Die Gugge-Explosion in Lörrach gehört zu den erfolgreichen Neuerungen der Fasnacht. Foto: Veronika Zettler

Im südwestlichsten Zipfel der Republik plant so mancher wackere Fasnächtler seinen Jahresurlaub nicht nach den Sommerferien, sondern nach der „fünften Jahreszeit“.

Denn im Dreiländereck kann man drei Fasnachten hintereinander feiern. Und jede tickt ein bisschen anders.

 

Landauf, landab hört man am Fasnachtsdienstag die Narren bitterlich jammern und wehklagen – auch in Lörrach. Allerdings beweint man dort das Ende der bunten Tage eher pro forma. Denn kaum endet die reguläre Fasnacht, geht es im eingemeindeten Nachbardörfchen Hauingen erst los: Die Buurefasnacht steht in den Startlöchern.

Und die hat es ebenso in sich wie andere Bauernfasnachten in der Umgebung – allen voran in der Stadt Weil am Rhein sowie bei der „Habufa“ und der „Wibufa“, wie die Bauernfasnachten in den Dörfern Hasel und Wiechs bei Schopfheim genannt werden. Am Tag nach Aschermittwoch beginnt sich dort das Fasnachtsrad von vorne zu drehen und die Hemdglunki ziehen durch die Gassen.

Zwischen manchem ortstypischen Spektakel wie der „Adrüllete“ in Hauingen steuert dann alles auf den folgenden Sonntag und die großen Buurefasnachtsumzüge zu, die in diesem Jahr am 22. Februar stattfinden. Während der Hasler Umzug 2026 aus organisatorischen Gründen ausfällt, werden in den Fasnachtshochburgen Weil am Rhein, Hauingen und Wiechs wieder Tausende von Zuschauern erwartet.

Sonderzug nach Basel

Doch auch danach kommen Vollblutnarren noch lange nicht zum Ausschlafen. Wenn am Abend in Hauingen und Weil am Rhein die Fasnachtsfeuer aufflammen und die Buurefasnacht offiziell zu Ende geht, gönnen sich eingefleischte Narren bestenfalls ein kurzes Nickerchen – nur, um mitten in der Nacht wieder auf den Beinen zu sein: Basel ruft zu einem der eindrucksvollsten Fasnachtsschauspiele überhaupt. Zum Glück können die ermatteten Fasnächtler noch einmal kurz die Augen schließen – im Sonderzug, der gegen 3 Uhr morgens vom Lörracher Bahnhof nach Basel fährt, wo wenig später der Morgestraich seinen Lauf nimmt.

Der Basler Morgenstreich begeistert Jung und Alt. Foto: Michael Werndorff

Beim Auftakt zur Basler Fasnacht, der inzwischen zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe zählt, versinkt die Basler Innenstadt Punkt 4 Uhr schlagartig im Dunkel. Auf Kommando setzen sich die Narrenflut in Bewegung. Klänge von Trommeln und Piccoloflöten füllen die Gassen.

Das einzige Licht stammt von den kunstvoll bemalten Zugslaternen mit den Sujets des Jahres sowie von unzähligen Stecken- und Kopflaternen, die auf den Masken getragen werden – ein flackernder Lichterstrom, der die Stadt in eine magisch wirkende Fasnachtswelt verwandelt. Die Verflechtung von „Herrenfasnacht“, wie die reguläre Fasnacht genannt wird, Buurefasnacht und Basler Morgestraich prägt die Narretei im Dreiländereck bis heute. Historisch geht die „doppelte Fasnacht“ auf eine Reform der Fastenzeit zurück: Im Jahr 1091 legte die Synode von Benevent fest, dass Sonntage nicht mehr als Fastentage zählen sollten, da sie als Gedenktage der Auferstehung galten.

Damit die Fastenzeit trotzdem 40 Fasttage umfasste, wurde ihr Beginn im Kalender nach vorne verlegt – und damit auch die Fasnacht. Im Raum Basel, Baden und im Markgräflerland hielten jedoch einige vorwiegend evangelische Gemeinden am alten Termin fest. So liegt die Bauernfasnacht oder „Alte Fasnacht“ aus heutiger Sicht mitten in der Fastenzeit.

Bühne für den Dialekt

Wer von außerhalb kommt, entdeckt bei den drei Fasnachten noch eine weitere Besonderheit: Sie sind im südbadischen Raum eine der letzten großen Bühnen für den alemannischen Dialekt. Die „Muettersproch“ ist allerorten auf dem Rückzug, entfaltet sich aber in der Fasnacht noch einmal in voller Kraft – allen voran bei den Zunftabenden und beim Schnitzelbanksingen, das ebenfalls in allen drei Fasnachten fest verankert ist.

Schon die Namen der Fasnachtscliquen bewahren alte Bedeutungen, die sich nur im Alemannischen trefflich sagen lassen – von den „Siäche“ und „Chnorzi“ über die „Schobbechöpf“ und „Chruttschlämpe“ bis hin zu den „Bäfzger“ und „Schrätteli“.

Immer wieder Neuheiten

Bei aller Tradition – so datiert die erste urkundliche Erwähnung einer Lörracher Fasnachtsveranstaltung auf das Jahr 1620 – erfinden die Fasnächtler im Dreiländereck immer wieder Neuheiten, die voll einschlagen.

Eine davon ist die Lörracher Gugge-Explosion, die 2001 Premiere feierte und bis heute als größtes Gugge-Spektakel Deutschlands gilt. Mehr als 40 Formationen aus Deutschland und der Schweiz werden am 14. Februar in Lörrach aufspielen.