Das Lachen ist Tobias Doering gründlich vergangen: Der frühere Top-Schiri und Bezirks-Obmann hat vorerst mit dem Schiedsrichterwesen abgeschlossen. Er kritisiert offen die Arbeitsweise von Ralf Brombacher auf Verbandsebene. Foto: Roger Müller

Der Brigachtäler sagt unter anderem: „Ich bin überzeugt davon, dass eine große Mehrheit den Führungsstil und den Umgang mit den Schiedsrichtern in Südbaden in Frage stellt.“

In der Gütenbacher Festhalle werden die Fußball-Schiedsrichter des Bezirks Schwarzwald am kommenden Freitag, 29. Juni (19 Uhr), ihre Jahreshauptversammlung haben. Es ist die erste, nachdem der langjährige Bezirks-Schiedsrichter-Obmann Tobias Doering im März von seinem Amt überraschend zurücktrat. Seine offizielle Begründung: aus beruflichen Gründen.

 

Inzwischen hat sich der frühere Unparteiische der Regionalliga aus allen Bereichen des Schiedsrichterwesens zurückgezogen. Dies nicht ganz freiwillig. In unserem Interview kritisiert er die Arbeitsweise von Verbandsschiedsrichter-Obmann Ralf Brombacher scharf.

Herr Doering, werden Sie am Freitag in Gütenbach anwesend sein?

Nein, ich habe mich als Schiedsrichter bereits bei unserem Bezirks-Schiedsrichter-Obmann Dominic Staiger abgemeldet und auch für diese Versammlung.

Fiel Ihnen der Abschied als Schiedsrichter-Obmann im Frühjahr schwer?

Selbstverständlich fiel mir die Entscheidung schwer. Sie reifte nicht von heute auf morgen. Es war ein Entscheidungsprozess über mehrere Monate hinweg.

Sie waren anschließend in der vergangenen Saison weiterhin als Schiedsrichter-Beobachter von der Landes- bis in die Oberliga tätig. Nach dem Oberliga-Spiel zwischen dem SV Oberachern und dem FC 08 Villingen soll es bei dem Analyse-Gespräch zwischen dem Schiedsrichter Timon Ulrich (WFV) und Ihnen zu Gesprächs-Inhalten gekommen sein, die die Schiedsrichter-Kommission des Südbadischen Fußballverbandes mit einer Abstimmung dazu bewog, Sie von der Beobachtungstätigkeit freizustellen. Wie haben Sie am 18. Mai den Dialog in der Schiedsrichterkabine gesehen? Ihnen wurde vorgeworfen, dass das Gespräch auch in den verbandspolitischen Bereich abgedriftet wäre.

Zu Beginn eines Coaching-Gesprächs erhält jeder Schiedsrichter von mir die Möglichkeit, eine Selbstanalyse vorzunehmen und seine gezeigte Leistung zu erörtern. Es bleibt festzuhalten, dass die Wahrnehmung und die Beurteilung der gezeigten Schiedsrichterleistung zwischen dem Schiedsrichter und mir in Oberachern ein wenig auseinander ging. Ich habe seine Leistung mit 237 Punkten bewertet. Ein Schiedsrichter steigt mit 240 Punkten in die Spielleitung ein. Die Range bei Oberliga-Schiedsrichtern liegt meist zwischen 230 und 242 Punkten. Bedeutet konkret, dass meine Beurteilung in Oberachern nicht mit sehr gut, aber mit gut attestiert wurde.

 

Anschließend wandte sich der Schiedsrichter Timon Ulrich an die Schiedsrichter-Kommission mit folgendem Anliegen: „Meiner Ansicht nach wäre die Annullierung dieses Skandal-Bogens angebracht und ich bin bereit, mich am letzten Saisonspieltag einer fairen Bewertung zu unterziehen. Zudem hat Doering versucht Internas aus mir rauszuquetschen und hierbei die Arbeit der Schiedsrichter-Kommission schlecht geredet.“

Es erschließt sich mir nicht, weshalb sich der Schiedsrichter zu solchen Falschaussagen hinreißen lässt. Die Behauptungen entsprechen schlichtweg nicht der Wahrheit. Ich weise die Vorwürfe mit Vehemenz zurück. Die Her- und Einleitung in Gesprächsthemen, die beispielsweise mit Politik oder den vergangenen Wahlen des Verbandsschiedsrichter-Ausschusses in Südbaden in Zusammenhang gebracht werden könnten, erfolgten durch den Schiedsrichter. Auf die Frage des Schiedsrichters, ob mein Rücktritt als Bezirksschiedsrichter-Obmann mit der Person Ralf Brombacher und den vergangenen Verbandsschiedsrichter-Wahlen beim Südbadischen Fußballverband in Verbindung gebracht werden können, habe ich weder verneint noch bestätigt. Ich antwortete wie folgt: „Die Thematik gehört der Vergangenheit an und die Sache ist erledigt. Zudem bin ich beruflich sehr eingespannt.“

Als das Gespräch mit dem Schiedsrichter in Oberachern in Richtung politische Themen abzudriften drohte, habe ich ihm gesagt, dass ich zu den beiden Verbandsschiedsrichter-Obmännern Volker Stellmach (WFV) und Rolf Karcher (BFV) jeweils einen sehr guten Draht habe.

Dem Antrag von Schiedsrichter Timon Ulrich auf Annullierung des Bewertungsbogens wurde nicht stattgegeben. Die Schiedsrichter-Kommission bewertete meine Beurteilung als korrekt. Die Vorwürfe, ich hätte die Arbeit der Schiedsrichter-Kommission im Coaching-Gespräch in Oberachern schlecht geredet, nahm man zum Anlass, den Stellungnahmen des Schiedsrichter-Teams zu vertrauen und mich ohne weitere Stellungnahme, ohne eine Ermahnung oder eine Verwarnung als Schiedsrichter-Beobachter zu streichen.

Die Pfeife liegt in der Schublade – Tobias Doering sagt : „Ich kann mich mit dem aktuellen Schiedsrichterwesen unter der Führung von Ralf Brombacher nicht mehr identifizieren.“ Foto: Morat

Waren Sie überrascht von dem klaren Abstimmungsergebnis gegen Sie?

Nicht wirklich. In diesem Ausschuss folgt man der Meinung des Verbandsschiedsrichter-Obmanns Ralf Brombacher, weil man sonst Konsequenzen zu befürchten hat. Deshalb wundert es mich auch nicht, dass einer der zwei Mitglieder aus dem Bezirk Schwarzwald gegen mich stimmte und sich einer enthielt.

Per 30. Juni kündigten Sie auch ihre Tätigkeit als Schiedsrichter im Bezirk Schwarzwald in einem Schreiben an den Schiedsrichter-Obmann Domenic Staiger. Dies auch mit dem klaren Hinweis, dass sich die aus Ihrer Sicht großen Probleme um die Person Ralf Brombacher wohl nicht lösen lassen und Ihnen so komplett der Spaß am Schiedsrichterwesen genommen wurde. Was kritisieren Sie konkret an der Arbeit von Ralf Brombacher?

Es wird mit zweierlei Maß gemessen. Die Schiedsrichter aus seinem Heimatbezirk Hochrhein werden uneingeschränkt bevorzugt behandelt. Verbandsausschuss-Mitglieder werden in wichtige Entscheidungsprozesse nicht mit einbezogen. Der Verbandsschiedsrichter-Obmann entscheidet selbst. Die Senioren-Schiedsrichter erhalten keine Wertschätzung. Ältere Schiedsrichter-Kollegen, die nicht mit einem Handy ausgestattet sind, und somit keinen Zugang zu einem Online-Ausweis haben, müssen sich ihr Ausweisrecht über Scheckkartenformat regelrecht erstreiten.

Glauben Sie, dass einige mehr aus dem Schiedsrichterbereich in Südbaden inzwischen Ralf Brombacher auch kritisch gegenüberstehen?

Ich bin überzeugt davon, dass eine große Mehrheit den Führungsstil und den Umgang mit den Schiedsrichtern in Südbaden in Frage stellt. Im Alter zwischen 25 und 27 Jahren gehörst du in der Verbands- und Landesliga schon zum Perspektivlos-Kader und hast somit wenig bis gar keine Chance mehr aufzusteigen, auch wenn du im Ranking vorne platziert bist.

Sie waren jahrelang ein absoluter Vollblut-Schiedsrichter und sind erst 36 Jahre alt. Werden Sie sich nun komplett vom Fußball verabschieden oder schließen Sie eine Rückkehr irgendwann nicht aus?

Eine Rückkehr als Schiedsrichter schließe ich derzeit aus und widme mich momentan anderen Aufgaben und Herausforderungen im Fußball.