Zum Aufstellen des Zaunes erschienen weit mehr Helferinnen und Helfer, als die Initiatoren erwartet hatten. Foto: Privat

Bei der ersten Krötenschutzaktion in Burladingen-Stetten wurden rund 1000 Tiere vor dem Überfahren bewahrt. Ein Erfolg. Auch auf menschlicher Ebene.

Der 200 Meter lange Zaun am Wald zwischen Stetten und Hörschwag oberhalb der Landesstraße L 385 wurde vor etwa 14 Tagen abgebaut. Die Barriere sollte Kröten und andere Amphibien davon abhalten, während der Paarungszeit über die stark befahrene Straße zu krabbeln – wo sie überfahren werden.​

 

Der Hochzeitszug der wechselwarmen Tiere hält weiter an. Die Wanderung wird sich auch über den Sommer hinweg fortsetzen. Doch nach dem ersten heftigen Ansturm im Februar, der wenige Tage anhielt und später nochmals unvermutet ebenso heftig wiederkehrte, handelt es sich jetzt um Nachzügler. Das Aufkommen hat also abgenommen. Zudem kann die Helfertruppe um den Stettener Rainer Schäfer die Zaun-Kontrolle nicht unbegrenzt in dem geleisteten Ausmaß fortsetzen. „Das ist personell einfach nicht machbar“, sagt Schäfer, der beruflich als Förster und Revierleiter in Albstadt-West tätig ist.

Täglich inspizierten er und engagierte Helferinnen und Helfer über sechs Wochen hinweg frühmorgens und in Nachtstunden den Zaun mit den in Abständen in die Erde eingelassenen 25 Eimern. Auf ihrer Suche nach einem Durchschlupf plumpsten die Kröten in die Behälter. Sie wurden dann von den Helfern bei ihren Inspektionen von dort herausgenommen und unbeschadet über die Straße an die darunter liegende Lauchert gebracht. Der Zaun ist auch deshalb nicht mehr so dringend notwendig „weil die Temperaturen steigen. Da sind die Tiere schneller unterwegs. Die Gefahr, dass sie allzu lange duppelig auf der wärmeren Fahrbahn hocken bleiben, sinkt“, erklärt Schäfer.

„Ein tolles Ergebnis“

Die Rettungsaktion zwischen Hörschwag und Stetten fand in diesem Frühjahr zum ersten Mal statt. In den sechs Wochen zählten Schäfer und seine Leute 350 zerquetsche Amphibien. Es dürften viele weitere gewesen sein, die es nicht über die Straße geschafft haben: „Wenn das zweite Auto über die Reste drübergerollt ist, findet man nichts mehr von ihnen.“ Die Gesamtzahl getöteter Tiere lässt sich also nur schätzen. Ganz genau weiß Schäfer jedoch, wie viele man in den ersten Wochen vor dem Plattwalzen bewahren konnte. 530 hat die Truppe aus den Eimern, am Zaun und auf der L 385 aufgesammelt. „Das ist ein tolles Ergebnis und freut uns alle.“

Fast ein wenig bewegt ist der Förster angesichts der Unterstützung, die dem Projekt zuteil wurde. Die Anregung dazu gab seine Nichte Julia Glatt-Lebherz. Im weiteren Verlauf kam der Kontakt mit dem Naturschutzbund Nabu und zur Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes zustande. Von dort stellte man den Zaun und weitere Ausrüstung zur Verfügung. Die örtliche Forstverwaltung unter Revierleiter Tobias Speidel – sie war zu der Zeit mit Waldarbeiten in dem Gebiet beschäftigt – half bei den Vorbereitungen im Gelände.

Fast doppelt so viele Helfer

Dass sich jedoch 25 Bürgerinnen und Bürger aus Stetten und umliegenden Gemeinden in die Aktion einbrachten – das hätten Schäfer und die anderen Initiatoren nicht erwartet. Beim Aufbau des Zaunes rechneten sie mit fünf Helfern, parat standen an zwei Tagen jeweils fast doppelt so viele. „Die meisten der Leute kannte ich zwar, aber kennengelernt habe ich sie erst jetzt“, so der Stettener. Es sei schon erstaunlich, erzählt er, wenn man nachts einen nochmaligen Kontrollgang unternehme und unverhofft auf einen Mitstreiter treffe, der ebenfalls nach dem Rechten sehen möchte. „Da merkt man plötzlich, was man vorher gar nicht wusste: dass man sich für dieselben Dinge interessiert und einsetzt.“

Noch immer machen sich einzelne aus der Gruppe auf den Weg, darunter Schäfer selbst. Das hat die Bilanz verschoben. Eingesammelt wurden bis dato 850 Tiere, die Gesamtzahl der gesichert Überfahrenen dürfte sich auf 500 erhöht haben. Rechnet man bei den Getöteten eine „Dunkelziffer“ hinzu, waren in dem überschaubaren Gebiet ungefähr 1500 Kröten in diesen wenigen Wochen unterwegs gewesen. „Das sind enorm viele“, meint der Stettener sagen zu dürfen.

Die Aktion soll im kommenden Jahr wiederholt werden. Wenn möglich auf einer verlängerten Strecke in Richtung Hörschwag. Wie sich zeigte, ist die Wanderungsbewegung dort weitaus größer als vermutet.

Sorgfältig dokumentiert

Als weitere Unterstützerin hat Ortsvorsteherin Sandra Schäfer den gesamten Einsatz dokumentiert und die erwähnten Zahlen und Beobachtungen an die Naturschutzbehörde weitergeleitet: Einsatzzeiten (rund 120 Arbeitsstunden dürften zusammengekommen sein), wann wie viele Tiere eingesammelt wurden oder welche Temperaturen an diesen Tagen herrschten. Damit verbunden die Feststellung, dass ausschließlich Erdkröten gefunden wurden, im Verhältnis drei Männchen, ein Weibchen.

Während der Hauptzeit der Krötenwanderung war die Geschwindigkeit auf der L 385 zwischen Stetten und Hörschwag auf Tempo 50 reduziert. Viele Autofahrer hielten sich daran gehalten. Und haben Schäfer und anderen obendrein beim Vorbeifahren einen Anerkennungs-Daumen zugestreckt. Viele andere haben sich freilich nicht daran gehalten.

„Die rasen gnadenlos durch.“ Hochgefährlich – nicht nur für die Kröten, sondern ebenso für die Helfer. Schön wäre es, wenn Autofahrer auch in kommenden Monaten daran denken, dass auf der Strecke Lebewesen unterwegs sein können.

Wertvoller Bestandteil

Schädlingsvertilger
 Kröten spielen eine bedeutende Rolle im ökologischen Gleichgewicht. Die warzigen Krabbler gelten als Schädlingsbekämpfer, weil sie Nacktschnecken, Käfer, Asseln und Raupen vertilgen. ​