Bei der Familie Orgon versammeln sich alle um das Sofa, auch Tartuffe oder der Betrüger. Foto: Ziechaus

Das Zimmertheater Rottweil musste das Stück „Tartuffe“ vom nassen Marktplatz in Schiltach in die Gemeindehalle Lehengericht verlegen.

Die in Versen gefasste Komödie von Molière mit ihrer deutlichen Kritik an religiöser Heuchelei war nach ihrer ersten Aufführung 1664 im Schloss Versailles vom Sonnenkönig Ludwig XIV. verboten worden. Erst die dritte Version des Stücks durfte aufgeführt werden und ist bis heute eines der meist gespielten Stücke des französischen Dichters.

 

Seine vor mehr als 350 Jahren geübte revolutionäre Kritik an der Heuchelei von Klerikern wurde jetzt bei der Aufführung um das pompöse Sofa in der Halle Lehengericht von den Schauspielern komödiantisch ausgebaut, zur teilweise hellen Freude im Publikum.

Der im Hause Orgon von allen bewunderte Priester Tartuffe umwarb, sich unbeobachtet fühlend, tänzelnd und zärtlich flötend die Dame des Hauses Orgon, Elmire. Sein Liebesgezwitscher beeindruckte zwar weniger Elmire, mehr ihren Gatten Orgon, versteckt hinter einem Vorhang. Für ihn mit eigenen Augen zu sehen, war der betrügerische Tartuffe besser zu verstehen. So verlor Orgon seine Illusion, erkannte den Heuchler und Betrüger, dem er in seiner Euphorie seinen gesamten Besitz vermacht hatte, ohne an den kritischen Sohn und die verliebte Tochter zu denken.

Auf dem Sofa im Hause Orgon ist einiges los. Foto: Ziechaus

Ohne seine für Elmire gespielte Liebesverblendung besteht Tartuffe auf seinem neuen Besitz und verlangte von Orgon mit seiner Familie, das Haus umgehend zu verlassen. Als der klerikale Heuchler Tartuffe mit einem Kommissar seiner Forderung Nachdruck verleihen wollte, wurde er selbst verhaftet, weil man ihm auf die Schliche gekommen war und ihn als lange gesuchten Betrüger erkannt hatte. Damit war die erschlichene Schenkung hinfällig, und die Familie Orgon traf sich erleichtert um das Sofa in der guten Stube.

Tartuffe präsentierte sich zum Abschluss mit geschwungenen schwarzen Hörnern und Pelz. Foto: Ziechaus

Orgon verheiratete seine Tochter Mariane im roten Kleid mit ihrem angebeteten Valere.

Der Musiker Nicholas intonierte mit der singenden Säge die Moral von der Geschichte um den Heuchler Tartuffe. Der präsentierte sich zum Abschluss mit geschwungenen schwarzen Hörnern und Pelz, wie einer der Akteure bei der von Trump angestachelten Erstürmung des Kapitols in Washington im Januar 2021 nach der Wahl von Joe Biden. Beim Zimmertheater Rottweil hat Peter Staatsmann Regie geführt bei Tartuffe oder der Betrüger.