Besonderes Holz, eine neue Dämmung und Wände: Für einen besseren Schallschutz hat der Europa-Park die Achterbahn Wodan runderneuert. Damit wurde nun eine Reduzierung von 4,4 Dezibel für das Dorf Rust erreicht, so der Park.
Was Volker Klaiber, der für die Technik und den Tagesbetrieb im Park verantwortlich ist, über die Schallschutzmaßnahmen an der Wodan erzählte, beeindruckten die Mitglieder des Ruster Bauausschusses sichtlich: Man habe während der Saisonpause des Europa-Parks von Januar bis März d den kompletten Schienenstrang der Wodan erneuert. Sie sei damit im Dorf nun erheblich leiser wahrzunehmen. Dadurch sei die Holzachterbahn insgesamt um 5,8 Dezibel leiser geworden. Insgesamt habe die Familie Mack nun zwei Millionen Euro in den Lärmschutz der Wodan investiert.
Warum wurde der Schallschutz verbessert?
Die Holzachterbahn Wodan ist die Attraktion, die im Ort Rust am deutlichsten zu hören ist – sehr zum Ärger vieler Dorfbewohner. Regenwasser und UV-Strahlen haben dem Holz der 2012 eröffneten Achterbahn zugesetzt und für Lauf-Unruhen gesorgt. Der Druck der drei Züge der Achterbahn, die zusammen täglich rund 10 000 Personen transportieren, hatte ebenfalls für Abnutzungen gesorgt. Im April 2022 versprach Klaiber den Bürgern: „Es wird um jedes technisch machbare Dezibel gekämpft.“
Wie viel leiser ist die Wodan?
Im November 2018 wurden bereits erste Schallschutzmaßnahmen ergriffen, die die Achterbahn um 1,4 Dezibel in Richtung Dorf leiser gemacht haben. Nun habe man während der Saisonpause weitere Maßnahmen ergriffen, wodurch man die Geräusche in Richtung Dorf nochmals um 4,4 Dezibel senken konnte, berichtet Klaiber. Insgesamt sei der Lärm der Wodan also um 5,8 Dezibel reduziert worden. Eine Reduzierung um zehn Dezibel empfindet der Mensch als eine Halbierung der Lautstärke.
Mit welchen Maßnahmen hat der Europa-Park die Wodan leiser gemacht?
Zum einen wurden die Bandagen – die Räder des Zugs – gewechselt. Des Weiteren, laut Klaiber der Hauptakt, der komplette ein Kilometer lange Schienenstrang in der Achterbahn in vier Etappen erneuert (sogenanntes „Re-Tracking“). Die Hochgeschwindigkeitspassagen wurden sogar mit der tropischen und sehr teuren Holzart Ipe – nach internationalen Kriterien zertifiziert – modifiziert. Das Holz sei so hart und schwer, dass es mit einer Dichte von 1,2 sogar im Wasser untergehe. Dadurch werde eine Standzeit von 20 Jahren garantiert – und somit 20 Jahre Ruhe, hofft Klaiber. „Dadurch erzielten wir eine deutliche Geräuschminderung“, so Klaiber. Darüber hinaus habe man Lärmschutzwalle in mehreren Etappen errichtet.
Wie ging man beim Lärmschutz vor?
„Wir sind an den Lärmschutz von Grund auf sehr wissenschaftlich herangegangen und haben für diesen auch eine externe, belgische Spezialfirma beauftragt“, betont Klaiber. Dabei sei es dem Europa-Park aber auch nicht nur um eine Reduzierung des Lärmschutzes im Allgemeinen, sondern besonders um den im Dorf gegangen.
Wie wurde besonders das Dorf vor Lärm geschützt?
„Mithilfe von Messungen haben wir die für das Dorf relevante Achse ausgekundschaftet“, betont Klaiber. Diese gehe von der Wodan über den „portugiesischen See“ mit dem Boot St. Marian aus. In einer zweiten Etappe habe man das Rondell beim Kettenlift – die halbrunde Fahrfigur, bevor der Zug in die Tiefe stürzt – mit einer Lärmschutzwand ausgekleidet. Dann habe man noch eine Schippe draufgelegt und mit einem speziell schallabsorbierenden Hartschaumkunststoff die Holzwände vollmassiv von innen ausgekleidet. Damit sollte erreicht werden, dass keinerlei Hohlkörper verbleiben, welche die Resonanz der Rollgeräusche verstärken könnten. Dadurch habe man in der Achse, die für das Dorf relevant ist, „eine ganz entscheidende Verbesserung“ erzielen können.
Soll der Lärm noch weiter reduziert werden ?
Ja, aufgrund „des großen Erfolges dieser Maßnahme“ sei Klaiber mit der Geschäftsführung so verblieben, dass man die Geräuschreduzierung fortsetzen wolle – auch an Stellen, wo sie nicht so relevant oder bedeutsam für die Ortschaft Rust seien. So wolle man noch weitere Streckenpassagen mit Lärmschutzwällen und Hartschaum-Akustikdämmung ausstatten. Das würde in der Gesamtemissionssumme spürbar sein.
Ist die Lärmreduzierung wahrnehmbar?
Klaiber berichtet, er sei bereits bei der ersten Testfahrt von der Lärmreduzierung beeindruckt gewesen. Über Ostern sei er mehrfach von Gästen darauf angesprochen worden, dass die Wodan nun „deutlich leiser geworden“ sei. Bauausschuss-Mitglied Karl-Heinz Debacher bestätigte, ebenfalls: „ Auf meiner Terrasse habe ich zu 90 Prozent Südwestwind, die Wodan ist am deutlichsten zu hören. Die Wissenschaft ist mir egal, aber was für mich zählt: Ich auf meiner Terrasse habe nun das Gefühl, dass es leiser ist.“
Wie war die Resonanz im Bauausschuss?
„Die zwei Millionen Euro sind beeindruckend, aber gut investiert. Die Wodan war immer großes Thema gewesen, wenn es um Akzeptanz von Bahnen geht. Die Familie Mack hat nun eindrucksvoll deutlich gemacht, dass sie da, wo etwas nicht funktioniert, nachbessert und die Dinge im Nachhinein noch einmal auf den Prüfstand stellt.“ Das sei auch für die zukünftige Zusammenarbeit hilfreich. Auch die anderen Bauausschuss-Mitglieder bedankten sich für die Lärmreduzierung. Dass sei der Vorteil, wenn man ein Familienunternehmen als Partner habe – und nicht einen Aktienkonzern wie Disney, erklärte Michael Thoma, Justiziar des Europa-Parks. Bereits bei der Silver Star habe man eine Million Euro in den zusätzlichen Lärmschutz investiert.
Zahlen zur Sanierung
Insgesamt wurden 1000 Meter Achterbahn-Strecke saniert. Da die Strecke der Wodan aus insgesamt acht Lagen Holz bestehe, habe man in den Hochgeschwindigkeitslagen sechs Lagen Kiefer plus zwei Lagen Ipe neu verbaut. Insgesamt wurden 16 Kilometer der Kiefernart Pinie und mehr als drei Kilometer Ipe für die Lärmreduzierung verwendet, gab Volker Klaiber im Bauausschuss Auskunft. Dazu kamen 260 Quadratmeter Schallschutzmatten und 500 Quadratmeter Lärmschutzwand.