Die neue Spritpreis-Regelung ist in Kraft: Um 12 Uhr dürfen die Tankstellen einmal täglich die Preise erhöhen. Foto: Mitrevski/Montage: Weber

Die Spritpreise dürfen nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr, erhöht werden. Wie reagieren Tankstellen? Und was macht das mit dem Tankverhalten? Wir haben Kunden an den Zapfsäulen befragt.

An den Tankstellen in der Stuttgarter Straße in Freudenstadt wirkt es fast schon wie die Ruhe vor dem Sturm. Es sind nicht viele Kunden, die zwischen 10 und 12 Uhr an den Zapfsäulen stehen. Die Preise an den Shell- und Avia-Tankstellen sind auch zu dieser Zeit schon hoch angesetzt: 2,28 Euro für Diesel, 2,14 für Super und 2,08 für E 10.

 

Anders als an den vorigen Tagen gilt seit dem 1. April aber auch eine neue Spritpreis-Regelung: Nur noch einmal täglich dürfen Tankstellen die Preise erhöhen, und das um 12 Uhr.

Senken können sie die Preise beliebig oft. Verstoßen die Tankstellen dagegen, droht eine Strafe von 100 000 Euro. Bleiben die Spritpreise deswegen den ganzen Tag über auf einem höheren Niveau? Und was macht das mit den Kunden?

„Man wird echt kaputt gemacht“

Gerlinde Wiechert ist gegen 11 Uhr an der Avia-Tankstelle und saugt gerade ihr Auto. Von der neuen Regelung lasse sie sich nicht beeinflussen, erzählt die Frau aus dem Kreis Freudenstadt. Die Menschen könnten sowieso nichts an der politischen Weltlage ändern. Von Subventionen halte sie nichts – sie tankt, wenn sie es muss. „Wir müssen so oder so alle tiefer in unsere eigene Tasche greifen.“

Kurz darauf fährt Dirk Beushausen mit seinem Kleinbus in die Tankstelle ein. Er ist geschäftlich im Kreis Freudenstadt unterwegs, kommt eigentlich aus Mecklenburg-Vorpommern. Wird die neue Regelung sein Tankverhalten ändern? Er gehe nicht davon aus.

Er habe kein Vertrauen darin, dass die Regelung irgendetwas bewirke. „Die Preise gehen hoch und bleiben dann oben bis zum nächsten Tag“, moniert er, „viel wird sich nicht tun“. Er versuche auf der Autobahn langsamer zu fahren, um etwas Sprit zu sparen. Als Selbstständiger mit sechs Fahrzeugen könne er sich bei weiten Strecken auch nicht immer aussuchen, wann er tankt. „Man wird echt kaputt gemacht.“

Sorgt das Gesetz für Preissenkungen?

Verspricht sich die Bundesregierung überhaupt niedrigere Preise durch die Regelungen? Laut Medienberichten zeigten die Erfahrungen aus Österreich, wo ein ähnliches Gesetz schon länger gilt, dass die Preise im Schnitt kurzzeitigen gesunken waren, sich danach aber wieder auf einem hohen Niveau eingependelt hatten.

An den Tankstellen in Freudenstadt herrscht vor 12 Uhr nur mäßiger Betrieb – trotz drohender Preissteigerung. Foto: Aleksandar Mitrevski

Ähnlich skeptisch sind auch der ADAC sowie Tankstellenbetreiber und der Wirtschaftsverband Fuels and Energie. Die Bundesregierung will mit dem Gesetz eher für mehr Transparenz und Verlässlichkeit sorgen.

Spritpreise um rund zehn Cent erhöht

Kurz vor 12 Uhr, immer noch kein großartiger Betrieb an den Tankstellen. Dann die Preiserhöhung. An der Avia steigt der Preis von Diesel um zehn Cent, auf 2,38 Euro. Bei Super und E10 sind es knapp neun Cent – hier klettern die Preise auf 2,23 und 2,17 Euro. An der Shell-Tankstelle sind die Kraftstoffe zur gleichen Zeit einen Cent billiger.

Ein Kunde, der anonym bleiben will, fährt kurz darauf die Shell-Tankstelle an. Die neue Regelung kenne er, aber er komme ja auch nicht drum herum, zu tanken. „Ich bin ja nicht aus Spaß unterwegs“, sagt er, tanken würde er meist auf dem Weg zur Arbeit.

Er zeigt auf die Zapfsäule: „50 Euro für 20 Liter, die bedienen sich an den Leuten, die zur Arbeit müssen.“ Für ihn eine Frechheit. Und früher tanken? Wenn der Sprit 50 Cent billiger sei, würde er es sich überlegen. „Aber bei fünf bis zehn Cent macht es auch keinen riesigen Unterschied.“

Preise sinken nur langsam

Die Bilanz des ersten Tages fasst n-tv mit Zahlen von „Tankerkönig“ zusammen: Bis 16 Uhr sind die Preise im Schnitt kontinuierlich gesunken, um vier bis fünf Cent. Der Höchstpreis vom Vortag war mit der Erhöhung um 12 Uhr aber überschritten.

Und in Freudenstadt? Dort sind die Preise bis 16 Uhr ebenfalls gesunken – um fünf Cent. Shell und Avia glichen ihre Preise an: 2,33 Euro für Diesel, 2,18 für Super und 2,12 für E10. Ob sich diese Preisentwicklung über die nächsten Tage festsetzt, wird sich zeigen.