Die Industrie in Deutschland steht unter Druck: Das spürt auch das Albstädter Unternehmen Gühring. An den Standorten Albstadt und Sigmaringen-Laiz sollen 300 Stellen abgebaut werden.
Die anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage der deutschen Industrie geht auch an der Albstädter Traditionsfirma Gühring nicht spurlos vorbei. Die Folge: Die Gühring KG, Hersteller von rotierenden Präzisionswerkzeugen für die Metallzerspanung, plant am Stammsitz in Albstadt sowie am Standort in Laiz im benachbarten Landkreis Sigmaringen insgesamt 300 Stellen abzubauen. Diese Entscheidung habe das Unternehmen im Rahmen seines Strukturprojekts 2026 getroffen. Darüber informiert Gühring in einer Stellungnahme auf Anfrage unserer Redaktion.
Demnach seien anhaltend schwierige Marktbedingungen, eine deutliche strukturelle Unterauslastung in mehreren Unternehmensbereichen sowie zunehmender internationaler Wettbewerbsdruck ursächlich für den Stellenabbau. Gühring beschäftigt weltweit rund 7000 Beschäftigte, in Deutschland sind es rund 3500. Auf die Standorte Albstadt und Laiz bezogen entspreche der Abbau von 300 Stellen rund zehn bis 15 Prozent der auf der Zollernalb tätigen Belegschaft.
Gespräche mit dem Betriebsrat
Der Stellenabbau soll sozialverträglich erfolgen, wie es von Gühring weiter heißt. Hierzu gehörten ein 61+-Programm sowie ein Freiwilligenprogramm. „Die Gespräche mit dem Betriebsrat verlaufen konstruktiv, zudem stehen wir im Austausch mit der Agentur für Arbeit.“
Die Entscheidung sei dem Unternehmen sehr schwer gefallen, betont Gühring in dem Statement. Um die Wettbewerbsfähigkeit und langfristige Stabilität des Unternehmens sowie des Standorts zu sichern, sei diese jedoch notwendig geworden. Die Zahl von 300 abzubauenden Stellen habe sich aus einer detaillierten strukturellen Analyse mehrerer Unternehmensbereiche ergeben. Das Ziel sei eine nachhaltige Anpassung der Kapazitäten an die tatsächliche Auslastung. Und weiter: „Es handelt sich nicht um eine kurzfristige Reaktion, sondern um eine strategische Maßnahme zur Zukunftssicherung.“
„Unter erheblichem Druck“
Auf Nachfrage, ob durch diesen Schritt künftig auch Mittel wie Kurzarbeit weiter in Betracht gezogen werden könnten, heißt es: „Die jetzt beschlossene Maßnahme ist Teil eines klar definierten Strukturprojekts. Ziel ist es, mit diesem Schritt die notwendige Stabilität zu erreichen und weitere Maßnahmen zu vermeiden.“
Die derzeit prekäre Lage in der Industrie hebt die Albstädter Firma in ihrer Stellungnahme hervor: „Die Industrie steht aktuell unter erheblichem Druck.“ Dazu zählen unter anderem die deutlich rückläufige Nachfrage in Teilen der Automobilindustrie, zunehmende globale Handelsbarrieren sowie stark gestiegene Rohstoffkosten.
Dazu verändere die Transformation der Automobilindustrie hin zur Elektromobilität die industrielle Wertschöpfungskette tiefgreifend. Elektroantriebe benötigen deutlich weniger zerspante Komponenten als klassische Verbrennungsmotoren. „Da unser Kerngeschäft eng mit präziser Zerspanungstechnologie verbunden ist, wirkt sich diese strukturelle Verschiebung langfristig auf unsere Auslastungen aus“, so das Unternehmen abschließend.
1898 gegründet
Gühring wurde im Jahr 1898 gegründet, zwei Jahre später wurde das erste Fabrikgebäude in Ebingen eröffnet. Heute entwickelt, fertigt und vertreibt das Unternehmen an mehr als 70 Produktionsstandorten in 49 Ländern seine Produkte und ist nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Hersteller von rotierenden Präzisionswerkzeugen für die Metallzerspanung.
Zu den Kunden zählen unter anderem Abnehmer aus der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt und dem Maschinenbau.