Die Wiesentalbahn soll zweigleisig ausgebaut werden, um der zunehmenden Zahl an Reisenden gerecht zu werden. Foto: Marco Fraune

Im gemeinsamen Oberzentrumsausschuss Lörrach-Weil am Rhein war der Ausbau der Garten- und Wiesentalbahn Thema. Die Stadträte fordern mehr Druck Richtung Stuttgart.

Was die Stadt Lörrach schon seit längerem umtreibt, dessen Wichtigkeit werden sich die Weiler erst nach und nach bewusst: das abzusehende verkehrliche Nadelöhr vom Westen des Landkreises Lörrach zum im Bau befindlichen neuen Kreisklinikum im Osten Lörrachs. Schon heute staut sich im Bereich Lörrach der Verkehr, die S-Bahnen platzen zeitweise aus allen Nähten.

 

Britta Staub-Abt führte in einem Vortrag den Stand der Planung für den Ausbau der Wiesentalbahn aus. Damit sei auf deutscher Seite die Stadt Lörrach zusammen mit der Bahn und dem Zweckverband Regio-S-Bahn befasst.

Teil dieser Planungen ist ein 15-Minuten-Takt der S6 zwischen Basel und Lörrach, ein neuer Haltepunkt am neuen Kreisklinikum sowie die Weiterführung der S5 über Steinen hinaus unter Berücksichtigung aller Unterwegshalte, so Staub-Abt.

Notwendig sei dafür eine Verlängerung der zweigleisigen Strecke über den bisherigen Streckenabschnitt zwischen dem Lörracher Stadtteil Stetten und der Haltestelle Haagen-Messe hinaus.

Eine Trassenplanung der Bahn liegt mittlerweile vor. Als „Inbetriebnahmehorizont“ wird das Jahr 2035 genannt. Zu den Kosten wollte sei keine neue Zahl nennen. 207 Millionen Euro standen bei der Vorstellung des Projekts im April 2024 im Raum.

Derzeit werde die Trasse von den städtischen Verantwortlichen daraufhin durchgesehen, wo jeweils Privatgrund betroffen sei und wo technische Bauwerke oder bestehende Unterführungen zu berücksichtigen sind, präzisierte Klaus Dullisch, Leiter der Tiefbauabteilung.

Der Lörracher Oberbürgermeister Jörg Lutz (Archivbild) Foto: Kristoff Meller

In einem flammenden Plädoyer setzte sich der Lörracher Oberbürgermeister Jörg Lutz für den Ausbau ein, wobei er am Rande die Pläne für eine Reaktivierung der Kandertalbahn als S-Bahn kritisierte: „Raum ist knapp, Geld ist knapp, wir müssen uns fragen: Auf was konzentrieren wir uns?“, stellte er als Frage in den Raum.

Die Anstrengungen bündeln

Die Wiesentalstrecke sei die „Schlagader im Landkreis“, auf sie gelte es alle Anstrengungen zu konzentrieren. Mehr als 20 000 Personen seien auf ihr Tag für Tag unterwegs. Mit dem derzeitigen Takt sei keine Luft mehr nach oben.

Die Oberbürgermeisterin von Weil am Rhein, Diana Stöcker Foto: Beatrice Ehrlich

Was den Ausbau betrifft, vertreten Lörrach und Weil am Rhein in zwei zentralen Punkten eine gemeinsame Haltung, machte Weils Oberbürgermeisterin Diana Stöcker deutlich: Sie fordern, das bisherige Angebot nicht einzuschränken und gleichzeitig mit aller Kraft und allen vorhandenen Ressourcen auf eine vollständige Anbindung des Dreiland-Klinikums hinzuarbeiten.

„Wir mieten einen Sonderzug“

Dabei gehe es nicht allein um den Transport von Patienten sondern auch von Arbeitnehmern, betonte sie.

Den Wortmeldungen im Ausschuss zufolge, geht das den Stadträten hier und dort nicht schnell genug: Margarete Kurfeß von den Lörracher Grünen verlieh ihrer Befürchtung Ausdruck, dass die Kreiskliniken in Betrieb gehen, ohne dass es dort eine S-Bahn-Haltestelle gibt. „Gehen Sie gemeinsam nach Stuttgart“ forderte sie die beiden Stadtoberhäupter auf und OB Lutz stimmte ein mit der Ankündigung: „Wir mieten einen Sonderzug!“.

Die Planungen beschleunigen

Wann denn die Vorplanungen abgeschlossen sein werden, wollte Bernhard Escher (CDU Lörrach) wissen. „Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, dann haben wir das 2035 noch nicht“, klagte er. Er verstehe nicht, warum nicht alle Energien endlich auf dieses Vorhaben gelenkt würden. „Sonst müssen wir künftig überlegen, wie wir durch Lörrach durchkommen – mit dem Auto.“

Genau dies sei der Grund, warum man die Pläne so genau und sorgfältig anschaue, gab Staub-Abt zur Antwort. Die Planungsphase Zwei solle aber noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

„Es wäre schön, wenn alle an einem Strang ziehen“

Eugen Katzenstein (Unabhängige Freie Wähler Weil am Rhein) verlangte, die Kräfte zu bündeln. Man kümmere sich um Dinge, die „nice to have“ seien, statt den Fokus auf den Anschluss des Kreisklinikums zu richten, monierte er: „Es wäre schön, wenn alle an einem Strang ziehen würden.“

Auch für Weil am Rhein bedeutsam

Dass nicht allen die Wichtigkeit dieses Projekts gerade auch für Weil am Rhein vor Augen steht, machte Ulrike Fröhlich von den Weiler Grünen mit ihrer Wortmeldung deutlich: „Die Wichtigkeit der Strecke Lörrach-Wiesental war mir nicht bewusst“, räumte sie ein. Dabei gehe es ganz zentral ja auch darum, die Stadt Weil am Rhein an das Dreiland-Klinikum anzuschließen.