Ja Gott sei Dank, all meine Schlüssel zu den Geldverstecken sind noch da – „Der Entaklemmer“ feierte auf dem Horber Marktplatz Premiere. Foto: Peter Morlok

Der Theatersommer 2025 feierte am Samstagabend auf dem oberen Marktplatz Premiere.

Grob gezählt 120 Zuschauer erlebten am Samstagabend eine grandios aufspielende Dorothee Jakubowski, die zeternd und misstrauisch gegenüber jedem und allem darauf achte, dass ja nichts wegkommt. Kein Geld, kein Essen, kein Gefühl, noch nicht einmal der zusammengekehrte Dreck von der Straße, den man im Winter ja noch zu streuen brauchen kann – eben kein Garnichts. Sie spielte die Entaklemmerin Karlene Knaup, die nicht aus Gebenhausen, sondern aus Holenbach stammt, als wäre ihr die Rolle auf den Leib geschrieben worden.

 

„Unsere Mutter ist so sparsam, dass die Mäus mit verheulten Augen vom Dachboden runterkommen“, klagte Sohn Alois und Tochter Hilde wusste: „Spara lernt man von de reiche Leut, kocha von de Arme.“

Lecker Abendessen bei Knaups - die Paare bilden sich und Mutter und Tochter streiten um den selben Mann. Foto: Peter Morlok

Sparsamkeit ist bekanntermaßen eine schwäbische Tugend und entsprechend bemüht waren auch die Schauspieler, ihre teils recht herzhaften Dialoge in genau diesem, ach so charmanten Dialekt, über die Lautsprecher zu schicken.

Gier nach Geld undBesitztümern

Im Spiel selbst geht es um Liebe, Geiz, Einsamkeit und schwäbischem Eigensinn. Eine Mischung, die heiter verpackt, die Fallstricke aufzeigt, die von der Gier nach Geld und Besitztümer ausgehen.

„Du heiratest die reiche Frau Hurlebaus, i den junga Marian - aus, basta.“ Foto: Peter Morlok

Wie im Programmheft angekündigt, geht das Stück in die Tiefe. Es zeigt die Lächerlichkeit des reinen Materialismus und setzt als Gegenpol die Ehrlichkeit und die Liebe und der große Wunsch nach Selbstbestimmung, Heimat und Ankommen.

Doch bis es am Ende so weit ist, geht ordentlich Wasser den Neckar runter und so manche Charaktere versucht, nicht nur an das Geld von Karlene Knaup zu kommen.

Die verknallte Tochter Hilde

Da ist Eugenia, die Hausverwalterin, die ihrer Chefin immer schön „nach der Gosch schwätzt“ und so von der Karlene die ganze Gewalt über deren Sohn – in den sie natürlich verliebt ist – bekommt.

Für seine Liebe muss man etwas tun - und sei es auch nur Intrigen zu spinnen. Foto: Peter Morlok

Auch Tochter Hilde ist verknallt. Und das ausgerechnet in Marian, den jungen Mann, den die Heiratsvermittlerin Leonore Liebstock für eine erhoffte, doch nie erhaltene Provision, an die – sagen wir mal, nicht gerade attraktive – Karlene vermitteln will. Allein das wäre schon Konfliktpotenzial für ein abendfüllendes Programm, doch es kommt noch besser (oder schlimmer).

Ein sittenwidrigerLeihvertrag

Plötzlich kommt ein unbekannter Geldgeber ins Spiel, der der Tochter gegen ein paar unbedeutende Bedingungen 10.000 Mark leihen möchte, damit sie ihren Marian von der Mutter freikaufen kann. Beim genauen Hinschauen entpuppt sich der Vertrag als derart sittenwidrig, dass selbst die ach so verliebte Tochter nur den Kopf schütteln kann und bei einem Zinssatz von 25 Prozent erst mal der Mutter das Feld überlassen musste.

Heiratsvermittlerin Leonore Liebstock macht Werbung unter den Zuschauern. Foto: Peter Morlok

Natürlich war Karlene die anonyme Geldgeberin, die zusammen mit dem windigen Notar Viktor Übelmesser diesen Vertrag ausgearbeitet hatte. Bei einem Abendessen, zu dem Karlene, ganz gegen ihre sonstigen Gewohnheiten – „kommen se kurz nach dem Kaffee, dann sen se zum Vesper wieder zu Hause“ – einladen musste, eskalierte das Ganze dann doch derart, dass die gute Entaklemmerin sogar vergaß, über den halben Marktplatz zu rennen, um nach ihrem im Garten vergrabenen Geld zu schauen.

Auch der Marktplatz und passend zum Liebesdrama das Standesamt wurden in Szene gesetzt. Foto: Peter Morlok

Wie das Stück ausgeht? Das wird an dieser Stelle nicht verraten, doch es gibt noch reichlich Gelegenheit, sich das Stück selbst anzusehen.

Weitere Informationen unter: www.daschamaeleon.de