Seit 2019 soll aus dem ehemaligen Hotel Valsana in Bad Wildbad ein Familienhotel werden. Aber noch immer fehlt ein gültiger Bebauungsplan. Und das könnte auch noch dauern.
Bereits seit einigen Jahren steht das ehemalige Hotel Valsana am Bad Wildbader Kurpark leer. 2019 kaufte der Immobilien-Unternehmer Volker Gairing das Hotel mit dem Ziel, das Gebäude zu sanieren und als Vier-Sterne-Familienhotel unter neuem Namen wiederzueröffnen.
Passiert ist seither wenig bis nichts. Wer an dem Gebäudekomplex vorbeifährt sieht, dass sich seit Jahren nichts verändert hat und das Gebäude weiter vor sich hin gammelt.
Familienhotel wichtig für die Stadt
Bei einer kürzlichen Gemeinderatssitzungen waren auch Vertreter der Hotellerie anwesend und vor der Sitzung erwähnte Wolfgang Richter, Ansprechpartner des Dehoga-Stadtverbands Bad Wildbad, wie wichtig ein Familienhotel für die Stadt wäre.
Im Gespräch mit unserer Redaktion bekräftigte Richter diesen Wunsch noch einmal. „Die geplanten Betten können wir in diesem Segment gut gebrauchen“, sagte er. Auch ein Apartmenthaus, etwa auf dem Gelände des e hemaligen Sanatoriums am Försterberg, mit familiengerechten Ferienwohnungen könne er sich gut vorstellen.
„Wir können die Betten sehr gut gebrauchen“, bekräftigt Richter. Denn Bad Wildbad benötige 100 000 Übernachtungen mehr. Die geplanten 200 Betten in 50 Zimmern im ehemaligen Valsana „könnten 30 000 Übernachtungen bringen“. Pro Jahr.
Richter wundert sich, „dass das Verfahren schon ins sechste Jahr geht“. Das Gelände sei eigentlich ein „34er-Außenbereich“, wie Richter es nennt. Ein Gebiet also, für das es keinen Bebauungsplan gibt und in dem ein Vorhaben zulässig ist, „wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist. Die Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse müssen gewahrt bleiben; das Ortsbild darf nicht beeinträchtigt werden“, heißt es dazu im entsprechenden Paragraf 34 des Baugesetzbuchs.
Baumwipfelpfad ohne Bebauungsplan realisiert
Richter nennt weitere Beispiele für einen solchen Bereich: Auch der Baumwipfelpfad und die Wohnanlage „The Hill“ auf dem ehemaligen Wernerheim-Areal seien „ohne Bebauungsplan“ realisiert worden. Einen solchen will die Stadt aber für das Gebiet Südlicher Kurpark aufstellen, bevor hier gebaut werden kann.
Auf Anfrage teilt Bürgermeister Marco Gauger mit: „Wir können Ihnen soweit Auskunft geben, als dass das angestrengte B-Planverfahren an den zuständigen Stellen in Bearbeitung ist und wir die diversen notwendigen Stellungnahmen in nächster Bälde erwarten.“ Eine genaue Zeitschiene könne er „leider nicht nennen, wir sind an dieser Stelle von verschiedenen Faktoren abhängig“. Nach wie vor versuche man, „diese städtebauliche Entwicklung zu unterstützen. Die entsprechenden Verfahren erfordern Bemühungen bei allen Beteiligten.“
Fledermäuse wie bei der Hesse-Bahn?
Bereits im Januar hatte Gauger erwähnt, dass „ein erheblicher arten- und naturschutzrechtlicher Umfang“ vorliege. Dazu hat Richter seine eigene Meinung: „Man sieht bei der Hesse-Bahn, wohin das führt“ und nennt die 80 Millionen Euro, die dort für den Artenschutz ausgegeben werden.
Um Fledermäuse dreht es sich dem Vernehmen nach im Übrigen auch beim Valsana, genauer gesagt, um das Braune Langohr. Nach Informationen unserer Redaktion muss jetzt noch artenschutzrechtlich geklärt werden, ob es Fledermäuse im oder am Hotel gibt.
Hilft der „Bau-Turbo“ auch Bad Wildbad?
Richter indes hofft auf den „Bau-Turbo“, der am 9. Oktober vom Bundestag beschlossen wurde und Bauvorhaben beschleunigen soll.
„Jetzt kommt es auf die Stadträte, Baudezernentinnen und kommunalen Verantwortungsträger an. Sie können den Bau-Turbo anwenden und bauen, dort wo es geht. Sie können nachverdichten, aufstocken, erweitern und umnutzen. Es ist ein Stück pragmatischer Fortschritt, den sich viele für unser Land wünschen“, sagt dazu Bundesbauministerin Verena Hubertz.
Ob das dem Valsana hilft? Vorerst wohl nicht. Wie Richter erzählt, habe der Investor eine Teilfreigabe für Renovierung, Modernisierung und etwas Anbau beantragt, um den vorhandenen Bestand zu richten und so schon arbeiten zu können, bevor die Baugenehmigung für den nötigen Anbau da ist. Die sei aber abgelehnt worden. „Das ist für uns ein unbefriedigender Zustand“, findet Richter.
Appell an Landratsamt, RP und Stadt
Er appelliert deshalb: „Bitte Landratsamt, Regierungspräsidium, Stadt – hockt euch zusammen, dass er wenigstens die Teilfreigabe bekommt, eher gleich den roten Punkt.“ Er erinnert daran, wie schnell das bei einem anderen großen Hotelprojekt im Kreis Calw gegangen sei: dem Anbau an Berlins KroneLamm in Bad Teinach-Zavelstein. Man müsse „schauen, dass es zu einem Loch hinaus geht“, so Richter abschließend.
Ein weiterer Knackpunkt könnte sein, dass das Valsana nicht das einzige große Bauvorhaben im Bebauungsplangebiet Südlicher Kurpark ist. Das Berufsförderungswerk plant auf dem Gelände des ehemaligen Windhofs einen Neubau der Heinrich-Sommer-Klinik. Am jetzigen Standort reichen die 53 Betten nicht mehr aus und für eine Ausweitung fehlt der Platz. Deshalb soll am Südende des Kurparks ein Neubau errichtet werden. Eigentlich.
Denn ob der Klinik-Neubau wirklich kommt, scheint derweil offener denn je. BFW-Geschäftsführer Wolfgang Dings sagte im September, dass das Projekt derzeit in der „letzen, finalen Entscheidungsphase“ sei. Wie Dings erläutert gehen Vorstand und Aufsichtsrat nun in die „finale Beschlussfassung“.
„Das Vorhaben in Sachlage und Notwendigkeit ist klar“, so Dings, aber die „letztgültige Betrachtung“ liege bei den verantwortlichen Gremien.