Der Fischotter kehrt zurück. Seit einigen Jahren ist das scheue Tier auch im Schwarzwald-Baar-Kreis anzutreffen. Foto: strichpunkt/Pixabay

Tiere, die viele Jahre in der Region nicht mehr gesehen wurden, siedeln sich wieder an. Jüngstes Beispiel ist ein Wolf bei Donaueschingen. Auch der Fischotter ist angekommen.

Andreas Farsang aus Furtwangen möchte genauer untersuchen, wo die Fischotter im Raum Schwarzwald-Baar beheimatet sind.

 

Hierzu ließ er sich kürzlich im Otter-Zentrum in Hankensbüttel in einem Wochenendkurs zum ehrenamtlichen Otter-Spotter ausbilden.

In der hiesigen Region wird er vor allem in der Zeit zwischen Oktober und März auf Spurensuche gehen. In einem standardisierten Vorgehen schaut er in zehn mal zehn Kilometer großen Planquadraten an Kreuzungspunkten von Brücken und Fließgewässern nach Spuren, seien es Trittspuren oder Kot, sogenannten Losungen. Die Otter selbst seien sehr scheu und nachtaktiv, deshalb nur schwer zu Gesicht zu bekommen. Bei Bedarf könnten auch Fotofallen aufgestellt und die Tiere zumindest fotografisch festgehalten werden.

Sechs gesicherte Nachweise

Die Anglervereinigung Donaueschingen-Pfohren ist bereits fündig geworden. Vorsitzender Werner Mattes spricht von sechs über einen Gentest nachgewiesenen Tieren im Bereich zwischen Geisingen und Donaueschingen, drei weiblichen und drei männlichen Ottern, die sich auch vermehrten. So seien in den Fotofallen auch schon Familien entdeckt worden. Mattes erwähnt das Bild einer Fähe (weibliches Tier) mit zwei Jungen. Erste Sichtungen vor Ort habe es bereits vor etwa sieben Jahren gegeben.

Die Genetik der sechs Tiere zeige eine nahe Verwandtschaft untereinander und dass ihre genetischen Wurzeln in Österreich oder Bayern liegen.

Andreas Farsang ist nun Otter-Spotter. Foto: Farsang

Die Rückkehr von Tierarten wie Biber, Wolf und Otter biete auch Konfliktpotenzial, weiß Farsang. So könne sich der Otter in Fischteichen bedienen. Aber Farsang ist zuversichtlich: „Es gibt für alles eine Lösung. Man muss es halt wollen.“ So erwähnt er Zäune mit einem stromführenden Draht als Beispiel, wie Otter abgehalten werden könnten. Der Naturschützer spricht sich für ein Miteinander aus. In Osteuropa beispielsweise werde das Vorkommen von Bären und Wölfen eher akzeptiert. Die Bevölkerung sei daran gewöhnt.

Hier hört Miteinander auf

Wo für ihn das Miteinander aufhört, ist aber bei invasiven Arten wie der asiatischen Hornisse, die kürzlich in Bräunlingen gesichtet wurde. Hier sei schnelles Handeln und deren Beseitigung wichtig, um die heimischen Honigbienen nicht zu gefährden.

Kormoran häufiger

Vorsitzender Mattes von der Anglervereinigung Donaueschingen-Pfohren meint, dass Tiere wie Otter, Kormoran und Gänsesäger ihren Platz in der heimischen Natur hätten. Je nach Häufigkeit gebe es Auswirkungen auf den Fischbestand. Hier erwähnt Mattes vor allem den Kormoran, der im Bereich Donaueschingen sehr zahlreich vertreten sei. Es gebe bis zu 60 Brutpaare. Wenn der Bestand überhand nähme, sollten auch Maßnahmen zur Vergrämung erlaubt werden, hofft Mattes. Das Otter-Vorkommen halte sich noch in Maßen.

In einer Fotofalle festgehalten: Einer der Otter bei Donaueschingen ist hier zu sehen. Foto: Werner Mattes

Möglichkeiten zur Vergrämung des Kormorans hat bereits der Angelsportverein (ASV) Vöhrenbach an der Linachtalsperre versucht. Mit mehr oder weniger Erfolg. Wie der Vorsitzende Thomas Duschl informiert, habe der Verein das aus dem Wasser herausragende Totholz entfernt, das der Kormoran gerne als Sitzgelegenheit nutzte. Im Wasser verbleibende Baumstümpfe seien an der Oberfläche mit Nägeln versehen worden – mit der Spitze im Holz und dem flachen Ende nach oben. Schließlich solle der Kormoran nur vergrämt werden, nicht verletzt, erklärt Duschl.

Kormoran scheut Publikum

Der Erfolg habe sich jedoch in Grenzen gehalten. Kormorane wären vermehrt auf die Stauwehrmauer ausgewichen oder würden sich trotzdem auf den genagelten Baumstümpfen niederlassen. Nun wolle der ASV bei Niedrigstand des Stausees die Baumstümpfe weiter kürzen, so dass dem Vogel das Stehen auf den Baumsockeln noch schwerer oder bei höherem Wasserstand unmöglich gemacht werde. An die sechs Kormorane seien häufig am Stausee anzutreffen. Aber das seien alles Tagesgäste oder welche auf der Durchreise. Brüten würden keine vor Ort. „Wir haben keine Nester festgestellt“, so Duschl. Die Vögel würden den Publikumsverkehr am Stausee scheuen. Von Fischottern am Stausee ist ihm nichts bekannt. Es habe jedoch vor etwa einem Jahr eine Sichtung an der Breg in der Nähe des Furtwanger Bregtalbades gegeben. Es sei vermutet worden, dass es sich um einen Otter handelte. Mattes aus Donaueschingen ergänzt, dass Otter bis Hammereisenbach entdeckt wurden.

Menschlicher Einfluss

Er betont auch, dass es nicht nur die genannten Tiere wie Otter und Kormoran seien, die den Fischbestand reduzieren könnten. Es seien auch menschengemachte Umstände wie Klimawandel, höhere Wassertemperaturen sowie begradigte Flussläufe mit wenig Beschattung, die sich negativ auf den Fischbesatz auswirken würden. Die Pflegemaßnahmen durch Angelvereine vor Ort, sei es mit der Schaffung von Strukturen im Wasser, die Fische zum Rückzug verwenden oder Jungfische als Schutz dienen könnten, seien wichtig. Das Angeln sei vielleicht nicht mehr so einfach wie vor 20 Jahren. Aber es gebe für sie immer noch genug Fisch in der Region. Hilfreich sei ein Wissen über die Fischgewässer und die Erfahrung, wo Fische anzutreffen seien.

Weitere Informationen unter www.otterspotter.de, www.asv-vöhrenbach.de, www.avdonaueschingen-pfohren.de