Bad Herrenalb will bei der Tourismusgemeinschaft Albtal plus aussteigen. Doch was sagen andere Mitglieder wie Ettlingen oder Dobel?
Bad Herrenalb will aus der Tourismusgemeinschaft Albtal plus aussteigen. Das beschloss der Gemeinderat der Siebentälerstadt. Denn Bad Herrenalb muss sparen, und die Mitgliedschaft bei Albtal plus kostet die Stadt jährlich 120 000 Euro. Die sollen nun eingespart werden.
Die Verwaltung war gegen diesen Antrag und verwies auf eine Nutzenevaluation, mit der im Jahr 2023 „über die erfolgreiche zehnjährige Arbeit von Albtal Plus“ informiert worden sei. Ein Austritt gefährde das regionale Tourismusgefüge sowie die Erfolge und der Austritt könne regionalen Imageschaden für den Tourismus und auch für Bad Herrenalb ergeben. Allen Bedenken und Diskussionen zum Trotz entschied der Gemeinderat mehrheitlich, die Mitgliedschaft zu kündigen – und zwar im Idealfall außerordentlich bis Jahresende, ansonsten im Rahmen der normalen Kündigungsfrist bis zum Ende des Jahres 2026.
Schritt tut weh
Doch wie stehen andere Mitgliedskommunen oder auch die Tourismusgemeinschaft selbst dazu? Johannes Arnold ist Oberbürgermeister der Stadt Ettlingen und Vorstandsvorsitzender von Albtal plus in Personalunion. „Zusammen mit Bernhard Zepf (Patron Erbprinz) bin ich das letzte verbleibende Gründungsmitglied. Daher tut dieser Schritt nach elf Jahren erfolgreicher Arbeit natürlich weh“, teilt Arnold auf Anfrage unserer Redaktion mit. Aber es sei „nicht das erste Mal, dass Bad Herrenalb an einen Austritt denkt“. Dies habe mehrmals abgewendet werden können, es sei nun aber vielleicht „auch hilfreich zur Gestaltung der Zukunft, dass nun Klarheit herrscht“.
Ettlingen zahlt die gleiche Summe wie Bad Herrenalb, aber: „Für uns als Große Kreisstadt mit fast 40 000 Einwohnern ist das eine hohe Summe, aber verkraftbarer als für Bad Herrenalb“, die zudem ja auch Beiträge in die Tourismusgesellschaft des Landkreises Calw, die Tourismus Nördlicher Schwarzwald (TNS) bezahlen müssten. Als Stadtoberhaupt zeigt er aber auch Verständnis: „In Zeiten knapper kommunaler Kassen kann ich nachvollziehen, dass der Gemeinderat aus Bad Herrenalb bedauerlicherweise diesen Schritt geht.“
Auf die Frage, wie Ettlingen zu Albtal plus steht, antwortet der OB: „Ettlingen ist das Tor zum Albtal, wir profitieren vom Tal, das Tal profitiert von Ettlingen als großes Mittelzentrum. Zudem muss heutzutage touristisch übergeordneter gedacht und gearbeitet werden. Daher ist ein Schritt zurück, dass jede Gemeinde touristisch alleine arbeitet, nicht vorstellbar. Wir müssen alle in größeren Verbünden denken und daher die Situation nutzen, um uns nach vorne zu entwickeln.“ Demnach profitierten alle Mitgliedsgemeinden von der touristischen Gemeinschaft.
Arnold befürchtet zudem negative Folgen für Ettlingen und Albtal plus bei einem Austritt Bad Herrenalbs: „Ohne Bad Herrenalb und die Beiträge aus Bad Herrenalb wird es schwer, die Geschäftsstelle und vor allem die Sacharbeit aufrecht zu erhalten.“ Darum suche man jetzt Wege für die Zukunft – über die wollte er allerdings „noch keine Auskunft“ geben.
Auch Dobel betroffen
Vom Austritt betroffen ist auch die Nachbargemeinde Dobel, die ebenfalls Mitglied bei Albtal plus ist. „Überrascht bin ich nicht, auch wenn ich mir diesen Schritt nicht gewünscht habe“, sagt Dobels Bürgermeister Christoph Schaack. Ansonsten sei es eine Entscheidung des Gemeinderats, die er nicht zu kommentieren habe. Allerdings könne er verstehen, wenn man angesichts der finanziellen Lage der Kommunen an die freiwilligen Leistungen gehe und auch Doppelmitgliedschaften hinterfrage. Bad Herrenalb sei „das Zugpferd für Albtal plus, neben Ettlingen das touristische Highlight“, so der Bürgermeister. Und wenn die Stadt austrete, „wackelt der Turm“. Auch wenn es Dobel nicht gut gehe, steht man „unverändert positiv zu Albtal plus“. „Die machen ja nicht nur Marketing“, sondern seien auch Ideengeber für Projekte, erklärt der Schultes. Dazu zählt er etwa die Abenteuertracks oder die Qualitätswege, die die Tourismusgemeinschaft für jede Kommune entwickelt und Fördermittel abgerufen habe. „Wir haben von der Arbeit profitiert und sind auch sehr zufrieden mit der Arbeit“, so Schaack weiter. Dobel habe im vergangenen Jahr 17 160 Euro bezahlt, „auch für uns ist das ein starkes Engagement“.
Nun müsse man natürlich schauen, wie es weiter geht, wenn einer der Hauptbeitragszahler gehe. Man müsse zusammen mit den weiteren Mitgliedern überlegen, wie es weitergeht, denn „wir erwarten weiter Effektivität“. Dennoch ist Schaack zuversichtlich: „Der Turm wackelt, aber es ist noch nicht so weit, dass er umfällt.“
TNS mit breiter Struktur
Im Gegensatz zu Albtal plus steht die Mitgliedschaft bei der TNS nicht zur Disposition. Das mag auch daran liegen, dass die Mitgliedschaft dort jährlich nur mit rund 40 000 Euro zu Buche schlägt, wie TNS-Geschäftsführer René Skiba im Gespräch mit unserer Redaktion mitteilt.
Und nicht nur in Bad Herrenalb ist die finanzielle Lage in den Kommunen schlecht. Freiwillige Ausgaben wie Tourismus oder Freizeit würden in vielen Gemeinden und auch im Landkreis auf den Prüfstand gestellt, so Skiba weiter. Umso wichtiger sei es, „gut aufzeigen zu können, dass unsere Projekte einen Wert haben“. Einen Vorteil bei der TNS sieht er in der breiteren Struktur. Zudem trage der Landkreis Calw einen großen Teil des Budgets. 14 Kreiskommunen sind Mitglied bei der TNS, eben „die, die auch im Tourismus aktiv sind“. Die TNS sei „in der Geschäftsstelle personell stärker aufgestellt, um den Gemeinden etwas abzunehmen“. So sieht er die TNS als „Backoffice für verschiedene Leistungen“, um etwa Doppelarbeiten zu vermeiden, wie zum Beispiel bei den Projekten „Nachhaltiges Reiseziel“ und „Qualitätsregion wanderbares Deutschland“.
Skiba zeigt sich „froh, dass Bad Herrenalb uns erhalten bleibt und er weist zudem darauf hin, dass man auf Projektebene auch mit dem Albtal zusammenarbeite und nun schauen will, „dass wir dort weiter unterstützen können“.