Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum ist ein schwieriges Thema – auch in Enzklösterle, wo es seit 2016 keinen Arzt mehr gibt. Abhilfe soll jetzt das Telemedizin-Projekt Ambigoal bringen.
Was lange währt, wird endlich gut – unter diesem bekannten Motto könnte auch das Telemedizin-Projekt Ambigoal stehen. Jetzt aber kann Bürgermeisterin Sabine Zenker verkünden: „Die digitale medizinische Sprechstunde in Enzklösterle startet – ein innovativer Schritt für die Gesundheitsversorgung vor Ort.“
Bereits seit mehr als drei Jahren arbeitet die Gemeinde Enzklösterle an dem Projekt, mit dem eine medizinische Versorgungslücke geschlossen werden soll. 2016 war der einzige Arzt der Kommune verstorben und alle Versuche, eine neue Praxis anzusiedeln, scheiterten.
Der damalige Bürgermeister Sascha Dengler sah Anfang 2022 in Ambigoal die Chance, die Telemedizin als Unterstützung für die hausärztliche Versorgung aufzubauen.
Ein Jahr später, im Januar 2023, konnte die neue Bürgermeisterin Sabine Zenker die medizinischen Geräte in Empfang nehmen. Was noch fehlte, waren geschulte Ärzte.
Medizinische Versorgung
Jetzt, mehr als zwei Jahre später, ist es nun also so weit: „Die Gemeinde Enzklösterle bietet ab sofort eine digitale medizinische Sprechstunde im Rathaus an“, sagt Zenker in einer Mitteilung der Gemeindeverwaltung. Damit werde „Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben, hausärztliche Beratungen bequem per Videosprechstunde in Anspruch zu nehmen“, so Zenker weiter. Ziel des Projekts Ambigoal sei es, die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen zu verbessern und Wege zum Arzt zu verkürzen.
„Gerade in Gemeinden ohne eigene Arztpraxis stellt die medizinische Versorgung eine große Herausforderung dar. Mit der digitalen Sprechstunde schaffen wir eine innovative Lösung, um unseren Bürgerinnen und Bürgern eine wohnortnahe und unkomplizierte ärztliche Betreuung zu ermöglichen“, so Zenker weiter.
Auch die ersten Termine für die digitale Sprechstunde stehen fest, weitere sollen folgen. Los geht es am Dienstag, 11. März, von 9 bis 10 Uhr, zweiter Termin ist am Dienstag, 18. März, ebenfalls von 9 bis 10 Uhr. Wie funktioniert die digitale Sprechstunde? In einem eigens eingerichteten Raum im Rathaus Enzklösterle können Patientinnen und Patienten per Videogespräch mit teilnehmenden Hausärzten aus der Region in Kontakt treten. Dabei können verschiedene Anliegen geklärt werden, darunter allgemeine medizinische Beratung, Rezept- und Überweisungsanfragen, Krankmeldungen, Kontrolluntersuchungen oder auch Basisdiagnostik mit telemedizinischen Geräten.
Eine geschulte Fachkraft unterstützt vor Ort bei der technischen Umsetzung. Die Abrechnung erfolgt regulär über die Krankenkassen, sodass die Nutzung für die Bürger kostenfrei ist, heißt es weiter.
Für eine reibungslose Planung ist eine Anmeldung erforderlich, entweder telefonisch unter 07085/9 23 30 oder per E-Mail an rathaus@enzkloesterle.de. Zur Sprechstunde müssen die Patienten ihre Krankenversicherungskarte mitbringen.
Modellprojekt mit Zukunft
Das Projekt Ambigoal wird in Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle Telemedizin Baden-Württemberg umgesetzt und durch Landesmittel gefördert. Die Gemeinde Enzklösterle setzt mit diesem Angebot auf moderne Telemedizin, um die Gesundheitsversorgung vor Ort nachhaltig zu stärken, ist in der Mitteilung weiter zu lesen.
„Wir freuen uns, dass wir dieses zukunftsweisende Angebot nun an den Start bringen können und danken ganz herzlich allen an dem Projekt Beteiligten, insbesondere Herrn Florian Burg vom Bosch Health Campus. Unser Ziel ist es, das Modell langfristig auszubauen – beispielsweise um telemedizinische Facharztsprechstunden“, so Zenker abschließend.
Weitere Informationen zum Projekt gibt es online unter www.enzkloesterle.de