Ist die Ausfahrt der Avia-Tankstelle auf die Stuttgarter Straße eine große Gefahr für Radfahrer? Die Statistik sagt Nein, die BA-Grüne-Fraktion Ja – und fordert Sicherheitsmaßnahmen.
Ein Radfahrer fährt auf der Stuttgarter Straße und prallt auf Höhe der Avia-Tankstelle mit einem Auto zusammen, weil der Fahrer nur nach links schaute und auf die vorbeifahrenden Autos fixiert war.
Ein fiktives Szenario, das dazu nicht besonders wahrscheinlich ist – laut Stadtverwaltung ist an der Stelle keine Unfallhäufung erkennbar. Sehr wohl kommt es an der Kreuzung der Tankstellenausfahrt mit dem gemeinsamen Geh- und Radweg aber immer wieder zu gefährlichen Situationen.
Für die BA-Grüne-Fraktion im Gemeinderat Grund genug, Sicherheitsmaßnahmen zu fordern. Ihr Antrag: Der Gemeinderat möge beschließen, den Radweg durch eine farbliche Markierung des Belags, ein Schild mit Warnblinker, ein großes Piktogramm oder Ähnliches in seiner Sichtbarkeit aufzuwerten.
Der Gemeinderat ist allerdings nicht für eine Beschlussfassung zuständig. Bei einer Beschilderung wäre die untere Straßenverkehrsbehörde zuständig, bei farblichen Markierungen im Bereich des Geh- und Radwegs die Stadt als Straßenbaulastträger.
Die Verwaltung nahm den Antrag zum Anlass, das Thema in einer Sitzung des Verkehrsbeirates anzusprechen. Sie ist der Meinung, dass das Gelände der Tankstelle – und damit der Grundstückseigentümer – in die Überlegungen einbezogen werden soll.
Das Ende der Fahnenstange?
Das unterstrich Christoph Gerber, Leiter des Baurechts- und Ordnungsamtes, im Gemeinderat. Die Stadt werde auf den Grundstückseigentümer zugehen. Angedacht seien Bodenmarkierungen, die Autofahrer auf die beidseitige Befahrung des Radwegs aufmerksam machen sollen. Wenn diese keine Wirkung zeigten, sei irgendwann auch mal das Ende der Fahnenstange erreicht.
„Mir ist schon mehrfach die Vorfahrt genommen worden“
Stadtrat Albrecht Ortmann (BA Grüne) meinte, dass es an der Stelle keine Unfallhäufung gebe, sei vielleicht nur Glück. „Mir ist schon mehrfach die Vorfahrt genommen worden.“ Die Autofahrer seien derart auf den Verkehr aus der Stuttgarter Straße fokussiert. Er forderte ein großes Piktogramm, das die Blicke auf sich zieht, und brachte erneut auch ein Warnblinklicht ins Spiel.
Karl Müller betonte, dass die SPD den Antrag unterstütze und schlug eine Erweiterung auf die Shell-Tankstelle auf der anderen Straßenseite vor. Oberbürgermeister Adrian Sonder nahm den Vorschlag zur Prüfung auf.
Carsten Kugler (FWV) regte an, die Sache auch andersherum zu betrachten – so könnte man auch die Radfahrer vor der Tankstellenausfahrt warnen.
Axel Reich (CDU) meinte wiederum, die Situation sei schon sehr übersichtlich, da die Autos nur aus einer Richtung kämen. Im Bereich der Firma Bürkle komme Ausfahrt nach Ausfahrt.
Reicht Vor- und Rücksicht?
Amtsleiter Gerber merkte an, wenn man es sich ganz einfach machen wolle, könne man sich auch auf Paragraph 1 der Straßenverkehrsordnung berufen – darin wird „ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“ angemahnt. In einem Punkt gehe er aber nicht mit: Die anderen Ausfahrten seien kein Problem – an der Tankstelle hingegen gebe es eine „ganz andere Frequenz“.