Helmut Rosenfelder ist verstorben. Foto: Kretschmann

Rund 300 Seiten umfassen Helmut Rosenfelders Memoiren. Der Holzhauser Landwirt und langjährige Geschäftsführer des Betriebs- und Maschinenhilfsrings im Kreis Rottweil hat sein Leben zu Papier gebracht. Das druckfrische Buch hatte er noch in den Händen. Wenige Tage später, in der Nacht von Samstag auf Sonntag, starb er überraschend für seine Familie im Alter von 82 Jahren.

Sulz-Holzhausen - Helmut Rosenfelder wurde am 5. April 1939 in Holzhausen geboren, wuchs aber mit den zwei Brüdern Fritz und Werner in Sulz auf. Dort besuchte er fünf Jahre lang die Schule, absolvierte den Hauptschulabschluss aber in Holzhausen. Als Kind erlebte Helmut Rosenfelder, wie Kampfflugzeuge einen Güterzug vor dem elterlichen Haus an der Bahnlinie bombardierten und wie 1945 die Franzosen die Stadt einnahmen.

Nach dem Krieg begann er in Holzhausen eine Ausbildung zum Landwirt und absolvierte die Meisterprüfung. 1964 übernahm er den landwirtschaftlichen Betrieb in Holzhausen. Die Familie Rosenfelder hatte in der Lindenstraße, gegenüber der Firma Kipp, einen kleinen Hof, konnte dann aber im Zuge der Flurbereinigung aussiedeln.

Am 12. Januar 1983 wurde in der Bochinger Festhalle der Maschinen- und Betriebshilfsring Rottweil gegründet. "Versuchsweise" sollte Rosenfelder die Geschäftsführung übernehmen, daraus sind dann 23 Jahre geworden. Es war ein mühsamer Beginn, doch der Geschäftsführer brachte den Maschinenring schnell in Schwung. Es wurden Silos gebaut und Stahlhallen preisgünstig an Landwirte vermittelt. Zeitweise hatte der Ring bis zu 75 Mitarbeiter.

Rosenfelders Überzeugungsarbeit war es zu verdanken, dass der Landkreis die Grüngutentsorgung auf den Maschinenring übertrug. Zudem wurde der Verein für nachwachsende Rohstoffe gegründet: Der ökologische Aspekt der Landwirtschaft spielte für Rosenfelder schon früh eine große Rolle. Der Verein lieferte Rapsöl für Blockheizkraftwerke, stellte Sägeketten-Öl aus dem nachwachsenden Rohstoff für die Forstwirtschaft her und belieferte das Fernwärmenetz in Horb mit Holzhackschnitzel. Der Landkreis Rottweil beauftragte 1994 den Maschinenring außerdem mit der Kompostierung von Bioabfällen.

Die Grüngutentsorgung fand internationale Beachtung. Rosenfelder bereiste nahezu ganz Europa, um als "Pionier der Grüngutentsorgung" Vorträge zu halten.

Beim landwirtschaftlichen Hauptfest 2006 in Stuttgart ist er mit der goldenen Staatsmedaille für besondere Verdienste im ländlichen Raum ausgezeichnet worden. 2010 überreichte ihm der damalige Regierungspräsident Julian Würtenberger die Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg für Verdienste um seine Heimat.

Rosenfelder betätigte sich in vielfältiger Weise auch ehrenamtlich. Im Holzhauser Ortschaftsrat rückte er 1974 für Heinrich Kipp nach. Nach einer Pause ist er 1984 erneut in das Gremium gewählt worden und blieb dann Ortschaftsratsmitglied bis 2009.

Als Kommunalpolitiker nahm er kein Blatt vor den Mund. "Er war ein kritischer Mensch, aber mit Gerechtigkeitssinn", charakterisiert ihn Ortsvorsteher Gregor Plocher. Als Mandatsträger setzte sich Rosenfelder mit dafür ein, dass die Stadt Sulz das Eingemeindungsversprechen wahr machte und 1997/98 die Panoramahalle nach den Vorstellungen der Ortschaft baute.

Später war er, als einziger im Ortschaftsrat, ein vehementer Gegner des Daimler-Testzentrums im dazu vorgesehenen regionalen Gewerbegebiet. 200 Hektar Ackerland gegen 40 Hektar Asphalt einzutauschen, schreibt er in seinen Memoiren, sei eine furchtbare Idee gewesen.

In der Fördergemeinschaft Panoramahalle war er Schatzmeister und stellvertretender Vorsitzender. 1997 gründete er die Gymnastikgruppe Top-Fit, 60 Jahre lang sang er im Männergesangverein. Die Holzhauser haben es ihm zu verdanken, dass sie, wie früher, ein "Liebeswegle" haben. "Es gibt in Holzhausen kein Projekt, an dem Helmut Rosenfelder nicht beteiligt war", sagt Plocher.

Seine Frau Liese, die aus Böffingen bei Glatten stammt, hatte Rosenfelder beim Kirbetanz auf dem Trollenberg in 24 Höfe kennengelernt. Am 7. März 1964 war die Hochzeit. Drei Kinder, zwei Töchter und ein Sohn, wurden geboren.

Körperlich konnte Helmut Rosenfelder zwar nicht mehr viel auf dem Hof arbeiten, er kümmerte sich aber weiterhin um die Organisation. Den Hof wird nun Jakob Schon, einer von zehn Enkelkindern, übernehmen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 13.30 Uhr, auf dem Holzhauser Friedhof statt.