Die Grünen-Fraktion des Seelbacher Gemeinderats hat auf einer Tour von Lahr bis ins Schuttertal die Radwege unter die Lupe genommen. Ein Fachmann erklärte, wo es noch hapert.
Rund 15 Menschen stehen neben ihren Fahrrädern vor dem Lahrer Bahnhof. Gerade hat es noch geregnet und gewindet, einige rollen mit einem Regenponcho auf den Vorplatz. Plötzlich kommt die Sonne raus und der Himmel reißt auf. „Damit werden wir jetzt belohnt“, sagt Markus Himmelsbach mit einem Lachen.
Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Seelbacher Gemeinderat hat mit seiner Partei zu einem Radtour von Lahr bis Seelbach geladen – um zu schauen, wo die Wege schon gut ausgebaut und sind und wo es noch Verbesserungspotenzial gibt. Eigentlich hätte auch Staatssekretärin Sandra Boser die Gruppe begleiten sollen, sie musste aber kurzfristig wegen Krankheit absagen. Mit dabei ist allerdings ein Fachmann im Bereich Zweirad: Der grüne Landtagsabgeordnete Hermino Katzenstein ist Sprecher seiner Fraktion für Fuß- und Radverkehr.
Ebenfalls gekommen ist Martin Stehr, Leiter der Abteilung Mobilität und Verkehr der Stadt Lahr. Vor Ort gibt er eine Einführung zur Mobilität vom Bahnhof aus. Gerade zu den Pendlerzeiten herrsche auf Schwarzwald- und Lotzbeckstraße enorm viel Zweiradverkehr. Und die abschließbaren Radboxen am Bahnhof seien sehr beliebt, es gebe eine lange Warteliste. „Wir können aber erst wieder tätig werden, wenn die Rheintalbahn saniert ist“, so Stehr. Sein Wunsch sei ein Fahrradparkhaus mit einer Fahrradtiefgarage.
Die Radler setzen sich vom Bahnhof aus über die Schwarzwald- bis zur Dreyspringstraße auf einem Schutzstreifen entlang in Bewegung. „Ich bin kein Fan von solchen Streifen“, erklärt Katzenstein kurz darauf bei einer Pause. Im Regelfall seien diese relativ schmal. Das führe dazu, dass sich Autofahrer mit dem Außenspiegel an der gestrichelten Linie orientierten, damit werde der Mindestabstand von 1,5 Meter innerorts nicht mehr eingehalten. Er selbst sei eher ein Freund von Piktogrammketten.
Ein besonderes heikler Weg führt wenig später vom Nestler-Carée bis in die Max-Planck-Straße. „Das Stück an der Bundesstraße ist ätzend, da fährt man nicht gerne“, gesteht Stehr. Der Weg am Rewe etwa sei sanierungsbedürftig. Die Richtlinien für den Arbeitsschutz hätten sich aber so verschärft, dass man für die Radwegsanierung eine Fahrbahn komplett sperren müsse. „Das Thema steht seit Jahren auf der Tagesordnung.“
Einige Gefahren an Brücke Richtung Breitmatten
Heikel ist auch die Brücke im Bereich Breitmatten/Schillingsweg über die Schutter. Diese ist relativ eng. Zudem erklärt Stehr, dass auch der Belag rutschig sei. Selbst als Jogger müsse man vorsichtig sein.
Insgesamt laufe die Radverkehrsförderung sukzessive, so Stehr. Er hätte sie gerne etwas schneller, aber an vielen Stellen müsse man doch die eine oder andere Hürde überspringen. Während der Tour spricht er mehrere geplante Projekte an. Dazu gehört die Umgestaltung am Rosenweg. Nach dieser sollen Radfahrer auf einer Fahrradstraße vorberechtigt über die Willy-Brandt-Straße fahren dürfen. Zudem haben viele der Radler Rückfragen zur aktuellen Umleitung für Radfahrer über die B 415 während der Sanierung der Brücke am Wirtschaftsweg Hexenmatt am Ortsrand von Reichenbach (wir berichteten).
Vor dem Max-Planck-Gymnasium und der dortigen Kita kommt das emotionale Thema „Elterntaxi“ zur Sprache. Von Seiten des Landes empfehle man, so Katzenstein, die Einrichtung einer Schulstraße. Das bedeutet, dass der Straßenbereich morgens und mittags für 45 Minuten für den Kfz-Verkehr gesperrt wird. Das erhöhe die Sicherheit. Natürlich brauche es aber auch Möglichkeiten, damit jene, die darauf angewiesen sind, die Kinder anderswo absetzen können.
Letztlich fiel Katzenstein sowohl Positives als auch Negatives auf der etwa 13 Kilometer langen Strecke auf. So sei überall sehr viel Laub auf den Radstreifen oder Radverkehrsanlagen gelegen. Bei Nässe könne das gefährlich werden. Positiv sei etwa, dass der von der Gruppe an der Schutter entlanggeradelte Weg über weite Teile beleuchtet ist. Es sei aber auch wichtig, an Radwegen außerhalb der Stadt, die auch bei Dunkelheit regelmäßig befahren werden, eine Randmarkierung herzustellen.
Himmelsbach zieht am Tag nach der Tour im Gespräch mit unserer Redaktion ein positives Feedback – und freut sich, dass der Landtagsabgeordnete beim abschließenden Gespräch im Schwarzwälder Hof noch Unterstützung für einen potenziellen Radweg parallel zur L 102 hinter Seelbach zugesichert habe. Auch ein Teilnehmer freut sich noch vor Ort: „Wir haben wirklich gute Eindrücke erhalten.“
Zur Person
Hermino Katzenstein ist seit 2016 Abgeordneter im Landtag Baden-Württemberg. Dort ist er neben dem Petitionsausschuss auch Mitglied im Ausschuss für Verkehr. In der Fraktion ist er Sprecher für Rad- und Fußverkehr. Zudem ist er im Radverkehrsverband ADFC seit 2019 Vorsitzender der Bundeshauptversammlung.