.

Angeklagter berichtet von schlechter Kindheit

Vor Gericht äußerte sich der Angeklagte am Freitagmorgen zum Tathergehen nicht, erzählte aber von Problemen, die er in seiner Kindheit und auch im weiteren Verlauf seinen Lebens erlitten habe. Dabei spielten vor allem Gewalt und Drogen eine Rolle.

Schon in frühem Alter suchte er sein Glück im Alkohol. Später auch in Cannabis und verschiedenen harten Drogen – alles was ihm in die Finger gekommen sei, so der gelernte Altenpfleger. Der Kontakt zu seiner Familie sei nach der Trennung von seiner Frau abgebrochen – zwei Annäherungsversuche blieben erfolglos.

Die feste Struktur im Gefängnis würde ihm aber gut tun. „Ich lebe in Haft besser als vielleicht draußen“, meint er. Wichtig sei für ihn aber der Kontakt zu seinen drei Kindern. Ob diese allerdings noch den Kontakt zu ihm haben möchten, sei unklar, nachdem die Mutter ihnen erzählt hatte: „Papa wollte Oma verbrennen.“

Mutter hat den Angriff nicht kommen sehen

Schockierendes berichtete das Opfer vor Gericht. Sie hat sich dem Verfahren als Nebenklägerin angeschlossen und vermied es ihren Sohn anzusehen. Er zeigte unterdessen kaum Emotionen.

Den Angriff habe sie nicht kommen sehen. Die Türen des Hauses seien verschlossen gewesen. Sie sei vom Licht im Schlafzimmer aufgewacht und habe den damals 41-Jährigen erkannt. „Du wirst heute sterben“, habe er ihr gesagt und habe mehrfach mit einem Holzprügel auf sie eingeschlagen, sie auf den Boden gezerrt, getreten, mit altem Feuerwerk aus dem Schlafzimmer beworfen und dann mit Schranktüren überhäuft, um sie und das ganze Haus anzuzünden.

„Ich möchte nicht verbrennen“

Währenddessen habe er sich durchweg für seine Tat gerechtfertigt, dass er das auf Grund seiner schlechten Kindheit tun würde. Außerdem habe er gesagt, dass es ihm leicht falle, Menschen zu töten, da sie bereits sein sechstes Opfer sei.

Während er damit beschäftigt gewesen sei, das Haus mit Benzin zu überschütten, hätte sie sich unter den Türen hervor und sei an ihm vorbeigelaufen aus dem Wintergarten. Ihr einziger Gedanke: „Ich möchte nicht verbrennen.“ Bei einer Nachbarin fand sie Schutz.

Nachbarin erzählt von blutüberströmter Frau

Für die Nachbarin war das ganze Erlebnis einprägsam. Sehr ausführlich konnte sie am ersten Verhandlungstag von dem Erlebnis erzählen. Mitten in der frostigen Nacht habe es laut gegen ihre Türe gehämmert. Unten sei ihr die 72-Jährige regelrecht ins Haus gefallen. Blutüberströmt habe sie auf ihrer Treppe gesessen und erzählt, dass er wohl als nächstes zu ihren beiden anderen Kindern gehen würde. Auch Wochen später habe sie den Geruch von Kraftstoff nicht mehr aus ihrem Haus bekommen.

Einer der Notfallsanitäter bestätigte das blutverschmierte Bild, wie es die Nachbarin beschrieben hatte. Die Mutter zog sich durch den Vorfall mehrere Frakturen und Verbrennungen zu. Eine Fingerkuppe hätte nachträglich wieder angenäht werden müssen und ihre Finger gedrahtet. Außerdem seien einige Nerven am Kopf beschädigt worden. Noch heute kämpfe sie mit den Folgen, berichtet sie vor Gericht.

Der Prozess wird am Montag, 17. November, mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt. Insgesamt sind noch weitere vier Verhandlungstage geplant.