Am Bahnsteig in Weil der Stadt startete die Probefahrt, vorerst noch mit einem Dieselzug. Foto: Felix Biermayer

Seit Samstag läuft der Testbetrieb auf den reaktivierten Gleisen der Calwer Hesse-Bahn. So lief die erste große Probefahrt.

Nach vielen Jahren ist es soweit. Allen Kostensteigerungen, politischen Diskussionen und Artenschutzvorgaben zum Trotz beginnt nun der Testbetrieb auf der Strecke der Hermann-Hesse-Bahn (HHB).

 

Nachdem bereits im Dezember erstmals ein Zug über die sanierten Gleise rollte, finden seit Samstag die regelmäßigen Probefahrten statt.

Denn am 31. Januar steht die offizielle Eröffnung für die Allgemeinheit an. Und bis dahin soll alles rundlaufen.

„Leuchtturm für die Region Calw

Am Samstag waren zwei Männer vor Ort, die das Projekt Hesse-Bahn seit vielen Jahren begleiten: Landrat Helmut Riegger und Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne). Und beiden war die Freude über den nächsten großen Schritt anzumerken.

Riegger sprach von einem „Leuchtturm für die Region Calw”. Die HHB werde ein großer Erfolg. Man habe lange daran gearbeitet, sagte Hermann. „Ich bin sehr glücklich, dass es jetzt klappt“, so der Minister.

Auch die Bürgermeister der beteiligten Kommunen waren im Zug dabei: Florian Kling (Calw), Rüdiger Klahm (Althengstett) und Ryyan Alshebl (Ostelsheim). Für Kling war es das Ende eines „Jahrhundertprojekts“.

Alshebl sah einen großen Tag für seine Gemeinde, aber auch den Landkreis. Für Klahm war ein „Meilenstein“ geschafft.

Fahrt dauert künftig 18 Minuten

Die Fahrt am Samstag lief überwiegend rund. Der Zug startete um 12 Uhr in Weil der Stadt. Rund eineinhalb Stunden später kam die Bahn in Calw an. Weil sich die Fledermäuse erst an den Zug gewöhnen sollen, muss er in den Tunneln langsamer fahren.

Außerdem stand auf der Fahrt die technische Abnahme des Stellwerks, der Weichen, der Signalanlage und dreier Bahnübergänge an. Das verlängerte die Fahrzeit ebenfalls. Auch, weil manche Weiche nicht sofort funktionierte oder an den Bahnhöfen lange gehalten wurde.

Im regulären Betrieb wird die Hesse-Bahn für die einfache Strecke von Weil der Stadt nach Calw 18 Minuten brauchen. Zum Vergleich: Auf der aktuellen Buslinie dauert die Fahrt 25 Minuten, mit dem PKW sind es etwa 20 Minuten. Doch sowohl Auto als auch Bus sind vom Verkehr abhängig.

Und der stockt zum Feierabend in Calw gerne. Dieses Problem hat die Bahn nicht. Die 18 Minuten erreicht die HHB aber wohl erst im April. Bis dahin werden Restbauarbeiten erledigt und es gilt eine Schonzeit für die Fledermäuse. Und erst ab Juni fährt die Bahn dann auch bis Renningen durch.

Am Samstag ging es nach einem kurzen Aufenthalt in Calw für den Zug und wieder zurück nach Weil der Stadt. Und neben der Freude über die endlich fahrende Bahn konnten die Passagiere die Aussicht genießen.

Die Bahn schlängelt sich aus dem Nagoldtal über die Fuchsklinge durch Wald und Tunnel nach Heumaden empor. Über die blaue Bay-Brücke geht es Richtung Althengstett und durch einen weiteren Tunnel schließlich nach Ostelsheim.

Von dort fährt die HHB durch den neuen Tunnel, der die Hacksbergschleife abkürzt, schließlich nach Weil der Stadt. Die Strecke hat ihren optischen Reiz. Den Einheimischen ermöglicht sie neue Perspektiven auf die Gemeinden entlang der Gleise.

Hohe Kosten

Die führen vorbei an neuen Haltepunkten, Parkhäusern und -plätzen sowie der Zwei-Kammer-Lösung für die Fledermäuse. Der Artenschutz hat sich unter den Projektbeteiligten über die Jahre zum Reizthema entwickelt.

Denn der gesetzlich vorgeschriebene Schutz der Fledermäuse hat das Projekt erheblich verzögert und verteuert. Eigentlich hätte die Bahn schon 2018 rollen sollen. Nun dauerte es knapp acht Jahre länger. Und statt der ursprünglich unter 50 Millionen Euro kostet das Projekt nun rund 240 Millionen Euro.

Allein rund 85 Millionen Euro davon kostet der Artenschutz. Für den Landkreis Calw und den Zweckverband gibt es immerhin eine positive Nachricht. Denn Bund und Land beteiligen sich voraussichtlich an den Bau- und Planungskosten zu 90 Prozent.

Fahrpraxis für Lokführer

Am Wochenende verkehrt auf der Strecke ein Dieselzug des Typs Regio-Shuttle, erklärte Zweckverbands-Geschäftsführer Frank von Meißner. Ab Montag seien dann die neuen batterieelektrischen Mireo-Züge unterwegs. Diese fahren künftig auch im Regelbetrieb.

Die Lokführer werden nun auf diesen Zügen geschult, so von Meißner. Rund 90 Fahrten gebe es bis zum offiziellen Start, auch nachts.

Wichtig für die Menschen ist aber vor allem eines: Aufpassen an den Bahnübergängen und den Gleisen. Denn wo bisher jahrzehntelang Ruhe herrschte, sind künftig wieder Züge unterwegs.