Der Train Station Reining Horses Hof in Zollhaus ist seit 2017 ein fester Bestandteil des Ortes. Maria Bucher, welche den Hof mit ihrem Mann Sebastian auf die Beine gestellt hat, bietet neben Ferienprogrammen auch viele weitere Leistungen auf dem Westernhof an. Sie erzählt von ihrem Traum, dem Leben auf dem Hof und wie erfolgreich die Turnierpferde abschneiden.
Schon beim Betreten des Hofs weht eine Brise Landluft um die Nase. Der Geruch nach Heu und Pferden heißt Besucher willkommen.
Cowboystiefel und die Holzoptik einer Ranch fallen beim Blick über das Gelände auf. Und es wird schnell klar, dass der Western in Zollhaus eingezogen ist. Einige Pferde stehen in ihren Boxen. Sie lassen sich von dem Besuch nicht stören.
Aus der Reiterstube tritt Besitzerin Maria Bucher ins Freie. Mit einem strahlenden Lächeln nimmt sie mich entgegen. Am vergangenen Wochenende waren sie nämlich ziemlich erfolgreich, wie sie direkt zu Beginn verriet.
Denn: In Bitz im Zollernalbkreis fanden die „Reining Masters“ statt. „Reining“ bezeichnet hierbei den Reitstil des Westernreitens. Dass dieses Turnier mit Reitern aus aller Welt in Bitz stattfand, war hierbei kein Zufall, denn der Inhaber des Schwantelhofs, Grischa Ludwig, ist ein international erfolgreicher Westernreiter, inzwischen sogar mit dem „Million Doller Rider“-Titel. Somit fand der Ranch Horse Nations Cup zum ersten Mal auf europäischem Boden statt. Und auch Maria Bucher war vor Ort.
Erfolg bei den „Reining Masters“
Allerdings konnte sie wegen einer ausgekugelten Schulter selbst nicht am Turnier teilnehmen. Ein Pferd sei ihr in die Schulter gesprungen, erklärt sie. Seither bekomme sie tolle Unterstützung von Aurora Mezzanotte mit ihrem Quarterhorse „Lets Spook Baby“. Sie durfte beim Turnier auch auf ihrer Stute reiten.
Und das auch sehr erfolgreich, berichtet Maria Bucher stolz von den Erfolgen ihrer Reitschülerin. So platzierte sich Aurora Mezzanotte mit Lets Spook Baby bei der Disziplin Pleasure auf dem ersten Platz, beim Ranch Riding den zweiten und beim Short Stirrup den dritten Rang. Es freue einen immer, wenn das selbst gezüchtete Pferd so erfolgreich sei und das auch noch mit einem Reiter, der auf dem Hof ausgebildete werde, strahlt Bucher.
Lets Spook Baby ist das Fohlen ihres ersten Quarterhorses „Lets Go Smart Olena“, liebevoll „Smarty“ genannt, ihres Mannes Sebastian, blickt sie zurück. Er habe damals seinen Haflinger gegen ein Quarterhorse getauscht. Besonders wichtig ist dem Ehepaar hierbei, dass es den Pferden dabei gut geht, wenn der Sport mit ihnen dann auch noch möglich sei, sei das natürlich erfreulich. So schauen sie pro Pferd, inwieweit es möglich ist, sie auch zu Turnierpferden auszubilden.
26 Pferde leben auf dem Hof in Zollhaus
Bei Smarty mussten sie leider feststellen, dass sie für diesen Zweck nicht geeignet war, dann müsse auf Plan B umgestiegen werden. Bei Smarty war dieser Plan B ein Fohlen. Und wie sich zeigte, war dies die richtige Entscheidung. Auch das Turnierpferd „Elli“ ihres Mannes hat im Schulbetrieb einen neuen Platz gefunden. Der Hengst ist inzwischen zu einem der Lieblingspferde bei den Reitschülern geworden, verrät sie.
Neben Smarty, Lets Spook Baby und Elli leben 23 weitere Pferde auf dem Pferdehof. Damit erfülle sich der Traum von ihr und ihrem Mann. Kennengelernt haben sich die beiden durch das Reiten. Sie ritt damals im Englischen Stil. Durch ihn sei sie dann zum Reining gekommen.
Schnell entwickelte sich die Idee eines eigenen Hofs. Viele sagten ihnen, dass sie verrückt seien, erzählt sie. Dennoch klappte es. Den ersten eigenen Hof fanden sie zunächst in Hainhofen. Doch dieser reichte bald nicht mehr aus. Sie wollten wachsen und einen größeren Hof haben. Und als der jetzige Standort des Train Station Reining Horses verkauft wurde, entschieden sie sich 2017 nach Zollhaus zu kommen. „Von Zero to Hero“ beschreibt sie selber die Entwicklung.
Vielfältige Arbeit mit den Pferden
Sebastian Bucher hat sich einen Beritt aufgebaut und bildet in diesem Zuge Turnierpferde aus. Dieser Tätigkeit widmet er sich inzwischen 100 Prozent. Die Diplom Wirtschaftsingenieurin arbeitet noch 30 Prozent in der Stadtverwaltung Bad Dürrheim. Die restliche Zeit kümmert sie sich ebenfalls um den Hof und ab 16 Uhr um die Reitschüler. Dabei unterteilt sie in drei Gruppen: Kinder und Anfänger, Fortgeschrittene und Erwachsene. Auch ältere Menschen, die nicht mehr reiten können, würden gerne vorbeikommen. Mit ihnen macht Maria Bucher Bodenarbeiten. Und auch Menschen mit Behinderung, wie zum Beispiel eine Beinprothese, sind auf dem Hof stets willkommen. Auch das funktioniere gut, wie sie aufzeigt.
Coaching hilft offener Kommunikation
Beim Coaching hilft sie auch Menschen „Stärken zu stärken“. Dabei können Einzelpersonen, wie auch Gruppen offenere Kommunikation und Körpersprache lernen. Denn einem Pferd könne man nichts vormachen, erklärt Maria Bucher. „Ich bin sehr dankbar über meine Schulpferde, dass sie so brav sind“, freut sie sich über die vielfältige Arbeit mit den Tieren. Insgesamt seien Reitstunden sehr gefragt in der Region.
Dabei habe jede Disziplin etwas für sich, findet sie. „Ein guter Dressurreiter, ist auch ein guter Westernreiter. Jede Disziplin hat ihr Know-how und jeder kann für sich entscheiden. Wichtig ist ein guter Reitlehrer.“
Pferd und Mensch zusammen bringen
Besonders wichtig in ihren Reitstunden ist es: Lernen zu lernen. Daher werde auch mal gerechnet, nebenher Vokabeln abgefragt oder Physik angeschaut. Sie möchte den Kindern und Jugendlichen damit erklären, wofür sie überhaupt lernen und wie es sie später weiter bringt, beschreibt sie die Reitstunden. Am Ende jeder Stunde fragt sie den Reitschüler, auf was er stolz sei, denn sie sollen merken, in was sie gut sind und auch was sie wert seien. „Das können Noten in der Schule nicht.“
Daher freue es sie immer sehr, wenn sie es schafft Pferd und Mensch zusammen zu bringen und wenn Kinder ihre Erfolge feiern, auch wenn sie es bei den letzten Versuchen nicht geschafft haben. Sie wolle die Kinder auch immer ein bisschen aus ihrer Komfortzone rausbringen.
Bucher wünscht sich größere Reithalle
Das schaffte sie auch zu Beginn der Sommerferien. Da nahm sie vier ihrer Jugendlichen auf das Schweizer Derby nach Frankreich nach Mooslargue mit. Das sei für Lotti, Julian, Paul und Johanna die erste größere Veranstaltung gewesen.
„Es war ein mega Erlebnis“, berichtet Maria Bucher. Mit vielen internationalen Sportlern, sind die Jugendlichen auch nicht um das Verwenden von Fremdsprachen herumgekommen.
Als nächste Vision habe sie einen größeren Reitstall im Kopf und wünscht sich, dass ihr Mann international Erfolg hat. Da könnten als nächster Titel Derby-Champion oder Futurity-Champion kommen. Außerdem möchte sie in der nächsten Zeit namhafte Trainer, auch aus dem Ausland, auf ihren Hof bringen. Mit Grischa Ludwig hätten sie gleich einen super Trainer um die Ecke, mit dem sie bereits eine super Partnerschaft pflegen. „Ich schätze sehr, dass die Quarter/Western Höfe in der Umgebung alle Freunde sind.“
Nächstes Turnier
25-Jubiläum Modo
Das nächste Turnier für Maria und Sebastian Bucher ist das Westernreitturnier mit Jubiläumsparty zum 25-jährigen Bestehen von Hannes Bolz am 14. und 15. September bei MoBo-Westerntraining in 79426 Buggingen im Breitenweg 37. Die Live Band „El Paso“ spielt am Samstag und es gibt zusätzlich Kindershowklassen, Cocktailbar und ein Oldtimertreffen.