Stephan Grether, der designierte Chef der künftigen Sparkasse Dreiländereck, in seinem Büro in Weil am Rhein Foto: Siegfried Feuchter

Auf einen Kaffee mit Stephan Grether. Der designierte Vorstandsvorsitzende der neuen Sparkasse Dreiländereck ist trotz seiner Bilderbuchkarriere bodenständig geblieben.

„Es ist eine spannende Zeit“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Markgräflerland, der von seinem Büro im Dienstleistungszentrum auf den Weiler Messeplatz blickt.

 

Allerdings nicht mehr allzu lange. Denn vom 1. Januar 2027 an, wenn die beschlossene Fusion der beiden Sparkassen Markgräflerland und Lörrach-Rheinfelden zur Sparkasse Dreiländereck juristisch vollzogen ist, hat er dann als Vorstandschef der neuen Bank seinen Sitz in Lörrach.

Dabei muss das Eigengewächs der Sparkasse, das auf eine Bankkarriere wie aus dem Lehrbuch zurückblicken kann und vom Banklehrling zum Vorstandschef aufstieg, zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen zusammenführen.

In Lörrach geboren

Die Lerchenstadt ist Stephan Grether nicht fremd. Im Gegenteil. „Ich habe eine starke Verbundenheit und Sympathie zu Lörrach“, sagt der mit seiner Frau und den beiden Kindern in Auggen wohnende Banker. Denn in Lörrach ist er nicht nur geboren, hier ging er auch in den Oberlin-Kindergarten und besuchte die Grundschule in Tumringen.

Und in der Kreisstadt wohnten auch seine Großeltern, und hier betrieb sein Vater einen großen Getränkemarkt an der Wiesentalstraße, den dieser auch noch führte, als er mit Frau und Kindern nach Auggen zog.

Eine große Leidenschaft für Zahlen

Dass Stephan Grether, als er vor der Berufswahl stand, schließlich Banker wurde, daran hat seine spätere Frau Ulrike entscheidenden Anteil. Sie absolvierte damals bei der Volksbank eine Banklehre und ermunterte ihn dazu, ebenfalls diesen Beruf zu ergreifen. Er sollte es nicht bereuen.

Die folgende Ausbildung bei der Sparkasse Markgräflerland verstärkte Stephan Grethers Interesse an Zahlen und seiner abwechslungsreichen Tätigkeit. „Es gibt keinen vielseitigeren und interessanteren Beruf“, sagt Stephan Grether heute.

Er, der Kommunikative und Gesellige, der „eine Leidenschaft für Menschen“ hat, wie er es ausdrückt, und der immer nah an den Kunden sein will, kniete sich rein – aus Spaß und Freude an seiner Arbeit und aus seiner Passion für Zahlen, Finanzen und Buchhaltung.

„Eine Karriere hatte ich nicht geplant“, sagt der 43-Jährige rückblickend, der seit fast zwei Jahren als Nachfolger von Ulrich Feuerstein Vorstandsvorsitzender ist, und fügt hinzu: „Das hat sich so ergeben“. Gleichwohl: Ambitioniert und engagiert war und ist Stephan Grether – mit steter Lernbereitschaft und hoher Fachkompetenz.

Von der Pike auf erlernte er den Beruf des Bankers – von der Schaltertätigkeit über die Firmenkundenberatung, Personalchef, Leiter der Gesamtsteuerung bis hin zum heutigen Vorstandschef führte ihn sein Weg.

Studium in Freiburg und Bonn

Jeder Herausforderung stellte er sich. Flankiert wurde seine Weiterentwicklung und Fortbildung durch zwei Studien, zum einen ein Studium in Freiburg, zum anderen ein Betriebswirtschaftsstudium an der Sparkassenhochschule in Bonn. Diese Verbindung von Praxis und Theorie schätzt er bis heute, auch wenn es eine anstrengende Zeit war, Studium und gleichzeitige Tätigkeit in der Bank miteinander zu verbinden.

Doch es gehörte schon immer zu seinen Charaktereigenschaften, nicht nur an andere, sondern vor allem an sich selbst Ansprüche und Leistungsbereitschaft zu stellen und zu verlangen. „Wenn ich etwas mache, dann will ich es richtig machen“, lautet sein Credo. So beschreibt der Bankchef auch seinen Führungsstil: „menschliche, vertrauensvolle und leistungsorientierte Zusammenarbeit.“ Und: Nur durch gute Teamarbeit und kundenorientierte Arbeitsweise könne man erfolgreich sein.

Eine Fusion ohne Handlungsdruck

Wenn Stephan Grether auf seine Karriere blickt, dann nennt er zwei Namen, die seinen Werdegang gefördert haben: seine beiden Vorgänger Georg Belle, der es ebenfalls vom Lehrling bis zum Vorstandsvorsitzenden geschafft hat, was ihn beeindruckt und inspiriert hat, sowie sein direkter Vorgänger Ulrich Feuerstein, den er als wichtigen und starken Mentor bezeichnet. Mit beiden Ruheständlern pflegt er gute Kontakte, man trifft sich immer wieder mal zum zwanglosen Gedankenaustausch.

Dass die künftige neue Sparkasse Dreiländereck mit einer Bilanzsumme von dann mehr als sieben Milliarden Euro zum „Platzhirsch in der Region“ wird, daran haben Stephan Grether und sein Lörracher Kollege Rainer Liebenow einen großen Anteil.

Der Weiler und Lörracher Sparkassenchef haben nämlich die Fusion der beiden Institute eingefädelt – nicht weil sie wirtschaftlich gezwungen waren, sondern weil sie es ohne jeglichen Handlungsdruck und aus der jeweiligen Stärke heraus zur Zukunftssicherung so wollten.

Und bei den verantwortlichen Gremien mit den Verwaltungsratsvorsitzenden Oberbürgermeisterin Diana Stöcker auf Weiler Seite und Oberbürgermeister Jörg Lutz auf der Lörracher Seite erhielten sie volle Rückendeckung, was sich schließlich in einstimmigen Voten beider Häuser ausdrückte.

Ein Familien- und Naturmensch

Ein solcher Entscheidungsprozess erfordert natürlich auf beiden Seiten auch Kompromissbereitschaft. Hier lobt Stephan Grether in erster Linie seinen Lörracher Kollegen Rainer Liebenow, der zum Jahresende in den Ruhestand wechselt und mit dem er bislang sehr vertrauensvoll und zielgerichtet die Fusionsgespräche geführt hat.

Eines stellt der künftige Vorstandschef der neuen Sparkasse klar: „Fusionsbedingte Kündigungen wird es nicht geben, die Arbeitsplätze sind sicher.“

Wie bodenständig Stephan Grether ist, lässt sich auch daran ablesen, dass der Familien- und Naturmensch seinen jüngsten Kurzurlaub, dazu genutzt hat, um einige Ster Holz für den Kaminofen selbst zu machen.

Das ist sein Ausgleich zum fordernden Berufsalltag, bei dem ein Zwölf-Stundentag keine Seltenheit ist. Doch trotz stark forderndem Beruf steht die Familie für den leidenschaftlichen Hobbykoch und Jäger stets an oberster Stelle. Und bislang hat es der Vater von zwei Kindern dank der starken Unterstützung durch seine Frau immer geschafft, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.