Wurde nur 42 Jahre alt: Silvio Dornauf Foto: S. Schneider

Silvio Dornauf kam bei einem Lawinenunglück ums Leben. Der dreifache Vater war Lehrer, Rettungsassistent und ein kreativer Kopf. Er steckte hinter den Schliengener Katzen-Graffitis.

Bei einem Lawinenunglück in den Bergen wurde Silvio Dornauf mit nur 42 Jahren plötzlich aus dem Leben gerissen. Er starb am 18. Februar im österreichischen Vorarlberg.

 

Eine Lawine erfasste ihn beim Snowboardfahren im Skigebiet Sonnenkopf. Sein 15-jähriger Sohn, der hinter ihm fuhr und den die Lawine glücklicherweise nicht traf, musste alles mit ansehen. Er wählte sofort den Notruf. Als Helfer den Verschütteten nach rund einer Stunde fanden, kam indes jede Hilfe zu spät.

Aus dem Leben gerissen

Silvio Dornaufs Tod hat alle, die ihn kannten, fassungslos zurückgelassen.

Als Vater, Lehrer, Musiker und kreativer Kopf stand er mit Anfang 40 mitten im Leben. Und dieses war prall gefüllt – mit all seinen Hochs und Tiefs, und einem schweren Schicksalsschlag.

Der 42-Jährige ist in Liel aufgewachsen. In den vergangenen Jahren lebte er in Lörrach, Mappach und Schliengen, zuletzt in Freiburg. In Lörrach arbeitete er bereits seit vielen Jahren als Lehrer. Die Imkerei war nur eines der vielen Hobbys in einem facettenreichen Leben.

In seiner Freizeit machte Silvio Dornauf seit seiner Jugend leidenschaftlich gerne Musik. Er spielte in verschiedenen Hardcore-, Punk- und Rockbands Bass, Gitarre und Schlagzeug, teilweise stand er auch am Mikrofon. Er schrieb zudem Lieder und Geschichten. Und er malte – Aquarelle für Zuhause. Aber auch heimlich Graffitis im öffentlichen Raum.

Teil des Ortsbildes

Von ihm stammen die gut 20 Katzen, die mittlerweile zum Schliengener Ortsbild einfach dazugehören. In den vergangenen Jahren sind immer wieder schwarze Katzensilhouetten mit roten Herzen an Hauswänden und Mauern aufgetaucht. Wer dahinter steckte, war jedoch bislang unbekannt.

Ein Kätzchen an der Eisenbahnstraße – an dem Privathaus gegenüber der Eisdiele finden sich gleich drei Exemplare. Foto: Claudia Bötsch

Die Graffiti-Kunstwerke erinnern an den Streetart-Künstler Banksy aus England und an sein berühmtes Kunstwerk „Girl with Balloon“ – eine Serie von Graffitis in London, auf denen ein kleines Mädchen seine Hand nach einem roten, herzförmigen Ballon ausstreckt. Wie Banksy nutzte Dornauf die Schablonentechnik. Und wie bei Banksy wusste niemand, wer für die unkonventionellen Kunstwerke verantwortlich war.

An vielen Orten

Die Katzen-Graffitis finden sich zum Beispiel überm Briefkasten bei der Post, auf der Wand des Bürger- und Gästehauses oder nahe der Kita Sonnenschein. Über einem Rohr beim Hohlebach, zwischen Weingut Blankenhorn und Bäckerei Heitzmann, oder an der Bushaltestelle bei der Hebelschule. Auf öffentlichen Gebäuden, aber auch an Privathäusern.

Wie Banksy nutzte Silvio Dornauf die Schablonentechnik – hier die Katze beim Briefkasten vor der Schliengener Post. Foto: Claudia Bötsch

Wer der Urheber ist, darüber wurde schon seit Jahren gerätselt und spekuliert, auch in den sozialen Netzwerken. Der SWR produzierte im vergangenen Jahr sogar einen TV-Beitrag über den „Banksy von Schliengen“.

Klagen bei Verwaltung oder Anzeigen bei der Polizei gab es in all den Jahren nie. Dornauf sprayte vor allem dort, wo es eher trist aussieht.

Ein Lächeln ins Gesicht

Auf Facebook bekam er dafür viel Applaus. So mancher wünschte sich sogar ein solches Kätzchen an die eigene Hauswand. „Er zaubert uns mit seinen herzigen Werken ein Lächeln ins Gesicht – bitte mehr davon“, lautet nur einer der zig Kommentare, die im Netz zu finden sind.

Der Unfall – eine Zäsur

Die Musik und Kunst waren feste Konstanten in Silvio Dornaufs Leben, das in den Jugendjahren von einem schweren Verkehrsunfall erschüttert und geprägt wurde. Gut 25 Jahre ist das her. Eine Zäsur.

„Im Schleudergang“

Damals starb Silvio Dornaufs bester Freund Martin. Silvio Dornauf selbst lag nach dem Unfall Wochen auf der Intensivstation. Ungewiss, ob er den Unfall, bei dem ein Autofahrer mit hoher Geschwindigkeit auf den Roller der beiden Jugendlichen aufgefahren war, überleben würde. Er schaffte es. Überlebte, ohne Folgeschäden. Aber danach war für den Waldorfschüler und jungen Musiker nichts mehr wie es vorher war. Sein Leben befand sich „im Schleudergang“, wie sich seine Mutter bei der Beerdigung zurückerinnerte.

Anderen Menschen helfen

Der Unfall sollte auch seinen beruflichen Weg beeinflussen. Nach dem Abitur wurde er Rettungsassistent beim DRK Lörrach. Er wollte anderen Menschen helfen – so wie ihm selbst nach dem Unfall geholfen worden war.

Silvio Dornauf war ein Mensch mit vielen Facetten – die Katzen-Graffitis waren nur eine davon. Foto: Claudia Bötsch

Unsere Zeitung begleitete ihn im Jahr 2009 für eine Reportage bei einer Nachtschicht. Damals betonte er: „Wir treffen auf Leute aus allen Schichten: vom Arbeitslosen bis zum Penthouse-Besitzer. Und alle werden gleich behandelt.“ Dornauf hatte keine Berührungsängste – das hatte er bereits während seines Zivildienstes in einer Einrichtung für Obdachlose bewiesen.

Haltung und Herzlichkeit

Nach einigen Jahren im Rettungsdienst entschied sich Dornauf für ein Lehramtsstudium. Nach dem Abschluss unterrichtete er zunächst viele Jahre an der Lörracher Hellbergschule, zuletzt an der Pestalozzischule.

Wie viel Wertschätzung er dort genoss, wird auch im Nachruf der Kollegien beider Schulen deutlich. Dort heißt es unter anderem: Man werde ihn als Menschen in Erinnerung behalten, „der mit Haltung, Herzlichkeit und echter pädagogischer Leidenschaft gewirkt hat“.

Mit vielen Facetten

Bei der bewegenden Trauerfeier im Bürgler Wald zeichneten Familie und Freunde das Bild eines Menschen, der mehr zuhörte als redete. Von einem, der mit anpackte und half, ohne, dass man ihn fragen musste. Beschrieben wurde er als einer, der wenig Aufhebens um seine Person machte.

Insgesamt finden sich im Ort rund 20 Katzen-Graffitis. Foto: Claudia Bötsch

Er war einer, der Verantwortung übernahm, wurde mehrfach betont. Einer, der das Leben in vollen Zügen zu leben wusste – trotz oder gerade wegen dem, was er erlebt hatte. Einer, der viele Facetten hatte – die Katzen-Graffitis waren nur eine davon.

Und wieder der Schnee

Auf seinem letzten Weg begleitete Silvio Dornauf eine große Trauergemeinde – und wieder der Schnee. Zwei Stunden lang, während der gesamten Trauerfeier, fielen weiße Flocken vom Himmel in den Bürgler Wald, wo der 42-Jährige seine letzte Ruhe fand. Mitten im März.

Silvio Dornauf hinterlässt neben seinen Eltern und seinem Bruder seine Lebensgefährtin sowie drei Kinder – das jüngste ist noch kein Jahr alt.