Gruppenbild (von links): Pascal Kopf, Nadja-Christine Reihle, Irina Reihle, Patrick Sickinger Foto: Reihle

Unser Redakteur wagt den Selbstversuch: Bei einer Trainingsstunde mit Badminton-Ass Nadja-Christine Reihle kommt Pascal Kopf teilweise an seine Grenzen. Das Fazit fällt indes trotzdem positiv aus – neben der Einheit gibt es auch noch ein spannendes Gespräch mit der 17-Jährigen aus Haigerloch.

Der Badmintonschläger in der Hand erinnert mich sofort an meine Zeit in der Oberstufe: Bei unserem überaus motivierten und eigentlich schon pensionierten Sportlehrer stand neben Fußball auch Badminton hoch im Kurs. Regelmäßig griff er dann auch selbst zum Schläger und ließ uns „Junge“ ganz alt aussehen.

 

Ich bin daher nicht unglücklich, als ich das Axis in Engstlatt betrete und weiß, dass Nadja-Christine Reihle nicht meine Gegnerin sondern viel mehr meine Trainerin ist. Die 17-jährige aus Haigerloch ist das Badminton-Ass im Zollernalbkreis. Sie wurde bereits mehrmals BW-Meisterin in ihren Altersklassen und in der U11 einst Deutsche Meisterin im Doppel – am vergangenen Wochenende siegte sie beim Hexencup in Konstanz in Einzel, Doppel und Mixed. Ich möchte die Faszination Badminton am eigenen Leib erfahren und habe eine Trainingsstunde mit ihr vereinbart.

Während ich mich noch kurz warm laufe, spielen Reihle und ihre Mutter sich bereits ein wenig ein. Diese war früher Profispielerin und nahm vielfach an Weltmeisterschaften teil. In der Badminton-Szene ist sie als Irina Gritsenko bekannt. Das Tempo der Schläge wirkt atemberaubend und ich denke mir nur, dass das heute heiter werden kann. Badminton gilt als die schnellste Rückschlagsportart überhaupt.

Dann geht es auch für mich los. Ein bisschen angespannt bin ich schon, schließlich soll das Training ja nicht zum Flop werden. Die ersten Ballwechsel sind schnell vorbei und ich treffe bei jedem zweiten Schlag den Ball nicht. Nach und nach komme ich ein wenig in den Rhythmus und die Ballwechsel werden länger. Gefühlt treffe ich jeden zweiten Ball mit dem Rahmen, aber der Ball fliegt zumindest übers Netz. Ich bekomme trotzdem die ersten lobenden Worte – das tut gut.

Irina Reihle – früher Profispielerin – gibt mir wertvolle Tipps. Foto: Reihle

Wir stehen nun noch enger zusammen und spielen auf sehr kurzer Distanz. Das sieht deutlich leichter aus, als es ist. Während ich schon gut nassgeschwitzt bin, wirkt Reihle sehr entspannt. Ihre Mutter gibt mir dann technische Hinweise, erklärt wie der Schläger in den jeweiligen Momenten am besten gehalten wird. Diese Korrekturen machen sich sofort bezahlt.

Rückhand wird zum Endgegner

Schwierig ist und bleibt das ganze Training über die Rückhand – sie wird gewissermaßen zu meinem persönlichen Endgegner. Irina Reihle beruhigt mich: „Auch für viele Profispielerinnen ist diese schwieriger.“ Ihre Tochter hat damit aber kein Problem.

Es liegen ereignisreiche Monate hinter der 17-jährigen Gymnasiastin. So stand ein Wechsel in ein Sport-Internat zur Debatte. Jörg-Andreas Reihle, der ebenfalls vor Ort ist, erzählt: „Sie ist fast die letzte Vereinsspielerin auf ihrem Niveau. Nach langer Bedenkzeit und einer Probewoche hat sie sich gegen das Internat entschieden.“ So sei die sportliche Komponente samt Trainer top gewesen, aber aufgrund von G9 wäre der Weg zum Abitur dort ein Jahr länger gewesen. So wird Reihle nun weiterhin in Haigerloch zur Schule gehen und dort 2025 ihr Abitur anvisieren.

Für die SpVgg Mössingen spielte sie vergangene Saison in vier verschiedenen Teams – alle wurden Meister. Die 1. Mannschaft, welche in der Baden-Württemberg Liga spielt, verpasste den Aufstieg in die dritthöchste Spielklasse über die Relegation denkbar knapp und bitter. Reihle wird kommende Saison als Stammspielerin der 1. Mannschaft fungieren. „Es ist ein junges Team. Man wird den Aufstieg kommende Saison wieder anpeilen“, so Jörg-Andreas Reihle.

Ran an den Aufschlag

Seine Tochter gibt mir derweil Tipps für den Aufschlag ins 13,4x6,1 Meter große Feld. So soll der Vorhandaufschlag möglichst lange gespielt werden, während mit der Rückkehr die T-Linie anvisiert wird. Das klappt dann nach einigen Versuchen und noch ohne Gegenüber auch gar nicht schlecht. In einer kurzen, für mich aber dringend benötigten Trinkpause, heißt es zu mir: „Das machst du aber nicht zum ersten Mal oder?“ Tatsächlich waren die Einheiten in der Schule aber mein letzter Kontakt mit der Sportart. Es hilft wohl, dass ich zumindest ab und an zum Tennis- oder Tischtennisschläger greife. Die Bewegungsmuster sind nicht identisch, aber teilweise zumindest ähnlich.

Es folgt ein Rückhandaufschlag.

Ein besonderer Schlag beim Badminton ist der Smash. Reihle beherrscht diesen Angriffsschlag, bei dem der Ball geschmettert wird und der zu einem „Winner“ führen soll, ausgesprochen gut. Technik und Kraft seien dabei im gleichen Verhältnis wichtig. „Man muss auch gut zum Ball stehen um gegebenenfalls gleich nachbereiten zu können, wenn der Ball zurück kommt“, so Reihle.

Auch Reihle hat Spaß

Diese Sorge braucht die 17-Jährige bei mir nicht haben. Ich bin schlichtweg fasziniert, mit welcher Geschwindigkeit die Bälle über das Netz fliegen und probiere mich selber an einem Smash. Ich gebe alles, aber der Großteil der Versuche bleibt im Netz hängen.

Dafür verausgabe ich mich im freien Spiel am Ende noch mal vollends. Es macht wahnsinnig Spaß und der ein oder andere Ballwechsel ist durchaus ansehnlich. Reihle lässt mich mitspielen und so gelingt mir noch manches Erfolgserlebnis.

Am Ende wird gespielt. Foto: Reihle

Auf den erstellten Videos beäuge ich dann meine Technik aber doch etwas kritisch. Ästhetisch ist sicher anders und auch was die Schlagbewegung anbelangt, ist das sicherlich nicht effizient. Aber gut, ein Profi fällt halt auch nicht vom Himmel. Feststeht: Spaß gemacht hat die Stunde auf jeden Fall und es wird dieses Mal keine acht Jahre dauern, bis ich wieder zum Schläger greife.

Sickinger und das Athletiktraining

Vor Ort war übrigens auch „Hausherr“ Patrick Sickinger, der das Axis betreibt. Er ist zeitgleich Reihles Athletiktrainer und schreibt ihre Trainingspläne. So erläutert er: „Kraft, Ausdauer, Koordination, Schnelligkeit und Beweglichkeit sind wichtige Faktoren. Das wird badmintonspezifisch trainiert. Es geht auch um Verletzungsprophylaxe. Man hat immer wieder die gleichen Bewegungsmuster, das muss man ausgleichen.

Er stellt erfreut fest: „Das Interesse am Badminton ist aufsteigend.“ Ich schließe mich dieser Beobachtung kaputt und zufrieden an.