Im Tierheim Rottweil gibt es nicht nur viele Katzen, Hunde und andere Tiere – sondern auch viele Rechnungen, die bezahlt werden müssen. Das Geld wird knapp. „Wir kämpfen ums Überleben“, sagt Günther Hermus, Vorsitzender des Tierschutzvereins. Ein Hilferuf.
Dass im Tierheim Rottweil wichtige Arbeit geleistet wird, ist in der Region unbestritten. Doch der Kampf um die nötigen Gelder und die zunehmend klamme Kasse zermürbt die Tierschützer. Günther Hermus, Vorsitzender des Tierschutzvereins, und Tierheimleiterin Verena Marquardt wenden sich an unsere Redaktion. Sie wollen auf die prekäre Lage aufmerksam machen. Von den Kommunen fühlen sie sich nicht ausreichend unterstützt. Und sie bitten um Spenden.
Während im Hintergrund die Industriewaschmaschine die vielen Tücher und Decken des Tierheims wäscht und eine Mitarbeiterin Futter im großen Katzenhaus verteilt, schildern Hermus und Marquardt die Lage. Im Büro hängt ein Säulendiagramm, dessen Kurve nach oben geht – zumindest bei den Kosten, nicht aber bei den eingehenden Geldern.
Fundtiere sind Aufgabe der Kommunen
Und die, so ihre Forderung, müssen angepasst werden. Es geht um die Fundtiere, die eigentlich Aufgabe der Kommunen sind. „Der Tierschutzverein versorgt und verwahrt die Fundtiere der Stadt Rottweil und der Umlandgemeinden Bösingen, Deißlingen, Dietingen, Dunningen, Villingendorf, Wellendingen und Zimmern. Und diese Dienstleistung kostet Geld“, sagt Hermus. Für Verena Marquardt ist klar, dass dies auch eins zu eins von den Kommunen abgedeckt werden sollte. Dies sei aber nicht der Fall. Man benötige Personal, Futter, tierärztliche Versorgung und vieles mehr. Zehn Mitarbeiter sind im Tierheim im Eschachtal beschäftigt, drei davon Auszubildende.
Tierarztkosten sind explodiert
„Wir müssen immer betteln“, zeigt sich Günther Hermus frustriert. Weil die Tierarztkosten mit der neuen Gebührenverordnung förmlich explodiert seien, habe der Deutsche Tierschutzbund empfohlen, von den Gemeinden 40 Prozent mehr zu fordern. Man habe daraufhin um eine 30-prozentige Erhöhung gebeten. „Und nach einer Wirtschaftsprüfung wurde festgestellt, dass der Tierschutzverein 2021 und 2022 für die Fundtier-Versorgung immer unterbezahlt wurde“, sagt Hermus.
Der Beschluss der Gremien habe dann ergeben, die Pauschale für die Fundtiere einmalig um 30 Prozent zu erhöhen – und dann wieder zurück zum alten Betrag zu gehen. Statt 3,90 Euro Pauschale pro Einwohner sind es dann wieder 3 Euro pro Einwohner. Zu wenig, sagen Hermus und Marquardt.
115 000 Euro aus Rücklagen gestemmt
Dem Bürgermeistern teilt Hermus im März per Mail mit, dass ein Verlust von 115 000 vom Tierschutzverein aus den Rücklagen gestemmt werden musste. Gleichzeitig habe man so viele Katzen wie noch nie zu versorgen gehabt. 272 waren es 2023, zum Vergleich: 2021 waren es 173 Fundkatzen.
Mit Rottweils Bürgermeisterin Ines Gaehn ist Hermus deshalb nicht nur wegen der Kostenfrage, sondern auch wegen einer vom Tierschutzverein dringend geforderten Katzenschutzverordnung in regem Mailkontakt. Denn die Tierschützer sind überzeugt, dass eine solche Verordnung die Zahl der Fundkatzen deutlich reduzieren wird.
Verhängt eine Kommune eine Katzenschutzverordnung, so sind die Besitzer von Freigängerkatzen verpflichtet, diese kastrieren zu lassen, zu kennzeichnen und zu registrieren. In Schramberg habe diese Verordnung immense Wirkung gezeigt. Dass es im Raum Rottweil seit Monaten, oder eher Jahren, nicht vorangeht, können die Tierschützer nicht verstehen.
Bürgermeisterin Gaehn hatte dem Tierschutzverein im Dezember signalisiert, dass man sich dem Thema erst nach der Kommunalwahl widmen könne. Und dass die Verordnung nur Sinn mache, wenn alle beteiligten Gemeinden mitziehen. „Es ist zäh“, sagt Hermus.
Immerhin hat die Stadt mit Hermus nun kurz vor dem Besuch unserer Redaktion einen Termin für den 18. Juni vereinbart, um das weitere Vorgehen abzustimmen.
Bürgermeisterin wundert sich
Auf Nachfrage bei Bürgermeisterin Ines Gaehn zeigt sich diese verwundert, dass sich die Tierschützer von der Stadt nicht genügend unterstützt sehen. Schließlich habe man die 30-Prozent-Erhöhung im Gemeinderat und im Benehmen mit den anderen Kommunen auf den Weg gebracht, und das immer im Spagat zwischen Pflichtaufgaben und dem, was darüber hinaus geht. „Wir setzen uns massiv für die Anliegen des Tierschutzvereins ein“, betont Gaehn.
Und bezüglich der Katzenschutzverordnung sei man im Kontakt mit den anderen Gemeinden. Mit dem Papier sei es aber nicht getan, die Verordnung müsse dann auch umgesetzt werden in den Kommunen, sagt Gaehn. Dafür brauche es Kapazitäten, die angesichts der vielen anderen Aufgaben ebenso knapp bemessen seien wie die Haushaltsmittel, wie sie betont.
Besorgter Blick auf den Kontostand
Günther Hermus wirft derweil einen besorgten Blick auf den aktuellen Kontostand. 15 000 Euro seien es aktuell noch, die nächste Tierarztrechnung mit 7500 Euro ist schon da. Insgesamt brauche man für den Tierheimbetrieb rund 400 000 Euro im Jahr, sagt er. Die Hälfte des Geldes komme derzeit von den Kommunen. Der Anteil der Fundtiere betrage aber 60 bis 70 Prozent – also, so schlussfolgern Hermus und Tierheimleiterin Marquardt, sollte so hoch auch die Beteiligung der Kommunen ausfallen.
Kreistierheim im Gespräch
Da das Tierheim Rottweil überhaupt das einzige im Kreis ist, das auch Hunde aufnimmt, gibt es Überlegungen, es als Kreistierheim aufzustellen, sagt Hermus. Doch auch hier ist der Weg kompliziert.
Spendenaufruf
Aktuell hoffen die Tierschützer auch verstärkt auf Spenden aus der Bevölkerung. Weitere Investitionen wie der Umbau des Altbaus stehen an. „Wir haben einfach zu wenig Platz“, sagt Vanessa Marquardt. Im Hundehaus gibt es viele ältere Tiere, die schon lange auf einen neuen Besitzer warten. Vom voll belegten Katzenhaus ganz zu schweigen. Die Tierschützer wissen auch, dass sie der Kritik ausgesetzt sind, zu viel für die Tiere zu tun. „Aber wenn ein Tier krank ist gibt es keine Alternative. Dann muss der Tierarzt nach ihm schauen“, sagt Hermus. Und Verena Marquardt versichert: „Wir machen nichts, was nicht wirklich nötig ist.“
Info
Kontakt zum Tierheim und zu Spendenmöglichkeiten ist über die Homepage www.tierschutzverein-rottweil.de oder über Telefon 0741/1 39 59 möglich.