Miriam von Hopffgarten aus Binzen hat direkt nach dem Abitur den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Sie will jungen Leuten Mut zum Traumberuf machen.
Liebe und Leidenschaft werden im Marketing oft bemüht, um Kunden klar zu machen, warum sie sich genau für dieses oder jenes entscheiden sollten. Bei Miriam von Hopffgarten ist dies allerdings keine leere Phrase, was im Gespräch mit ihr deutlich wird. Die heute 28-Jährige lebt und atmet das Kochen und Backen. Die Ideen sprudeln im Sekundentakt aus ihr heraus, was sie in ihrem Catering-Betrieb „Chez Mimi“ noch anbieten könnte.
Inspiration holt sie sich praktisch überall, ob im Urlaub, im Netz, auf dem Wochenmarkt oder beim Restaurantbesuch. „Doch ich gehe nicht oft essen, weil ich es am liebsten selbst mache.“ Auch in ihrer Freizeit, wie beim Besuch von Freunden, bringt sie das Essen am liebsten selbst mit. Dass sie bei ihrer Hochzeit mit Arne von Hopffgarten im Vorjahr die Torte selbst gemacht und dafür gesorgt hat, dass ein Mitarbeiter den Apéro mit Essen organisiert, versteht sich da fast von selbst.
Die Initialzündung gleich nach dem Abitur im Jahr 2017 den eigenen Cateringbetrieb „Chez Mimi“ zu gründen, hat ihr Vater gegeben. Er hatte sie nach dem Schulabschluss gefragt, ob sie die Verpflegung für eine Veranstaltung in seiner Firma liefern wolle. Dadurch habe sie das Unternehmen angemeldet, weil das für jeden Euro, den man damit verdient, gemacht werden müsse.
Danach konnte sie das erste Kapitel der Firmengeschichte schreiben und hat neben dem Aufbau des Unternehmens noch ein Fernstudium in Betriebswirtschaftslehre absolviert. Ausgerechnet in der Corona-Pandemie nahm der Betrieb dann Fahrt auf, obwohl es ihr Angst gemacht habe, „dass plötzlich alles anders war“. Veranstaltungen fielen wegen der Lockdowns und Kontaktbeschränkungen seit März 2020 weg und damit auch die Aufträge. Der Krise war sie mit Kreativität begegnet und hatte Brunch-Boxen zusammengestellt, die sogar in Freiburg gefragt gewesen seien.
Bis heute hat sie diese zu besonderen Anlässen im Sortiment, wie zum Muttertag. „Damit konnte ich dann auf Vollgas gehen“. Seit Corona habe sie auch ihre Präsenz im Internet und auf Social Media weiterentwickelt – einen Job den sie bis heute selbst übernimmt. Die Einkünfte aus ihrer rettenden Idee konnte sie in den Ausbau ihrer Küche in den Geschäftsräumen in Binzen investieren. „Ich bin eine Macherin, es findet sich immer ein Weg“, meint sie.
Schon als Kind habe sie das Kochen und Backen fasziniert. Vor allem während ihrer achtjährigen Gymnasialzeit (G 8) war ihr diese frühe Faszination ein wichtiger Begleiter. Sie sei perfektionistisch veranlagt und stand deshalb beim Lernen aufs Abitur sehr unter Druck. „Das Kochen und Backen hat mich beruhigt und in eine andere Welt katapultiert.“
Großes Fragezeichen nach dem Schulabschluss
Nach dem Schulabschluss stand sie zunächst vor einem großen Fragezeichen, weil sie sich bei ihren vielen Möglichkeiten nicht für eine entscheiden konnte. „Ich war schon immer vielseitig begabt und interessiert. Ich hatte an vielem Spaß, eine eindeutige Richtung hatte sich nicht abgezeichnet.“ Abgesehen vom Kochen und Backen – ihren Lebensbegleitern.
Zudem liebe sie es zu organisieren und zu planen, mit ihrer Cateringfirma habe sie nun beides: zu etwa 40 Prozent steht sie in der Küche und kreiert immer neue, teils individuelle Speisen, der Rest sei Organisation und Planung.
Das Streben nach Perfektionismus ist ihr offenbar auch nach dem Schulabschluss geblieben und zeigt sich in ihren Kreationen, wie Buchweizenblinis oder Blätterteigschnecken mit Lachs, Miniburger Pulled-Jackfruit oder marinierte Currycashews im Becher. Für Veganer hält sie übrigens Karottenlachs bereit, der optisch nicht vom echten Fisch zu unterscheiden ist. Auch selbst isst sie vegetarisch oder vegan und legt Wert auf gesunde Ernährung aus regionalen Produkten.
Insgesamt will sie mit ihrer Geschichte jungen Menschen Mut machen, etwas zu wagen und sich die beruflichen Träume zu erfüllen. Miriam von Hopffgarten hat mit ihrer Cateringfirma nun alles, was sie für ihr Berufsleben wollte: Abwechslung, Vielfalt und Freiheit: „Ich habe so viel Energie, wenn ich weiß, dass ich selbst entscheiden kann.“ Bequem oder entspannt sei ihr Alltag nicht, deshalb brauche es eher Leidenschaft und Liebe als den Wunsch nach einer ausgeglichenen Work-Life-Balance. „Ich wollte nie den Weg des geringsten Widerstands gehen, für mich darf es ruhig ein bisschen schwieriger sein“, sagt die junge Frau.
Familie steht hinter ihr
Bei ihrem Sprung ins kalte Wasser direkt nach dem Abitur, wusste sie ihre Familie hinter sich. „Ohne diese Unterstützung wäre das nicht möglich gewesen, denn bei einer Unternehmensgründung braucht man keine Zweifler.“
Der Schwiegerfamilie gehören zudem die Räume in Binzen, wo sie als Mieterin ihre Catering-Küche einrichten konnte. Und noch etwas bezeichnet sie als „Riesenglück“: Ihr Ehemann Arne sei handwerklich talentiert und könne vieles selbst machen. So habe er beim Einbau der Küche den Boden verlegt und die speziellen Waschbecken angebracht. Und auch wenn etwas kaputt geht, braucht die Jungunternehmerin nicht gleich einen Fachmann sondern kann sich an ihren Ehemann wenden.