Wird es durch das Verkaufsverbot von Rattengift Mitte 2026 zu einer Rattenplage im Schwarzwald-Baar-Kreis kommen? Foto: © Chanawat – stock.adobe.com

Ab Mitte 2026 dürfen Privatpersonen kein Rattengift mehr kaufen. Doch was bedeutet das für den Schwarzwald-Baar-Kreis? Hier gehen die Meinungen auseinander.

Ein Verkaufsverbot für Rattengift ist auf dem Vormarsch. Welche Folgen das für den Schwarzwald-Baar-Kreis hat – wir haben bei der Stadt Villingen-Schwenningen, dem Naturschutzbund (Nabu) Schwarzwald-Baar und bei Schädlingsbekämpfern aus der Region nachgefragt.

 

Die europäische Biozid-Verordnung legt fest, welche Schädlingsbekämpfungsmittel zugelassen sind und wie sie eingesetzt werden dürfen. Die Zulassung für Rattengifte mit antikoagulanten Wirkstoffen, sogenannten Blutgerinnungshemmern, ist Anfang des Jahres ausgelaufen – ab 1. Juli 2026 wird der Verkauf des Rattengifts an Privatpersonen daher sowohl im Baumarkt als auch online stark eingeschränkt oder sogar verboten, wie unsere Recherchen ergeben haben. Der Umgang mit dem Rattengift ist dann nur noch ausgebildeten Fachkräften gestattet.

Rattenpopulation im Schwarzwald-Baar-Kreis

Doch wie stellt sich die aktuelle Situation der Rattenpopulation im Schwarzwald-Baar-Kreis dar? Gibt es bereits ein Rattenproblem in VS? Im Jahr 2025 seien bei der städtischen Polizeibehörde 27 Meldungen zu Rattensichtungen eingegangen, berichtet Patrick Ganter, Pressesprecher der Stadt Villingen-Schwenningen.

„Nach den Hinweisen handelte es sich überwiegend um einzelne Tiere, nicht um größere Populationen.“ Die Orte, an denen Ratten gesichtet wurden, hätten sich über das gesamte Stadtgebiet verteilt – mehrfache Sichtungen habe es in den Villinger Innenstadtbereichen wie Färberstraße, Zinsergasse und Rietstraße sowie der Deutenbergring in Schwenningen gegeben.

Ganter erläutert weiter: Alle Meldungen seien aufgenommen, an die Technischen Dienste VS zur Prüfung weitergeleitet und gegebenenfalls vorbeugende Maßnahmen angestoßen worden.

Ein sprunghafter Ratten-Anstieg?

Nun steht die Frage im Raum, ob die Anzahl der Ratten ab dem Verkaufsverbot sprunghaft ansteigen wird, darauf meint Ganter: „Zu möglichen Auswirkungen eines Verkaufsverbots von Rattengift für Privatpersonen können wir derzeit keine belastbare Einschätzung geben, da uns Umfang und Einsatz privater Käufe nicht bekannt sind.“

Auch Thomas Schalk, Vorsitzender des Nabus Schwarzwald-Baar, sieht das ähnlich: „Wir erwarten keinen sprunghaften Anstieg der Rattenpopulation, aber solche Aussagen sind schwierig zu treffen.“

Robert Ulke, Schädlingsbekämpfer aus Königsfeld, ist sich hingegen sicher: „Die Ratten-Population wird ansteigen.“ Auch Lothar Raspe von Raspe Schädlingsbekämpfung in Bad Dürrheim nimmt an, dass das Verkaufsverbot des Rattengifts an Privatpersonen zu einem Anstieg der Nager im Schwarzwald-Baar-Kreis führen werde.

Befürworten des Verbots?

Auch wenn Ratten für den Menschen keine unmittelbare Bedrohung darstellen, sind sie weit mehr als nur harmlose Mitbewohner. Sie verunreinigen und beschädigen Gebäude und können zudem gefährliche Krankheiten wie das Hantavirus übertragen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob das Verkaufsverbot tatsächlich als negativ zu bewerten ist.

„Wir begrüßen das Verkaufsverbot,“ erklärt Schalk die Sicht des Nabus. „Diese Gifte gehören in die Hände von Profis“, stellt er fest. Denn sie seien gefährlich und töten auch Mäuse und andere Kleinsäuger – langsam, schmerzhaft und über mehrere Tage hinweg.

Man habe das blutgerinnungshemmende Mittel auch schon in Rotkehlchen, Kohlmeisen, Greifvögeln, Eulen, Füchsen, Mardern und Wieseln, sogar in Fischen gefunden. „Sie schädigen auch diese Tiere massiv“, so Schalk.

Auch Ulke spricht sich für ein Verbot aus: Privatpersonen gingen beim Auslegen des Gifts häufig nicht fachgerecht damit um. Denn das Gift müsse unzugänglich für andere Tiere, Menschen, aber auch die Umwelt – in verschlossenen Boxen – ausgelegt werden.

Das strikte Verkaufsverbot sieht Ulke allerdings als schwierig an: Es hätte einen Mittelweg gebraucht, ist er sich sicher. Das Problem sei in erster Linie nun, dass es nicht genügend qualifizierte Schädlingsbekämpfer gebe, die sich der steigenden Rattenpopulation annehmen können.

Welche Möglichkeiten gibt es, um sich gegen Ratten zur Wehr zu setzen?

Ohne Rattengifte mit antikoagulanten Wirkstoffen, welche Möglichkeiten hat eine Privatperson noch, um einen Anstieg der Ratten-Population in und um die eigenen Vier-Wände zu verhindern oder sie gegebenenfalls einzudämmen?

„Ratten finden überall Futter. Wir Menschen werfen zu viel weg“, meint der Vorsitzende des Nabu Schwarzwald-Baar. Weniger weggeworfene Lebensmittel seien ein wichtiger Beitrag, um die Zahl der Ratten zu begrenzen.

Mülleimer geschlossen halten, Lebensmittelreste nicht offen liegen lassen und ordnungsgemäß entsorgen seien zudem Möglichkeiten, um Ratten nicht anzulocken, erklärt der Schädlingsbekämpfer aus Bad Dürrheim. Vor allem sollte man keine Essensreste die Toilette hinunterspülen, so Raspe – ansonsten kämen die Nager durch die Kanalisation nach oben. Als Alternative für Privatpersonen blieben auch noch die Lebendfallen oder Schlagfallen, fügt Ulke hinzu.

Inmitten der Debatte um eine mögliche Rattenplagen mahnt der Vorsitzende des Nabu allerdings zur Gelassenheit: „Ratten bringen einen Menschen auch nicht direkt in Gefahr.“ Stattdessen gelte es, Ruhe zu bewahren, Abstand zu halten, nicht zu füttern und bei Ratten im Haus die Profis einzuschalten.