Nach dem großen Erfolg von „Alte Sorten“ startet das Zimmertheater Rottweil mit „Who the Fuck is Kafka“ am 21. März in die neue Spielzeit. Was der Titel wirklich mit Kafka zu tun hat, verraten Bettina Schültke und Peter Staatsmann.
Das Thema Judentum und deutsche Geschichte haben die beiden Zimmertheater-Intendanten Bettina Schültke und Peter Staatsmann aufgrund einer Projektförderung gewählt, sagen sie im Gespräch. „Wir wollten das Thema erst selbst entwickeln, haben dann aber gemerkt, dass es sehr komplex, schwer und eigentlich uferlos ist“, schildert Staatsmann. Und so seien sie auf den Roman der israelischen Schriftstellerin Lizzie Doron gestoßen, die in ihrem Roman über das kafkaesk-reale Leben im Nahostkonflikt geschrieben hat. „Und die Geschichte ist spannend“, meint Bettina Schültke.
Auf einer Friedenskonferenz in Rom haben sich die Israelin Lizzie und der Palästinenser Nadim Abu Hanis getroffen. Sie ist erfolgreiche Schriftstellerin, er Menschenrechtsaktivist und Fotograf. Sie beschließen ein gemeinsames Projekt: Sie wollen das Leben des jeweils anderen kennenlernen und es dann in einem Buch und in einem Film veröffentlichen. Schnell merken sie, dass sie „dieselbe Irrenanstalt bewohnen, nur in verschieden geschlossenen Abteilungen“. Das kafkaeske tägliche Leben lässt sie das Projekt fast aufgeben.
Immer wieder scheitern
Doron, die 1953 in Tel Aviv geboren wurde, zeigt die Ängste der beiden, die Probleme, sich aufeinander einzulassen, die unterschiedliche Sicht auf Shoah und Naqba, die große Katastrophe, wie die Palästinenser die Folgen des 48er-Krieges nennen. „Sie wollen Freunde werden, scheitern aber immer wieder an der Vergangenheit“, erklärt Schültke.
Das Buch wie das Theaterstück bringt Außenstehenden die Schwierigkeiten des Nahostkonfliktes auf sehr persönliche Weise näher. Sicherlich eine Herausforderung für die Schauspieler Valentina Sadiku, Peter Haug-Lamersdorf und Natalja Althauser. Auch Clown Mario Schnell ist wieder mit dabei und bringt absurde kafkaeske Clownerie ein.
Das Thema ist aktueller denn je, „es geht unter die Haut und ist dramatisch“, verrät Staatsmann. Mit Kafka an sich habe es aber nichts zu tun, sondern vielmehr mit der Art seiner Schilderungen, die oft absurd, auf rätselhafte Weise unheimlich oder bedrohlich seien. „Aber trotz der Schwere des Themas hat das Stück etwas Leichtes und Witz“, verrät Schültke. „Man bekommt auf einfühlsame Weise die kafkaeske Welt aufgezeigt, in die sich unsere Welt gerade zu verwandeln scheint“, so Staatsmann.
Die Premiere findet am Freitag, 21. März, ab 20 Uhr im Zimmertheater statt. Karten gibt es im Vorverkauf in der Buchhandlung Klein und in der Tourist-Info.
Sommerstück in Planung
Auch das Sommerstück, das im Bockshof aufgeführt wird, ist bereits in Planung, verraten Schültke und Staatsmann. Gespielt wird „Tartuffe“ von Molière. Die in Verse verfasste Komödie über den Betrüger Tartuffe im Bockshof auf die Bühne zu bringen, darauf freuen sich die beiden Intendanten bereits, und es werden auch wieder bekannte Gesichter im Ensemble dabei sein, etwa Mailin Klinger, Ulrich Kuhlmann und einige weitere. „Es ist schön, dass alle wieder hier spielen wollen“, freut sich Peter Staatsmann über die Verbundenheit der Schauspieler mit Rottweil und dem Theater.
„Tartuffe ist eine überdrehte Komödie und gehört zum Besten der Weltliteratur. Und: Das Sommerstück muss Spaß machen“, schwärmt er weiter. Premiere feiert das Sommerstück am Donnerstag, 16. Juli, ab 20 Uhr im Bockshof.
www.zimmertheater-rottweil.de