Ein Verein, der den rechtsextremen Grauen Wölfen nahestehen soll, hat im Februar die Turn- und Festhalle in Freudenstadt für eine Veranstaltung gemietet. Wie konnte das passieren?
Offenbar hat die Stadt Freudenstadt eine Turnhalle an türkische Rechtsextremisten vermietet. Das legen Recherchen der ARD nahe, die nun im Rahmen einer Dokumentation veröffentlicht wurden.
Laut den Recherchen der ARD fand im Februar 2025 in der Turn- und Festhalle nahe dem Freudenstädter Landratsamt ein türkischer Kulturabend statt. Es habe landestypisches Essen und türkische Musik gegeben, heißt es in dem Bericht. Die Veranstaltung habe sich vor allem an Frauen gerichtet.
In der Dokumentation sind Videoaufnahmen zu sehen, die die Feier zeigen: Vor der Bühne in der Halle stehen mehrere Tischreihen. An den Tischen sitzen offenbar überwiegend Frauen – manche mit, manche ohne Kopftuch.
Eindeutige Symbolik
Auf der Bühne steht eine Frau hinter einem Mischpult. Daneben sind mehrere Fahnen aufgebaut. Neben der deutschen und der türkischen Nationalflagge hängen dort auch zwei Banner, die eine stilisierte rote Moschee vor blauem Hintergrund zeigen, darauf in weiß der türkische Halbmond.
Es ist das offizielle Logo der Türk Federasyon. Der Verein gilt als deutscher Arm der rechtsextremistischen türkischen Partei Milliyetçi Hareket Partisi (MHP). Der Verein und die Partei gelten als Sammelbecken der sogenannten Grauen Wölfe, einer extremistisch-nationalistischen Bewegung, die unter anderem immer wieder gegen Kurden, Juden und Aleviten hetzt und auch vor tödlicher Gewalt nicht zurückschreckt.
Gebäude gehört der Stadt
Wie kann es also sein, dass eine Veranstaltung der Türk Federasyon in der Turn- und Festhalle stattfinden konnte? Schließlich gehört das Gebäude der Stadt. Laut den ARD-Recherchen wurde die Turnhalle nicht direkt von der Türk Federasyon angemietet, sondern vom Türkisch Deutschen Freundschaftsverein Freudenstadt. Dieser ist laut ARD aber Teil der Türk Federasyon und werde vom Verfassungsschutz beobachtet. Auf Anfrage unserer Redaktion teilt die Stadt dazu per E-Mail mit: „Es hat zwar eine Vermietung an einen örtlichen Kultur- und Freundschaftsverein stattgefunden. Jedoch gab es keine Hinweise in Bezug auf extremistische Motive.“
Weiter erklärt die Stadt: „Wir werden die erhobenen Vorwürfe sehr genau prüfen. Die Stadtverwaltung wird in diesem Zuge auf die zuständigen Behörden zugehen und den Verein befragen.“
Konsequenzen möglich
Der Vorfall könnte durchaus Konsequenzen haben. „Sobald wir mehr Erkenntnisse vorliegen haben, werden wir selbstverständlich angemessen reagieren. Dies kann bedeuten, dass wir bei der Vermietung von städtischen Räumlichkeiten interne Prozesse verändern müssen“, so die Stadt.
Der Türkisch-Deutsche Freundschaftsverein Freudenstadt war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.