In Hirsau hat der Nabu einen „Artenschutzturm“ aufgebaut, mit Nistplätzen für Vögel und Fledermäuse. In direkter Nachbarschaft richten sich bereits Jahr für Jahr Schwalben ein.
Die Grünanlagen zwischen dem Wohnmobilstellplatz „Flößerwasen“ und dem Nagoldufer entwickeln sich zunehmend zum Paradies für Vögel, Insekten und sonstiges Getier. Der Naturschutzbund (Nabu) Calw hat dort nun einen 7,20 Meter hohen Artenschutzturm aufstellen lassen. Dieser bietet Nistmöglichkeiten für Mehlschwalben, Mauersegler, Sperlinge, Stare und verschiedene Fledermausarten.
Die Hirsauer Ortsvorsteherin Jacqueline Jacob dankte im Namen der Stadt Calw für das große Engagement vieler Mitwirkenden, damit ein „weiteres stimmiges und passendes Angebot an diesem Platz entstehen konnte.“ Ist es doch nicht das erste Angebot für Tiere zwischen dem Wohnmobilstellplatz und der Nagold. Aufklärende Hinweistafeln sowie ein großes Insektenhotel zeugen von der Besonderheit dieses idyllischen Plätzchens.
Über zwei Stunden dauerte es, bis das sechseckige „Vogelhäuschen“ fertig montiert war. Zeit genug für interessierte Beobachter, darunter viele aktive Nabu-Mitglieder, auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit einer solchen Maßnahme hinzuweisen.
So erzählte Vorstandsmitglied Siegfried Beck eine Geschichte aus dem fernen China, als man Finken als störend empfand und ausrottete. Mit der Folge, dass ihre nützliche Eigenschaft, Schädlinge zu fressen, weg war. Ein typisches Beispiel, wie Menschen das homogene Öko-System, in dem alles mit allem zusammenhängt, gestört und zerstört wurde, erklärte er, und sich der Mensch am Ende selbst schädigte.
Dass nun ein Turm in dieser Dimension in Hirsau seinen Platz fand, ist ein Verdienst von Klaus Morgeneier-Hammes. Dieser, selbst Imker und Naturfreund und somit sehr stark an dem Erhalt des heimischen Ökosystems interessiert, gewann durch einen „Blick in die Zukunft“ die Idee zu diesem Schritt.
Nistkästen bieten 200 Schwalben Schutz
Momentan lebt in der unmittelbaren Nachbarschaft der 78-jährige Günther Kluge, der an seinem Haus 14 Nistkästen befestigt hat. So bietet er Jahr für Jahr 200 Schwalben Schutz. Doch diese Maßnahme ist endlich. „Angenommen ich bin oder kann nicht mehr – die Jungen haben da keine Lust dazu. Zu viel Dreck“, sagt Kluge.
„Dass die Schwalben überhaupt nicht mehr in der Lage sind, selbst in ausreichendem Maße Nistmöglichkeiten zu schaffen, hängt unter anderem mit der Kalkarmut auf heimischen Böden und Wegen zusammen,“ weiß Kluge.
Aber noch geht ihm das Herz auf, wenn die Schwalben nach dem Winter wieder zwitschern. Der begeisterte Vogelzüchter öffnet „ jedes mal eine Flasche Sekt, sobald die ersten Tiere im Frühjahr auftauchen und die Nistkästen belagern.“
Sofort, nachdem die Idee des Artenschutzturmes geboren war, fingen die Calwer Naturfreunde vom Nabu Feuer und erkundigten sich nach Möglichkeiten. Aufgrund ihres Förderantrages werden 80 Prozent der Kosten (16 000 Euro) durch die „Leader“-Aktionsgruppe Nordschwarzwald und das Land Baden-Württemberg im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ gefördert.
16 000 Euro scheint auf den ersten Blick eine Menge Geld zu sein. „Doch ist es der Porsche unter den Artenschutzhäusern,“ zeigt sich Renate Fischer vom Calwer Nabu-Vorstand samt Kollegin Ilse Sommer voller Freude und Stolz. „Hier finden mehrere Vogelarten gleichzeitig ihren Schutz.“
Vögel sollen mit „Klang-Attrappe“ angelockt werden
Wer genau hinsieht, erkennt, dass ein Technikkasten am Mast angebracht ist. Im Frühjahr werden die Nabu-Tierfreunde dort einen Schalter umlegen. Dann wird eine „Klang-Attrappe“ Schwalben und Co. mit Tönen anlocken. Die Energie bezieht das Gerät durch eine kleine Solaranlage. Fischer nahm symbolisch den Schlüssel der Anlage entgegen.
Nun freut man sich auf das kommende Frühjahr, wenn die ersten Vögel ihre Zwitscher-Lieder in Hirsau anstimmen. Ob sie dann sofort das neue „Hotel“ im Artenschutzturm beziehen oder wieder beim Nachbarn Günther Kluge einziehen, bleibt spannend. Vielleicht vermehrt sich auch sofort das zahlenmäßige Vorkommen der Tiere so stark, dass beide Unterkünfte belegt sein werden.