Das schnelle Internet realisiert sich langsamer als in Aussicht gestellt. Ein Mitarbeiter der NetCom sah sich im Gemeinderat Klagen und Forderungen gegenüber.
Alles fertig! Der Glasfaserausbau in Burladingen und Gauselfingen ist im Jahr 2025 abgeschlossen; Benutzer im Killertal und in Ringingen können im Frühling und Sommer 2026 mit Höchstgeschwindigkeit auf die weltweite Datenautobahn einbiegen und den „Usern“ in Salmendingen, Melchingen, Stetten und Hörschwag steht das schnelle Internet Anfang/Mitte 2027 zur Verfügung – so hieß es beim Abschluss des Grundlagenvertrages zwischen der Stadt Burladingen und dem Telekommunikationsanbieter NetCom im Jahr 2022/23.
Dieses Ziel ist längst in die Ferne gerückt. Mitverantwortlich dafür war Pfusch am Bau. Subunternehmer wurden daraufhin – und auch auf nachhaltigen Druck der Stadt – wegen Bummelei und mangelhafter Leistungen gekündigt. Es kostete und kostet Zeit, Aufträge neu zu vergeben und neu zu koordinieren.
Tiefbauarbeiten mussten nachgebessert werden
Nicht zuletzt mussten erledigt geglaubte Tiefbauarbeiten nachgebessert werden. Dieser Prozess hält bis heute an. Neben anderen Stellen im Stadtgebiet ist davon vor allem Melchingen betroffen. Man muss ein zweites Mal „aufgraben“. Was die Anwohner erbost.
Das Ziel ist in die Ferne gerückt. Aber in welche? Das wollte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung von Martin Boos, Infrastrukturmanager der NetCom, erfahren. Wie geht es weiter, in welchem Tempo und mit welcher Verlässlichkeit?
Boos legte die bisherigen, bereits bekannten Schwierigkeiten nochmals dar. Er versicherte, der schleppende Ablauf sei genauso wenig im Interesse seines Unternehmens wie in dem der Burladinger Bürger. Wie er außerdem erläuterte, sind noch „Lücken“ im Backbone, also der Hauptleitung, zu schließen. Das falle aber nicht in die Zuständigkeit seines Unternehmens, sondern in die von Partnern. Immerhin: In mehreren Stadtteilen seien die Tiefbauarbeiten abgeschlossen, in allen anderen am Laufen. Seiner Zusage nach werde jetzt auf einen zügigen Fortgang gedrängt.
Zukunftsperspektive „zu positiv“
Skeptisch äußerte sich Michael Eisele, Fraktionssprecher der CDU: „Wir sind mit Euphorie in die Kooperation gestartet. Die Erwartungen waren klar, man wünschte sich einen schnellen, koordinierten und verlässlichen Ausbau. Leider muss ich feststellen, dass die Realität anders aussieht.“
Die von Boos dargelegte Zukunftsperspektive erscheine ihm zu positiv: „Sie wissen um die bestehenden Mängel, das nehme ich Ihnen ab. Aber ich habe den Eindruck, es wird nicht in der Weise umgesetzt, dass es besser läuft. In vergangenen Jahren wurden Versprechungen gemacht, aber nicht eingehalten!“ Der Fraktionssprecher monierte zudem chaotische Zustände auf den Baustellen an. Zuständigkeiten seien nicht klar erkennbar, es fehle offensichtlich an der Kontrolle seitens der NetCom und ihrer verantwortlichen Generalunternehmer. „Das kann nicht die ständige Aufgabe unseres Bauamtes sein.“
„Jämmerliche Zustände“
Ortsvorsteher Lamparth setzte für seinen Ortsteil nach: Die Trupps hätten die Baustellen in Melchingen „in einem jämmerlichen Zustand“ verlassen. „Ihr tut mir fast schon leid, was ihr alles nachbessern müsst.“
Die in Melchingen vorhandenen Mängel räumte Boos ein. Im gesamten Stadtgebiet seien es aber lediglich zehn Prozent aller Arbeiten, die man nochmals angehen müsste. Nur kurz angerissen wurde die Frage, ob die NetCom die bereits vor Jahren für die Breitbandverkabelung geschaffene Infrastruktur der Stadt übernimmt, darunter etwa Leerrohre.
Vereinbarung muss eingehalten werden
Die Haltung der Verwaltung dazu ist klar und wurde von Bürgermeister Davide Licht erneut bekräftigt. Die Vereinbarung muss – auch aus kommunalrechtlichen Gründen – eingehalten werden. „Wir dürfen nicht unter Wert verkaufen.“ Eisele fügte hinzu: „Für uns darf es nicht heißen, dass Straßen wieder aufgerissen werden. Wir haben seinerzeit nachhaltig geplant und gebaut, das wollen wir uns nicht wieder zerstören lassen.“
Dazu hatte wiederum Boos erklärt, die NetCom stehe zu ihren Zusagen. Er sagte jedoch auch, man werde eine „wirtschaftlich tragbare Lösung“ finden. Das empfand Eisele als eine Einschränkung. Eingehend erörtert wurde dieses Thema nicht. Die weiteren Verhandlungen laufen zwischen NetCom und der Stadt unter Einbeziehung des Gemeinderates.
Erwähnt wurde ebenfalls, dass die NetCom die Breitbandverkabelung kostenlos übernimmt, wofür man dankbar sei, weil sich die Stadt die etliche Millionen teure Investition andernfalls nur schwer oder gar nicht leisten könnte. Dennoch müssten Vereinbarungen gehalten werden.
Zeitplan und Stand der Tiefbaumaßnahmen
Fertiggestellt
Wie Martin Boos ausführte, sind in Gauselfingen und Starzeln derzeit 60 Prozent der für den Anschluss an das schnelle Internet notwendigen Tiefbaumaßnahmen fertiggestellt; in Killer und Stetten 50 Prozent; in Ringingen 30 Prozent; in Melchingen 70 Prozent; in Hausen, Hermannsdorf und auf der Küche annähernd 100 Prozent. In Salmendingen sei man nach dem kurz erfolgten Baustart bei 15 Prozent angelangt. Eben begonnen hat der Ausbau im Stadtteil Hörschwag. Wie angemerkt, muss jedoch teilweise und vor allem in Melchingen nachgebessert werden. In der Kernstadt sind die Tiefbaumaßnahmen im Gebiet West (Tiefental, Mettenberg, Kleineschle), laut Boos, „größtenteils“ erledigt. Im Gebiet Nordost (Ringinger Tal) ist der Start für 2027 vorgesehen. In Burladingen-Kern (darunter Hermannsdorfer Straße, Hauptstraße) sollen die Grabungen demnächst beginnen.
Inbetriebnahme
Ende 2026 sollen 457 Hausanschlüsse in Burladingen, Ringingen und Gauselfingen das schnelle Signal aus dem weltweiten Netz empfangen. Anfang des Jahres 2027 könnte sich die Zahl in der Gesamtstadt sprunghaft auf 2000 erhöhen. Abhängig ist das von der Anbindung an die Hauptleitung, die derzeit noch Lücken aufweist, sowie von der infrage stehenden Übernahme der von der Stadt geschaffenen Infrastruktur. Den Abschluss stellte Boos für das Jahr 2028 in Aussicht.