Seit Frühjahr 2025 läuft die Produktion von Batteriegehäusen am neuen Boysen Standort in Nagold. Foto: Boysen/Kern

Der neue Boysen-CEO Till Scharf stellt die Bilanzzahlen des Stiftungsunternehmens vor: Der Umsatz im Jahr 2025 liegt bei 2,4 Milliarden Euro und soll 2026 wieder steigen.

Im Geschäftsjahr 2025 hat die Boysen Gruppe mit 5100 Mitarbeitern an weltweit 30 Standorten einen Umsatz in Höhe von 2,4 Milliarden Euro erzielt. Das teilt das Unternehmen mit.

 

Vorgestellt wurden die Bilanzzahlen des in Altensteig ansässigen Stiftungsunternehmens erstmals von Till Scharf, der seit Mitte 2025 als CEO und Sprecher der Geschäftsführung verantwortlich zeichnet: „Trotz der negativen Folgen von Zoll- und Wechselkurseffekten sowie den Dynamiken innerhalb der deutschen Automobilindustrie, die auch bei uns teils zu sinkenden Abrufzahlen geführt haben, haben wir unser geplantes Ergebnis erreicht und im vergangenen Jahr die Weichen für neues Wachstum gestellt.“

So sei der Umsatzrückgang von rund neun Prozent gegenüber dem Vorjahr 2024 (2,64 Milliarden Euro) bereits in den Planungen für 2025 einkalkuliert gewesen, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens weiter. Rolf Geisel, der das Unternehmen über vier Jahrzehnte als Geschäftsführer prägte und Mitte 2025 den Vorsitz des Aufsichtsrats der Boysen Gruppe übernahm, hatte diese Entwicklung bereits vor einem Jahr skizziert: „2025 wird für uns noch mal ein Aufbau- und Investitionsjahr bei leicht sinkendem Umsatz“, so Geisel damals.

Transformation läuft

Der Fokus lag neben dem Kerngeschäft Abgastechnik bewusst auf der Transformation hin zu neuen Produktgruppen wie Batteriegehäusen sowie dem massiven Ausbau der Fertigungskapazitäten. Alleine in den vergangenen drei Jahren habe die Boysen-Gruppe laut Scharf insgesamt fast eine halbe Milliarde Euro in ihre Zukunft investiert: „Mehr als jemals zuvor.“

Weite Teile dieser Rekordinvestitionen begründen sich im Aufbau des Neugeschäfts mit Batteriegehäusen für E-Fahrzeuge. Die dafür erforderlichen neuen Produktionswerke in Nagold (Nordschwarzwald) und Nyíregyháza (Ungarn) haben im Frühjahr 2025 planmäßig den Betrieb für die Kunden Mercedes-AMG und BMW aufgenommen, ist weiter zu lesen.

Massive Wiederbelebung bei Abgastechnik

Derweil erlebe die Abgastechnik eine massive Wiederbelebung, wie auch der Auftritt der Unternehmensgruppe auf der Internationalen Automobilausstellung 2025 in München gezeigt habe. „Nachdem viele Fahrzeughersteller ihre Strategie ‚electric only‘ zwischenzeitlich gekippt haben, ist die Abgastechnik auch mit Blick auf neue Entwicklungsaufträge wieder stark gefragt“, so Scharf, der ergänzt: „Das Jahr 2025 hat gezeigt, dass die Strategie, unser Kerngeschäft konsequent weiterzuverfolgen und auszubauen, um damit die Mittel für neue Geschäftsfelder zu schaffen, die richtige ist. Damit profitieren wir aktuell von der Flexibilität, unsere Kunden sowohl mit Verbrenner- als auch mit Elektro-Technologien auf höchstem Niveau bedienen zu können. Diesen Weg, den Rolf Geisel vorgegeben hat, werden wir konsequent weitergehen.“ Damit verbunden sei 2026 auch ein Ausbau der Belegschaft auf rund 5300 Mitarbeiter.

Beteiligung für Mitarbeiter

Besonders erfreulich für Scharf ist, „dass wir uns auf dieser starken Basis in der Lage sehen, trotz des allgemeinen Krisenmodus in der Branche erneut ein deutliches Zeichen der Wertschätzung gegenüber unserer Belegschaft zu setzen, indem unsere Mitarbeiter für das Jahr 2025 erneut eine Ergebnisbeteiligung erhalten. Im Vergleich zu vielen Marktbegleitern, die aktuell massive Restrukturierungen und Kürzungen vornehmen müssen, bleibt dies ein wichtiges und wesentliches Merkmal der Boysen Unternehmenskultur.“

Allerdings hält Scharf auch deutlich fest, „dass wir diese starke Basis nur dank der herausragenden Ergebnisse unserer Produktionswerke in China und in den USA erhalten und damit unsere Arbeitsplätze an den deutschen Standorten überhaupt erst sichern können“. Der tiefgreifende Politikwechsel, den sich Geisel vor einem Jahr an gleicher Stelle erhofft habe, lasse weiter auf sich warten, „was die Zukunftsfähigkeit der einstigen Exportnation Deutschland massiv gefährdet“.

Bürokratie abbauen

Einen generellen Bürokratieabbau fordern Scharf und Geisel auch mit Blick auf das von Boysen geplante Energiegroßprojekt in Simmersfeld. „Neben unserer Beteiligung an der Umsetzung eines der größten Windparks in Baden-Württemberg kämpfen wir unverändert auch für die Realisierung eines Wasserstoffzentrums. Zusammengenommen wäre der Windpark mit einer Jahresleistung von über 600 Millionen Kilowattstunden grünem Strom in der Lage, die ganze Region mit komplett klima-neutraler Energie zu versorgen. Doch dafür brauchen wir weniger Regularien und vor allem ein neues Netz, das in der Lage ist, diesen Strom auch abzuleiten“, so Geisel.

Für das Geschäftsjahr 2026 rechnen Geschäftsführung und Aufsichtsrat der Boysen Gruppe wieder mit einem deutlichen Umsatzplus. Dies begründet sich einerseits in den stetig steigenden Stückzahlen im Hochlauf der Batteriegehäuse-Fertigung und andererseits im Gewinn weiterer Abgastechnik-Großaufträge. Heraus ragt dabei der Auftrag zur Fertigung von Hotends für drei Modellreihen von Mercedes-Benz, der im vergangenen Oktober an weltweit fünf Boysen-Produktionswerken angelaufen ist.

Hoffnungen ruhen auch auf Batteriespeichern

Daneben ruhen die Hoffnungen für 2026 auf dem erfolgreichen Markteinstieg mit den Flow-Batterien der Dortmunder Unternehmenstochter Volterion. Nach erfolgreicher Industrialisierung können die stationären Energiespeicher künftig in Großserie hergestellt und für größere Leistungen in Einheiten zusammengeschaltet werden: „Damit bietet Volterion echte Zukunftslösungen für die Energiespeicherung im Megawattbereich, beispielsweise erforderlich in Rechenzentren.“

Der grundsätzlich positive Ausblick für das angelaufene Geschäftsjahr stehe jedoch unter dem Vorbehalt der weiteren weltpolitischen Entwicklungen, insbesondere mit Blick auf die Zollpolitik der USA, auf die weitere Marktentwicklung in China sowie „auf den hoffentlich bald endenden Krieg in der Ukraine“, heißt es abschließend.